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WALDNEUKIRCHEN. Der Kirchturm in Waldneukirchen erhielt 1723 eine Erhöhung und Barockkuppel. Historiker Ernest Ulbrich erzählt vom damals großen Bauprojekt, bei dem die Finanzierung bis heute unklar ist.

  1 / 2   Ernest Ulbrich analysiert den umfangreichen Bauakt des Turmbaus vor 300 Jahren. (Foto: Katharina Ulbrich)

Waldneukirchens prächtige Barockkuppel verleiht dem Gebäude den ehrfurchtsvollen Namen „Dom im Steyrtal“, der im Jahr 1723, also genau vor 300 Jahren, um neun Meter erhöht wurde. Über dieses Bauvorhaben existiert bis heute ein umfangreicher Bauakt im Pfarrarchiv, mit einem Bündel an Rechnungen, Listen, Bilanzen und einem Finalbericht.

Der Historiker Ernest Ulbrich nahm diese Faszikel (Akten) genau in Augenschein, übersetzte die recht schön geschriebene Kurrentschrift des damaligen neuen Pfarrers Daubmayr und analysierte das Baugeschehen anno 1723. „Überaus aufschlussreich waren die Bestellungen des Baumaterials wie Lärchenholz, Steine, Kalk, Sand, Schindeln, alles aus der Region, und dazu tausende handgeschmiedete Nägel aus Dambach, die am Rücken eines Waldneukirchners von dort hergetragen wurden“, beschreibt Ulbrich den Bauakt.

Ein Prestigeprojekt

Rätsel geben bis heute die Beweggründe für das Bauprojekt und die Frage der Finanzierung auf. Vermutlich war der Bau der Doppelzwiebel und einer Gesamthöhe von 47,3 Metern eine Art Prestigeprojekt des neuen Pfarrers Daubmayr. „Es ist nicht ganz klar, wie dieses Projekt finanziert wurde“, meint Ulbrich. Möglich wäre eine Erbschaft des Pfarrers oder großzügige Spenden von Bauern, denen es ein Anliegen war, dass man auch weiter entfernt noch das Glockenläuten um sieben Uhr abends hören konnte, denn das war das Signal für das Ende der Tagesarbeit.

Die Gesamtkosten betrugen rund 1.200 Gulden, was damals dem Wert eines sehr großen Vierkanthofes mit 60 Joch Grundbesitz entsprechen würde. Im Oktober 1723 waren die Bauarbeiten abgeschlossen. Jetzt musste ein neuer Glockenstuhl in der neuen Glockenstube eingebaut werden. Danach folgte unter enormer Kraftanstrengung das Anheben der vier Glocken in die neue Glockenstube.

Zulage wegen Gefahr

Der Uhrmacher zu Enns arbeitete an Uhr, Zeigern und Zifferblättern und zu Allerheiligen 1723 hörte man weithin den Klang des Geläutes und freute sich, dass kein Arbeitsunfall der Maurer und Zimmerleute passierte. Interessant ist, dass es damals schon eine Art „Gefahrenzulage“ gab, was sich bei den (äußerst niedrigen) Löhnen mit dem Zusatz „wegen großer Gefahr“ mit einigen Kreuzern mehr zeigte.

 


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