„Krisen sind immer Chancen, große Sprünge nach vorne zu machen“

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Robert Hofer Robert Hofer, Tips Redaktion, 11.07.2020 07:15 Uhr

STEYR. Über 9.000 telefonische Anfragen haben Sarah Radinger und ihr Team von der Wirtschaftskammer-Bezirksstelle Steyr in den letzten Monaten abgewickelt. Im Tips-Interview spricht die Bezirksstellen-Leiterin über die Sorgen der Unternehmer, die Kurzarbeit und die Möglichkeiten nach der Krise.

Tips: Wie haben sich die vergangenen Wochen und Monate in der WKO Steyr gestaltet?

Sarah Radinger: In den vergangenen drei Monaten war unser Team in der Beratung und der Interessenvertretung besonders gefordert. Die Mitarbeiter waren zu einem großen Teil im Home-office und standen unseren Mitgliedsbetrieben in erster Linie telefonisch mit Rat und Tat zur Seite. Alleine am ersten Tag des Lockdowns (16. März) führten wir rund 300 Telefonate. Insgesamt behandelte unser Team seit Beginn der Corona-Krise über 9.000 telefonische Anfragen.

Tips: Wie ging und geht das Team vor Ort damit um?

Radinger: Gemeinsam mit unseren Funktionären und Mitarbeitern arbeiten wir aktuell an den bestmöglichen Rahmenbedingungen, um vom Krisenmodus in den Neustart zu kommen. Damit die Corona-Hilfen ankommen, kämpfen wir in diesem Bereich unermüdlich darum, Verbesserungen zu erreichen. Unsere Mitarbeiter sind im Dauereinsatz, um den Härtefallfonds abzuwickeln. Aber es ist auch wichtig, jetzt einen Schritt weiter zu schauen und Maßnahmen zu ergreifen, die die Konjunktur wieder in Schwung bringen.

Tips: Was bedeutet das Coronavirus in Zahlen für die Region?

Radinger: Mit Ende März gab es in der Region Steyr 6.641 WKO-Mitglieder. Das sind 17 Unternehmen mehr als im Vergleichszeitraum 2019. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten. Was wir sagen können ist, dass das Instrument der Kurzarbeit von den Steyrer Betrieben gut angenommen wurde. Mit Stand Mai gab es laut AMS in Steyr-Stadt und Steyr-Land 1.025 Kurzarbeitsprojekte von 953 Betrieben. Betroffen sind dabei 15.883 Mitarbeiter.

Tips: Was sind die häufigsten Anfragen bzw. gröbsten Sorgen?

Radinger: Im Servicebereich bezogen sich die häufigsten Anfragen unserer Mitgliedsbetriebe in den letzten Wochen auf die Hilfsmaßnahmen für die Betriebe – hier vor allem auf den Härtefall-Fonds bzw. den Corona Hilfsfonds – und auf die Corona-Kurzarbeit. Ebenso nachgefragt wurden Informationen zu den Einschränkungen bzw. schrittweisen Öffnungen der einzelnen Branchen und auch Länderinformationen bezüglich Ein- und Ausreise nach/aus Österreich. Mit der Einrichtung der Plattform www.lieferserviceregional.at/steyr gleich zu Beginn konnten die Sorgen der Unternehmer bezüglich Geschäftsschließungen zumindest etwas gelindert werden. Es ist damit ein wichtiger Beitrag zur Aufrechterhaltung regionaler Umsätze gelungen.

Tips: Was können die Konsumenten beitragen?

Radinger: Mittlerweile hat allgemein ein Umdenken in der Bevölkerung eingesetzt. Der Einkauf mit Lieferwegen von tausenden Kilometern ist für viele nicht mehr die Lösung. Immer mehr Menschen werden sich bewusst: Regionale Produktion, regionaler Handel und regionale Dienstleistung sichern regionale Arbeitsplätze und unsere Nahversorgung. In Krisenzeiten und auch auf Dauer.

Tips: Die Infektionszahlen steigen derzeit wieder. Mit welchem Blick gehen Sie in den Sommer/Herbst bzw. bereitet man sich auf eine mögliche zweite Welle vor?

Radinger: Krisen sind immer auch Chancen, große Sprünge nach vorne zu machen. Es muss uns jetzt konsequent darum gehen, unser wirtschaftliches Leben robuster und damit weniger störungsanfällig zu machen. Dazu gehört eine digitale Transformation betrieblicher Vorgänge, wie die Automatisierung und Vernetzung mittels elektronischer Medien. Vielen Unternehmen sind rund um die aktuelle Corona-Krise die Hauptvertriebswege stark ein- bzw. sogar völlig weggebrochen. Vor allem der blockierte persönliche Zugang zu den Kunden hat sich für viele Betriebe als ein Riesenproblem gezeigt, das sie dringend lösen müssen. Aus diesem Grund ermöglicht es die WKOÖ ihren Mitgliedern, wichtige Digitalisierungs-Offensiven zu starten. So holen wir auch aus der aktuellen Krise das Beste heraus und gehen wieder mutig nach vorne.

 

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