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STEYR. Corona stellte auf dem Arbeitsmarkt vieles auf den Kopf. Lehrlinge haben aber immer Konjunktur. Tips sprach mit dem Steyrer AMS-Chef Franz Sandmair über die aktuelle Situation in der Region, die Veränderungen durch Corona, aktuelle Trends und die Zukunft des Lehrlingsmarktes.

Franz Sandmair (Foto: win)
Franz Sandmair (Foto: win)

Tips:Was hat sich auf dem Lehrlingsmarkt durch Corona verändert?

Franz Sandmair: Während Corona waren die Möglichkeiten, einen Betrieb kennenzulernen, eingeschränkt. Jugendliche waren durch Corona sehr stark betroffen – die Jugendarbeitslosigkeit insgesamt war sehr hoch. Es wurden auch weniger offene Lehrstellen gemeldet, da der Tourismusbereich, der Dienstleistungsbereich (wie zum Beispiel Friseure), aber auch die Produktion durch die Lockdowns und Kurzarbeit verunsichert waren. Dadurch entschieden sich mehr Jugendliche als sonst für den Besuch einer weiterführenden Schule bzw. haben sie die Möglichkeit des zehnten freiwilligen Schuljahres in Anspruch genommen.

Tips:Wo liegen die aktuellen Trends auf dem Lehrlingsmarkt?

Franz Sandmair: Die Berufswünsche der Jugendlichen haben sich nicht wesentlich durch Corona verändert. Mehr als ein Drittel aller Lehrstellensuchenden wünschte im Jahresdurchschnitt 2020 einen Ausbildungsplatz in einem von nur vier Lehrberufen: Einzelhandelskaufmann (15 Prozent), Bürokaufmann (7,7 Prozent), Kfz-Techniker (7,2 Prozent) und Friseur (4,8 Prozent).

Tips:Welche Branchen beziehungsweise Berufsfelder boomen derzeit besonders? Welche sind weniger gefragt?

Franz Sandmair: Im Bezirk Steyr sind derzeit beim AMS sehr viele offene Lehrstellen im Einzelhandel (auch E-Commerce/Onlinehandel) und in der Gastronomie gemeldet. Auch in den traditionellen Lehrberufen wie Elektro, Metall, Büro und Bau finden die Jugendlichen genügend Auswahl.

Tips:Wie sieht Ihre Prognose zur Entwicklung des Lehrlingsmarktes in den kommenden Monaten aus?

Franz Sandmair: Es werden nicht alle Lehrstellen besetzt werden können. Aus AMS-Sicht ist dies einerseits auf die geburtenschwachen Jahrgänge zurückzuführen, andererseits können wir noch nicht abschätzen, wie viele Jugendliche, die sich aufgrund der Coronakrise zwischenzeitlich entschieden, eine weitere schulische Ausbildung zu absolvieren, letztlich trotzdem noch eine Lehre anstreben würden.

Tips:Was macht eine Lehre für junge Menschen in der Region Steyr gerade jetzt attraktiv?

Franz Sandmair: Die große Auswahl an offenen Lehrstellen, quer durch alle Berufsgruppen. Auch neue Lehrberufe wie E-Commerce-Kauffrau oder Fahrradmechatroniker werden von Steyrer Lehrbetrieben bereits angeboten. Besonders erfreulich ist, dass die Steyrer Großbetriebe wieder Lehrstellen für unsere Jugendlichen anbieten.

Tips:Worauf sollte man bei der Berufswahl achten?

Franz Sandmair: Es muss nicht immer die Lehre im Einzelhandel, Büro, KFZ oder Friseurbereich sein. Es gibt auch viele andere interessante Lehrberufe, die man vielleicht noch nicht kennt. Ein Besuch in unserem BIZ (Berufsinformationszentrum) oder ein Online-Interessenstest unter www.ams.at/karrierekompass bieten eine professionelle Unterstützung bei der Lehr-, aber auch Berufswahl im Allgemeinen. Die Suche nach einer passenden Lehrstelle sollte schon jetzt im Herbst begonnen werden, da bereits die meisten Firmen ihre Nachfrage für Lehrlinge ab Sommer 2022 beim AMS gemeldet haben.


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