Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

REGION STEYR. In Oberösterreich spricht man derzeit von „De facto Vollbeschäftigung“, auch in den 21 Gemeinden der Region Steyr ist die Arbeitslosenquote mit 5,8 Prozent niedrig. Trotzdem ist die Unsicherheit groß, 11.268 Mitarbeiter aus 353 Betrieben in Steyr und Steyr-Land befinden sich in Kurzarbeit. Tips bat den regionalen AMS-Chef Franz Sandmair zum Interview.

 (Foto: rh)
  1 / 2   (Foto: rh)

Tips: Wie beurteilen Sie die Lage am Steyrer Arbeitsmarkt?

Franz Sandmair: Die Lage des Arbeitsmarktes in Steyr ist deutlich besser als noch vor einem Jahr. Der Zugang von offenen Stellen ist sehr gut. Allerdings spielt die Kurzarbeit eine große Rolle. Verantwortlich dafür sind hauptsächlich Engpässe bei der Zulieferung bei bestimmten Produkten. Das war allerdings auch schon vor der Ukraine-Krise ein Thema.

Tips: Großbetriebe wie Steyr Automotive und BMW sind in Kurzarbeit. Ist ein Dominoeffekt auf Zulieferbetriebe zu befürchten?

Franz Sandmair: Wir beobachten tatsächlich eine gewisse Auswirkung auf Zulieferbetriebe.

Tips: Droht Steyr eine große Welle der Arbeitslosigkeit?

Franz Sandmair: Das können wir natürlich nicht wissen und müssen hoffen, dass der Konflikt in der Ukraine bald gelöst ist oder sich wenigstens nicht weiter ausbreitet.

Tips: Wie wirkt sich der Krieg in der Ukraine allgemein auf den Arbeitsmarkt in Steyr und Steyr-Land aus?

Franz Sandmair: Lieferengpässe für die Fahrzeugindustrie haben sich dadurch verschärft. Auch spielen steigende Preise insgesamt eine große Rolle. Allerdings ist nicht alles davon auf die Kriegshandlungen zurückzuführen, sondern entspricht auch der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung, die schon mit Covid begonnen hatte.

Tips: Wie sieht es mit Flüchtlingen aus der Ukraine am Arbeitsmarkt aus? Gibt es hier diesbezüglich Anfragen von Betrieben? Wie kann das AMS hier unterstützen?

Franz Sandmair: Es gibt konkrete Anfragen von Betrieben, die sich grundsätzlich für die vertriebenen Personen interessieren. Wir rechnen damit, dass bereits diese Woche die ersten Ukrainer bei uns registriert werden. Sie werden in Steyr unter anderem durch die Zusammenarbeit mit der Volkshilfe bei der Bewältigung der Herausforderungen unterstützt.

Tips: In welchen Bereichen sehen Sie Zukunftschancen für die Region?

Franz Sandmair: Alleine schon durch die starke Präsenz der Fahrzeugindustrie wird diese Branche auch in Zukunft eine große Rolle für den Steyrer Arbeitsmarkt spielen. Wir sind optimistisch, dass es den ansässigen Betrieben gut gelingen wird, sich an die neuen Technologien anzupassen.

Tips: Die Wirtschaftskammer kritisiert die hohe Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zu den durchaus vorhandenen, offenen Stellen. Wie sehen Sie diese Thematik?

Franz Sandmair: Meines Wissens zielt diese Kritik nicht spezifisch nur auf den Steyrer Arbeitsmarkt, sondern betrifft auch die anderen Bezirke. Auch wenn viele offene Stellen gemeldet sind, warten manche Betriebe noch mit der Einstellung von Arbeitskräften ab, weil die aktuelle Situation insgesamt schwer kalkulierbar ist. Ein weiteres Problem ist – nicht erst seit jetzt – die oft unzureichende Übereinstimmung von Personen- und Stellenprofilen. Dazu gehören beispielsweise gesundheitliche Voraussetzungen, Arbeitszeit, Erreichbarkeit des Arbeitsorts und natürlich die gefragten Qualifikationen. Dabei muss man beachten, dass die Arbeitslosigkeit auch in Steyr nach wie vor sehr stark sinkt. So ist beispielsweise der Anteil der langzeitarbeitslosen Personen seit dem Vorjahr um circa 43 Prozent gesunken. Das entspricht dem allgemeinen Trend in Oberösterreich. Mit der Arbeitslosenquote von 5,8 Prozent liegt Steyr noch deutlich unter dem österreichischen Schnitt von 6,3 Prozent.

Arbeitslosen-Statistik, Bezirk Steyr, März 2022 (Veränderung zum März 2021); Quelle: AMS OÖ 

Arbeitslose: 2.609 (-808)

Männer: 1.444 (-424)

Frauen: 1.165 (-384)

Steyr: 1.601 (-454)

Steyr-Land: 1.008 (-354)

Arbeitslosenquote: 5,8 % (7,6 %)

Schulungsteilnehmer: 786 (-10)

Gemeinden Steyr-Land: Adlwang 27 (-5), Aschach 39 (-10), Bad Hall 137 (-31), Dietach 39 (-38), Gaflenz 10 (-7), Garsten 103 (-27), Großraming 30 (-12), Laussa 11 (-7), Losenstein 29 (-7), Maria Neustift 15 (-6), Pfarrkirchen 37 (-17), Reichraming 49 (+1), Rohr 31 (-12), St. Ulrich 38 (-21), Schiedlberg 16 (-8), Sierning 215 (-86), Ternberg 57 (-11), Waldneukirchen 27 (-6), Weyer 69 (-17), Wolfern 29 (-27)

Nach Altersgruppen:

bis 19 Jahre: 53 (-15)

20 bis 24 Jahre: 167 (-65)

25 bis 39 Jahre: 888 (-282)

40 bis 49 Jahre: 455 (-186)

50 bis 54 Jahre: 336 (-107)

55 bis 59 Jahre: 515 (-136)

60 Jahre und älter: 195 (-17)


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden