Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

STEYR. Süß, saftig und bunt: Beeren sind für Kinder besonders anziehend – auch weil sie eher niedrig wachsen. Doch zwischen Erdbeeren und Ribiseln wuchern mitunter Pflanzen, die sehr gefährlich sein können.

Oliver Wagner ist Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Steyr. Foto: OÖG

So schnell kann man oft gar nicht hinsehen, wie der Sprössling draußen beim Spielen oder beim Waldspaziergang Beeren entdeckt und in den Mund steckt. Ist unklar, ob es sich um essbare Früchte handelt, heißt es Ruhe bewahren und trotzdem rasch reagieren. Selbst im Zweifelsfall sollten Erwachsene immer medizinische Hilfe in Anspruch nehmen und keinesfalls abwarten, ob Symptome auftreten: „Manche Giftpflanzen zeigen erst nach 24 Stunden ihre Wirkung“, warnt Primar Oliver Wagner vom Klinikum Steyr. Er ist Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde.

Keinesfalls abwarten

Neben sehr verschiedenen Symptomen wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Müdigkeit seien – je nach Menge und Art der erwischten Beeren – auch Bewusstlosigkeit und Herz-Kreislauf-Probleme möglich. Der Primar rät, jedenfalls sofort die Vergiftungszentrale anzurufen – sie ist rund um die Uhr erreichbar unter Tel. 01/4064343. „Beschreiben Sie die Pflanze und folgen Sie den Anweisungen am Telefon. Halten Sie, wenn möglich, auch Angaben zu Größe und Gewicht des Kindes bereit und darüber, wie viel es vorher gegessen und getrunken hat. Geben Sie dem Kind währenddessen Wasser, Tee oder Saft in kleinen Schlucken, um die Aggressivität des Giftes etwas zu vermindern. Bei starken Erscheinungen wie Bewusstseinsveränderungen, Lähmungen, Muskelkrämpfen, Atmungsstörungen oder Bewusstlosigkeit ist sofort der Notarzt zu verständigen.“

Beeren-Reste für Arzt aufbewahren

Finden sich im Mund des Kindes noch Beeren-Reste, sollten Eltern diese unbedingt zum Arzt mitnehmen. Dadurch kann schneller bestimmt werden, um welche Beere bzw. Gift es sich handelt.

Hausmittel schaden

Dringend abgeraten wird von Hausmitteln. „Zum Beispiel ist das Einflößen von Salzwasser, um ein Erbrechen auszulösen, unter Umständen sogar lebensgefährlich“, weiß Arzt Wagner. Ebenso Milch galt lange als bewährtes Mittel, doch der Experte warnt: „Das Fett in der Milch erhöht die Löslichkeit vieler Giftstoffe.“ Auch das Stecken der Finger in den Hals sei gefährlich und könne dramatische Kreislaufreaktionen hervorrufen.

Vorbild sein beugt vor

Um Vergiftungsunfällen bei Kindern vorzubeugen, sollten Erwachsene ein gutes Vorbild sein. „Wenn man sich als Erwachsener einfach Beeren vom Strauch schnappt und sie isst, machen Kinder das nach. Sinnvoll ist es daher, ihnen beizubringen, dass selbst gepflückte Beeren niemals heimlich vernascht werden dürfen, sondern immer erst hergezeigt werden müssen.“

Ungenießbar

Obwohl giftige Pflanzen für Kinder sehr gefährlich werden können, beruhigt der Mediziner, dass nur etwa jede siebzigste Pflanzenvergiftung in einer schweren Vergiftung endet: „Giftige Beeren sehen verlockend aus, schmecken aber meistens bitter und ungenießbar. Das hat den Vorteil, dass Kinder sie in der Regel auch schnell wieder ausspucken.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden