Asylwerber als Chance für heimische Betriebe
STEYR. Die Problematik der fehlenden Fachkräfte wird für Unternehmen immer größer. Auf der anderen Seite gibt es viele Jugendliche ohne Job. Das Arbeitsmarktservice (AMS) und zahlreiche Partner wollen vermitteln und „Win-Win-Situationen“ schaffen.

„Es sind nicht immer nur die Jugendlichen, die nicht wollen. Oft fehlt es auch an der nötigen Unterstützung, zum Beispiel aus dem familiären Umfeld“, sagt Steyrs AMS-Chef Hubert Heindl bei einem Abend unter dem Motto „Wir bringen“s zusammen“. Unternehmer sind dabei auf Vertreter von AMS-Partnerorganisationen getroffen, die junge Menschen in Sachen Lehrstellensuche unterstützen. Für Betriebe, die lernschwachen Jugendlichen eine Chance geben, gibt es zahlreiche Möglichkeiten der Förderung.
Jugendberaterinnen
Zwei Jugendberaterinnen nehmen sich am AMS Steyr speziell um die 15- bis 25-Jährigen an und holen sie dort ab, wo sie stehen. Sie können zwischen Firmen und Lehrstellensuchenden vermitteln und auch Förderungsansprüche prüfen lassen. Via Partnerorganisationen gibt es etwa die Möglichkeit einer verlängerten Lehre. Der Lehrabschluss kann auch nur in Teilbereichen gemacht werden. „Der Lehrplan kann individuell angepasst werden“, sagt Anna Lumplecker von Jugend am Werk. Laut Experten müssen auch die Industriebetriebe umdenken und Fachkräfte verstärkt nicht nach strengen Lehrplänen, sondern nach den jeweiligen betrieblichen Bedürfnissen ausbilden.Für Mangelberufe besteht die Möglichkeit, Asylwerber bis zum Alter von 25 Jahren als Lehrlinge aufzunehmen. „Mittlerweile machen schon einige Betriebe davon Gebrauch. Die Rückmeldungen sind sehr gut“, sagt Regina Stadlhuber vom AMS. Zuletzt hat auch ein Steyrer Großbetrieb einen Syrer als Zerspanungstechnik-Lehrling aufgenommen. Weitere Mangelberufe sind etwa Tischler, Zahntechniker oder Dachdecker/Spengler.
„Griaß di Chef“
Auch der Lehrberuf des Stahlbautechnikers steht auf der Mangelliste. Diese Chance hat man bei der Firma Hartl Metall in Waldneukirchen genützt und Parsa Sajadyan im August 2016 aufgenommen. „Die Beratung und Betreuung des AMS hat sehr gut funktioniert“, sagt Geschäftsführer Martin Hartl, der vom Flüchtling aus Afghanistan täglich mit „Griaß die Chef“ begrüßt wird. Auch im Team ist der 23-Jährige bestens integriert, sein Deutsch wird immer besser. „Er ist voll motiviert und total geschickt und hat in Österreich auch schon den Hauptschulabschluss gemacht“, erzählt Firmenchef Hartl. Parsa Sajadyan lebt mit seiner Frau und seinem kleinen Kind in Sierning.
Lehrlinge schwer zu kriegen
Ähnlich gute Erfahrungen hat man bei der Firma Terschl in Adlwang gemacht. Seit Mitte Jänner ist Roholla Bostani in der Firma beschäftigt. „Die Arbeit macht mir Spaß, ich hoffe, ich kann in den nächsten Jahren in der Region Bad Hall bleiben“, erzählt der 19-jährige Afghane, der vor etwa zwei Jahren als Flüchtling nach Österreich gekommen ist. „Er spricht schon recht gut Deutsch und zeigt Willen“, sagt Prokurist Werner Terschl, der über die neue Möglichkeit froh ist. „Wir haben schon seit Jahren massive Probleme, geeignete Lehrlinge zu finden.“


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