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TRAUN.  Seit Geburt an ist Gerhard Leitner aus Traun gehbehindert. Der 49-Jährige engagiert sich aktiv beim OÖ Zivil-Invalidenverband (OÖZIV), eine Interessenvertretung für Menschen mit Beeinträchtigung. Anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember begab sich Gerhard Leitner auf Lokalaugenschein zum Thema Barrierefreiheit in Traun.

Gerhard Leitner Foto: Tips
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von ELISABETH ZEILINGER

„Da ich schon seit Geburt Diplegie habe, kenne ich es gar nicht anders und bin es gewohnt, dass man nicht sofort über jede Stufe drüberkommt. Man muss damit leben und einfach das Beste draus machen“, erzählt Leitner. Der Trauner ist seit mehr als 20 Jahren verheiratet, hat eine erwachsene Tochter und arbeitet als Büroangestellter in Linz.

In seiner Freizeit fährt er gerne Wellnessen mit seiner Gattin, „Schwimmen hab“ ich immer schon gern gemocht“, so Leitner. Seine Beeinträchtigung sieht er nicht als Problem, auch wenn er dadurch in der Vergangenheit bereits schon öfter an seine Grenzen gestoßen ist. Beruflich zum Beispiel: „Ursprünglich wollte ich einen technischen Beruf erlernen, das hat sich dann aber als körperlich zu mühsam erwiesen. Daher bin ich in einen Beruf gewechselt, den ich auch sitzend ausüben kann.“

Engagement im Verband

Seit fünf Jahren engagiert sich Leitner bereits aktiv beim OÖZIV – „Es betrifft mich selbst ja auch, da kann man viel zurückgeben, indem man anderen hilft. Bei Barrierefreiheit denkt man zunächst an Menschen, die gehbeeinträchtigt sind. Doch Barrierefreiheit gilt auch für Seh- und Hörbeeinträchtigte, das Thema ist also viel breiter gestreut als man denkt. Der Verband eröffnet hier eine weitere Sichtweise“, sagt Leitner.

Der OÖZIV fördere soziale Kontakte, es werden u. a. Ausflüge unternommen, Grillfeste oder Spielestammtische veranstaltet – auch bezirksübergreifend. Über seinen Bruder hat Gerhard Leitner beim OÖZIV Anschluss gefunden: Leitners Bruder – nicht beeinträchtigt – wohnt in Schwanenstadt und ist ebenfalls beim OÖZIV aktiv, da seine Partnerin auch gehbeeinträchtigt ist. „Das heißt, ich bin die meiste Zeit in Schwanenstadt – das Thema Barrierefreiheit betrifft mich aber auch daheim in Traun“, so Leitner.

Lokalaugenschein in Traun

„Im Zuge des Straßenbahn-Neubaus wurde in puncto Barrierefreiheit sehr viel berücksichtigt“, zieht Leitner nach seinem Lokalaugenschein Bilanz. „Alles was neu gebaut wurde, ist ordentlich umgesetzt worden. Ich glaube, dass wir in Traun auf einem guten Weg sind, was das betrifft.“ Punkten kann vor allem der neue Hauptplatz mit seinem taktilen Leitsystem und ebenen Zugängen, die auch für Rollstuhlfahrer bzw. Menschen mit Rollator leicht passierbar sind. Außerdem haben laut Leitner die meisten Geschäfte eine Rampe, wie zum Beispiel der Bäcker oder der Naturkostladen am Graumannplatz. Besonders bemerkenswert und fast schon ein „Eyecatcher“ sei laut Leitner auch die Rampe beim Juwelier am Hauptplatz. „Im Geschäft selbst ist dort auch ein Rollstuhlfahrer beschäftigt“, erklärt der Trauner.

Historische Gebäude oft Hürde

Positiv bewertet wurde auch das Schloss Traun: „Obwohl es ein historisches Gebäude ist, steht das Schloss Traun in Sachen Barrierefreiheit den ganzen Neubauten – wo barrierefreies Bauen gang und gäbe ist – in nichts nach“, so Leitner. „Bei bestehenden älteren bzw. historischen Gebäuden ist es da noch etwas schwieriger, z.B. das Gebäude in der Heinrich-Gruber-Straße beim Stadtmarketing ist schwer passierbar. Das liegt aber natürlich auch an der Beschaffenheit der Gebäude“, merkt Leitner an. In Summe eine sehr gute Bilanz, die Leitner seiner Heimatstadt ausstellt.

Der OÖZIV

Der OÖZIV ist der Zusammenschluss von derzeit 17 Orts- und Bezirksgruppen und setzt sich als Interessenvertretung für die Anliegen von Menschen mit den unterschiedlichsten Arten von Behinderungen ein. Das Ziel des OÖZIV ist es, Menschen mit Behinderung ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und sie auf diesem Weg zu begleiten. Neben den direkt Betroffenen sind aber auch die Angehörigen und deren Betreuung ein großes Anliegen. Jeder, der möchte, kann Mitglied werden und sich engagieren – egal ob beeinträchtigt oder nicht.


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