Schuss ins Knie
SIERNING. Landwirt Franz Forster will bezüglich Beizen und Pflanzenschutzmittel aufklären.

Zuerst einmal vorweg: Wir Landwirte verwenden Beizen und Pflanzenschutzmittel nur, wenn es sein muss. Dieser Leserbrief soll für Aufklärung sorgen und zum Nachdenken anregen.
Eine Umweltschutzorganisation hat Klage eingereicht und damit erreicht, dass die Ausnahmegenehmigung zur Verwendung von gebeiztem Zuckerrüben-Saatgut mit Neonicotinoide hinfällig ist. Diese Beizung hat bisher bewirkt, dass der Samen während der Keimung im Boden von Fressfeinden optimal geschützt ist. Insbesondere vor dem Erdfloh, der es schafft mehrere Hektar (ganze Rübenfelder) sozusagen über Nacht zu vernichten.
Keine taugliche Alternative
Als Alternative gibt es mehrmalige Spritzungen mit einem Insektizid. Dieses Insektizide vernichten sowohl Nützlinge als auch Schädlinge. Da es aber nur 24 Stunden wirksam ist, bedeutet das für mich als Landwirt, dass ich je nach Witterung und Befall mehrmalige Behandlungen (fünf bis sechs) durchführen muss, um meine kleinen Rübenpflanzen die ersten zwei Wochen zu schützen. Ganzheitlich betrachtet ist diese Alternative keine Win-win-Situation, denn die Insekten „steigen“ im Vergleich zur Beize wesentlich schlechter aus. Für die Landwirte ist der Aufwand um ein Vielfaches höher (Spritverbrauch, Kosten, Zeit usw.) und für das Überleben der Rübenpflanzen gibt es trotzdem keine 100-prozentige Sicherheit, weil der Erdfloh so gefräßig ist und bei Befall die Behandlung meist zu spät kommt.
Welche Folgen entstehen daraus?
Der Anbau von heimischen Zuckerrüben wird zurückgehen und wir werden unser wertvolles regionales Produkt, den Wiener Zucker, verlieren. Das ist bereits beim Raps ersichtlich, hier ist die Anbaufläche um 50 Prozent gesunken, weil die Beizung verboten ist. Also wieder ein weiteres Produkt, wodurch unsere Abhängigkeit von Importen steigt. Gut, werden manche sagen, importieren wir halt aus dem Ausland. Eines muss aber klar gesagt werden: Im Ausland wird nach ganz anderen Bedingungen produziert - bestimmt aber mit minimalsten Umweltstandards. Aufgrund der Abnahme unsere Produktivität und der steigenden Importe, werden weitere Flächen benötigt und Regenwälder gerodet, damit unser Bedarf gedeckt werden kann. Das, obwohl wir die Produkte leicht selbst erzeugen könnten (Ökologischer Fußabdruck lässt grüßen!).
Eine Organisation bringt Klage beim EuGH ein und die Entscheidung wird auf emotionaler Ebene statt auf fachlicher Basis getroffen - mit fatalen Auswirkungen für Österreich und ganz Europa. Das Schwarz-Weiß-Denken muss endlich aufhören, wir brauchen keine Verbote, sondern adäquate Lösungen.
von Franz Forster, Sierning


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