Mitterlehner bei Gedenkfeier mit 200 Teilnehmern
TERNBERG. Mehr als 200 Menschen gedachten bei der elften Gedenkfeier der Katholischen Jugend Ennstal an die Opfer des Nationalsozialismus im KZ-Außenlager Ternberg. Mit dem ehemaligen Vizekanzler Reinhold Mitterlehner gab es auch einen prominenten Gedenkredner.

Das Motto 2019 lautete gemäß dem Jahresschwerpunkt des Mauthausen Komitees Österreich „Niemals Nummer. Immer Mensch“ und zog sich wie ein roter Faden durch die Feier. So bekam jeder Besucher eine Platzkarte, welcher ein nummerierter Sitzplatz zugeteilt war. Beteiligte Jugendliche waren zudem gut sichtbar mit einer persönlichen Nummer ausgestattet.
Anita Buchberger (Jugendpastoral Dekanat Weyer) und Reinhard Fischer (Regionskoordinator der kj oö Region Ennstal) führten durch die Feier und erinnerten daran, wie einst KZ-Häftlinge ihrer Identität und Individualität beraubt wurden. Auch Bischof Manfred Scheuer verwies darauf, dass die Frage nach dem „Wer bist du?“ im KZ nicht mehr gestellt wurde. „Jene, die zur Nummer, zum Kalkül, zur Funktion degradiert wurden, sollen beim Namen genannt werden“, so der Bischof. Lisa Infanger (Vorsitzende der kj oö) betonte den Einsatz der Katholischen Jugend für die Identität, Individualität und Würde jedes einzelnen Menschen.
Ist sich der Mensch ein Freund?
Gedenkredner war heuer zudem Reinhold Mitterlehner. „Ist der Mensch des Menschen Freund?“, fragte er mit Blick auf aktuelle Entwicklungen. Die Fähigkeit sich in andere hineinzuversetzen, Mitgefühl zu entwickeln, macht für den früheren Vizekanzler das Menschsein aus. Kritisch betrachtete er das Verblassen der Erinnerung, das mit dem Sterben der Zeitzeugen einhergehe, und eine Haltung des „Vergessenwollens“ der jungen Generation. „Wer Vergangenheit nicht aufarbeitet, dem fehlt das Sensorium, um Fehlentwicklung zu erkennen.“ Als größte Gefahr in Europa sieht Mitterlehner den Nationalismus und Rechtspopulismus, „der – scheinbar überwunden – jetzt wieder da ist.“
Jugend bewegt
Nach der Gedenkrede gestalteten Jugendliche einen bewegenden Gedenkakt. Alle Teilnehmer wurden aufgefordert Nummern, die für ihr Leben relevant sind, aufzuschreiben. Dabei zeigte sich, dass nach wie vor Menschen hinter der Anonymität von Nummern verschwinden.
Weiters wurden die bekannten Namen der Opfer des KZ-Außenlagers Ternberg verlesen; Dechant Friedrich Lenhart sprach ein Gebet. Zum Abschluss wurden vor der Pfarrbaracke Kränze niedergelegt.
Die musikalische Gestaltung oblag dem Jugendchor „re-member“ und einem Bläser-Ensemble des Musikvereins Ternberg. Als Mitveranstalter fungierten die Markt- und Pfarrgemeinde, der Musikverein, das Rote Kreuz, das Katholische Bildungswerk, die Katholische Frauenbewegung Ternberg und das Mauthausen Komitee Österreich. Zahlreiche Ehrengäste aus Kirche und Politik nahmen an der Gedenkfeier teil.
Gedenkraum seit 2008
2008 wurde im Zuge des größten Sozialprojekts Österreichs „72 Stunden ohne Kompromiss“ mit 45 Jugendlichen aus den Dekanaten Weyer und Steyr im Keller der Pfarrbaracke in Ternberg ein Gedenkraum installiert. Seither findet jährlich eine Gedenkfeier statt, ebenso gibt es Führungen auf Anfrage und auch ein pädagogisches Begleitkonzept wurde erarbeitet.
Info: Reini Fischer (kj.ennstal@dioezese-linz.at), Anita Buchberger (anita.buchberger@dioezese-linz.at)


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