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STEYR. Die Preisexplosionen bei Strom, Miete und Essen treiben auch in Steyr immer mehr Menschen in die Verzweiflung - und zur Sozialberatung: Die Caritas zählte im ersten Quartal bereits 417 Kontakte. Im Vorjahr waren es im selben Zeitraum die Hälfte.

Caritas-Sozialberaterin Ursula Bichler (Foto: Caritas)
Caritas-Sozialberaterin Ursula Bichler (Foto: Caritas)

Die steigenden Energiekosten bringen immer mehr Menschen in echte Bedrängnis: Mathilde und Paul H. (Name geändert) leben mit ihren vier Kindern zur Miete. Paul geht arbeiten, Mathilde ist derzeit in Karenz. Vor allem die Energiekosten bringen die Familie immer stärker in Existenznot: Die Stromrechnung hat sich im Vorjahr um 200 Prozent erhöht und ist von 149 auf 482 Euro gestiegen. Die Kosten fürs Heizen sind mit 249 Euro ebenfalls hoch.

„Menschen haben Zukunftsängste“

2022 haben die Steyrer Sozialberater 465 Erwachsene und 379 Kinder unterstützt. Heuer haben sich allein im ersten Quartal schon 189 Personen aus dem Einzugsgebiet Steyr bei der Caritas gemeldet, weil sie nicht mehr wissen, wie sie ihre Energierechnungen bezahlen sollen. Im Vorjahr waren es im selben Zeitraum nur 17 Hilfesuchende mit Energiekostenprobleme. „Explodierende Stromrechnungen, enorm gestiegene Lebensmittelpreise, laufende Mieterhöhungen und absurd hohe Kosten für Heizung sind die häufigsten Gründe, warum Menschen zu uns kommen“, erklärt Ursula Bichler von der Caritas-Sozialberatungsstelle Steyr, „weil gleichzeitig das Einkommen nur gering bis fast gar nicht gestiegen ist, fehlt sehr oft eine Perspektive. Die Menschen haben Zukunftsängste. Für viele sind die Hoffnungslosigkeit und Resignation die schwerste Belastung.“

Armut vorrangig weiblich

In Steyr waren es im Vorjahr 284 Frauen und 181 Männer, die von der Caritas Unterstützung erhielten. Zusätzlich gab es über hundert anonyme Beratungen. Viele haben körperliche und/oder psychische Erkrankungen. Finanzielle Probleme sind da zusätzlich belastend. „Ein Teil unserer Arbeit ist auch, die Menschen aufzubauen und ihnen Mut zu machen“, erklärt Bichler.

Ob jemand Anspruch auf die Caritas-Hilfe hat, wird zuvor anhand der Einkommens- und Ausgabensituation geprüft. Gemeinsam soll ein langfristiger Weg aus der Krise gefunden werden. „Diese Aufgabe wird für uns aber immer schwieriger“, sagt Ursula Bichler. “Wir haben über 25 Prozent mehr Ausgaben, weil wir aufgrund der Teuerungen mehr Geld benötigen, um die Situation zu stabilisieren“, so die Caritas-Mitarbeiterin. „Früher gaben wir für eine Woche einen Lebensmittelgutschein um 40 Euro aus. Jetzt braucht es 60 Euro, um den Bedarf für die Woche zu decken.“

Haussammlung

Die Caritas-Nothilfe in den Sozialberatungsstellen funktioniert nur dank Spenden, die großteils bei der Haussammlung eingenommen werden. Ehrenamtliche Mitarbeiter der Pfarren gehen dabei von Tür zu Tür oder hinterlassen einen Erlagschein im Postkasten. Aktuell bitten wieder Mitarbeiter aus den Pfarren bei der Haussammlung in Steyr und Steyr-Land um Spenden.

Das Geld kommt ausschließlich der Hilfe für Menschen in Oberösterreich zugute und ermöglicht der Caritas schnelles Handeln: mit Lebensmittelgutscheinen, Zuschüssen für Strom und Heizung, beratenden Gesprächen, Lernunterstützung für sozial benachteiligte Schulkinder sowie mit Obdach, warmem Essen, Medikamenten und Kleidung für diejenigen, die auf der Straße leben.

Kontakt: Caritas-Sozialberatungsstelle Steyr, Grünmarkt 1, Tel. 0676 87768029 (Montag, Dienstag und Donnerstag, von 9 bis 12 Uhr)

Schnelle und diskrete Online-Hilfe der Caritas: www.caritas.at/online-sozialberatung


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