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Online Redaktion, 27.01.2026 06:06

STEYR. Der 27. Jänner, der internationale Holocaust-Gedenktag, erinnert an die Opfer der Shoah und an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau vor 81 Jahren. Auch Steyrer Juden wurden verfolgt, vertrieben, entrechtet und ermordet. 

Ezechiel Skalla-Geschäft um 1910 (Foto: Stadarchiv Steyr)
  1 / 2   Ezechiel Skalla-Geschäft um 1910 (Foto: Stadarchiv Steyr)

Erna Frankl kam am 5. Dezember 1915 als Tochter von Hermine und Heinrich Skalla in Steyr zur Welt. Ihre Familie betrieb in der Sierninger Straße 39 ein Geschäft für Gemischtwaren und Textilien. Erna besuchte die Volksschule und bis zu ihrem 14. Lebensjahr die Bürgerschule in Steyr.

Vertreibung und Flucht

Nach dem „Anschluss“ im März 1938 begann für die Familie Skalla der Leidensweg der Verfolgung, Vertreibung und des Entzugs ihres Vermögens. Mehrmals wurde Heinrich Skalla 1938 festgenommen, in der Pogromnacht am 10. November auch seine Frau und die Tochter Margarete.

Heinrich wurde vom Linzer Polizeigefängnis in das KZ Dachau gebracht, wo er später entlassen wurde. Doch das Ehepaar war gezwungen nach Wien zu ziehen - bis zur geplanten Flucht auf Donauschiffen nach Palästina.

Nach einer wochenlangen Odyssee erreichten sie schließlich die Küste von Palästina. Doch die britischen Mandatsbehörden wollten diesen „illegalen“ Transport aus Gründen der Abschreckung in die britische Kolonie Mauritius umleiten.

Per Frachtschiff nach Mauritius

Um das Schiff fahruntüchtig zu machen, hatten zionistische Kämpfer Sprengstoff am Schiff angebracht und es kam zu einer Explosion, bei der 260 Menschen den Tod fanden. 1.600 Flüchtlinge wurden auf Frachtschiffen nach Mauritius deportiert, wo sie im Gefängnis „Beau Bassin“ für fünf Jahre interniert waren, darunter auch das Ehepaar Heinrich und Hermine Skalla.

Die Kinder, Johann und Margarete Skalla, mussten nach dem „Anschluss“ nach Wien ziehen. Ihre Schwester Erna übersiedelte dorthin schon 1937. Am 14. Juli 1938 heiratete sie Alois Frankl (Jahrgang 1911) in Prag und zog mit ihm nach Dobris.

Entrechtung und Enteignung

Während der Abwesenheit des Ehepaares Skalla wurde ihnen das Vermögen entzogen, kommissarisch verwaltet und schließlich 1942 zugunsten des „Deutschen Reiches“ eingezogen. Waren und Einrichtung wurden abverkauft. Die sogenannte „Reichsfluchtsteuer“ und die „Judenvermögensabgabe“ mussten zusätzlich von den Skallas bezahlt werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg führte der Weg des Ehepaares Skalla von Mauritius über ein Flüchtlingslager in Süditalien nach Großbritannien. Briefe von Heinrich und Hermine Skalla zeugen von ihren jahrelangen Bemühungen, ihr Vermögen wieder zu erhalten.

Sie bezeugen aber auch ihre Verfolgung, ihre Haft, ihre Flucht und die schwierigen Lebensumstände auf der tropischen Insel Mauritius. Es wird sichtbar, wie sehr ihr Leben nach dem Krieg in England durch seelische und körperliche Leiden beeinträchtigt war.

Flucht, Deportation und Ermordung

Während den Geschwistern Johann und Margarete Skalla die Flucht von Wien nach Großbritannien gelang, entkam die ältere Tochter Erna den Nazischergen nicht. Am 4. September 1942 deportierte man Erna und ihren Ehemann Alois Frankl von Prag in das KZ Theresienstadt. Nur vier Tage später wurden sie sie in Maly Trostinec (Weißrussland) ermordet.

Die Eltern von Erna Frankl ließen am jüdischen Friedhof in Steyr zur Erinnerung an ihre Tochter einen Grabstein mit folgender Inschrift anbringen: „Zum Andenken an unsere unvergessliche Tochter ERNA vereh. FRANKL welche im 26. Lebensjahre [...“ nach unsagbaren Leiden Opfer des furchtbaren Hitlerterrors wurde. Die tieftrauernden Eltern u. Geschwister“

Seit Mai 2025 erinnert ein „Stolperstein“ vor ihrer ehemaligen Wohnadresse, Sierninger Straße 39, in Steyr an Erna Frankl.

Quelle: Waltraud Neuhauser-Pfeiffer 


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