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STEYR. Abschied von einem geliebten und vertrauten Menschen nehmen zu müssen, ist nicht einfach. „Es braucht dafür Zeit und Raum“, sagt der Steyrer Theologe und Diplom-Lebensberater Ewald Kreuzer.

Ewald Kreuzer (Foto: privat)
Ewald Kreuzer (Foto: privat)

Tips: Herr Kreuzer, zu Allerheiligen und Allerseelen besuchen viele Menschen die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen. Was bedeutet für uns dieser Brauch?

Kreuzer: Ich finde es ein schönes, kollektives Zeichen dafür, dass unsere Verstorbenen nicht vergessen sind. Sie haben weiterhin einen besonderen Platz in unserem Herzen und wir entzünden symbolisch dafür eine Kerze. Es ist berührend, wenn ein ganzer Friedhof bei Einbruch der Dunkelheit von vielen Grablichtern erleuchtet ist.

Tips: Was hilft Menschen in ihrer Trauer um einen geliebten Menschen?

Kreuzer: Ein jüdisches Sprichwort sagt: ‚Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung.‘ Wenn wir an gemeinsame Erlebnisse zurückdenken, uns Fotos ansehen, an jene Orte gehen, an denen wir zusammen waren, überkommt uns ein Gefühl der Vertrautheit und der Dankbarkeit. Wir spüren, wie verbunden wir noch immer miteinander sind. Der Sterbetag eines geliebten Menschen wird für seine Angehörigen zum Gedenktag.

Tips: Wie wichtig ist die Trauer für die Bewältigung des Verlustes eines Menschen?

Kreuzer: Die Trauer, die wir empfinden, ist ein Zeichen unserer Liebe. Um einen Menschen trauern kann nur der, der diesen Menschen auch geliebt hat. Je intensiver diese Verbundenheit war, desto stärker ist auch unsere Trauer. Das Psychoanalytiker-Ehepaar Alexander und Margarete Mitscherlich hat ein interessantes Buch geschrieben mit dem Titel ‚Die Unfähigkeit zu trauern‘. Die beiden Autoren sehen die Trauer als einen schmerzlichen Erinnerungsprozess unserer Seele, der notwendig ist, um danach wieder für lebendige Beziehungen zu anderen Menschen fähig zu werden.

Tips: Sie sind auch katholischer Theologe. Hilft Religion beim Umgang mit dem Tod?

Kreuzer: Religiöse Menschen trauern genauso wie andere Menschen. Aber sie betrachten den Tod nicht als das Ende, sondern als die Vollendung des irdischen Lebens und als das Vorletzte der menschlichen Existenz. Wie meinte die Raupe: Das ist das Ende. Doch der Schmetterling sagte: Das ist erst der Anfang.

Zur Person Ewald Kreuzer gestaltet seit vielen Jahren Verabschiedungsfeiern am Erd- und Urnenfriedhof in Steyr sowie in Sierning und in St. Valentin. Er ist Theologe, Mitglied des Franziskanischen Säkularordens, Diplom-Lebensberater und Autor. Der Steyrer hält Vorträge über psychische Gesundheit und ist Obmann des Vereins pro homine. Kontakt: Tel. 0664/2311570, www.pro-homine.at


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