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BEZIRK URFAHR-UMGEBUNG. In Oberösterreich gibt es viele starke Gemeinden und Regionen. Doch auch hier macht die Landflucht nicht Halt. Trotz Wachstum der oberösterreichischen Bevölkerung verliert ein Drittel der Gemeinden ihre Einwohner. Als Regionalmedium greift Tips das Thema Landflucht im März auf und gibt einen Überblick über die Situation im Bezirk. Mit welchen Problemen haben die Regionen zu kämpfen? Und wie wird dagegen vorgegangen?

  1 / 3   Goldwörth, Zwettl an der Rodl und Vorderweißenbach waren von 2010 bis 2016 im Bezirk am stärksten von der Abwanderung betroffen.  Foto: Arthimedes/shutterstock.com

Im Bezirk Urfahr-Umgebung sind sechs Gemeinden von der Abwanderung betroffen (siehe Tabelle Seite 3). Laut Statistik Austria waren die Gemeinden Goldwörth, Zwettl an der Rodl und Vorderweißenbach in den Jahren 2010 bis 2016 am stärksten von der Abwanderung betroffen. Gramastetten, Engerwitzdorf und Walding konnten hingegen einen starken Zuwachs verzeichnen.

Goldwörth: ein Drittel weniger Kindergartenkinder

„Die Abwanderung wirkt sich vor allem bei der Auslastung im Kindergarten- und Schulbereich, die Zahl der Kindergartenkinder hat sich in den letzten Jahren etwa um ein Drittel verringert, als auch in finanzieller Hinsicht beim Budget der Gemeinde negativ aus“, sagt Johann Müllner, Bürgermeister aus Goldwörth. Durch die Abwanderung gehen Ertragsanteile, etwa 780 Euro pro Person und Jahr, verloren. In Summe werden es bis 2020 an die 50.000 Euro sein. „Dadurch verringert sich der finanzielle Spielraum für die Gemeinden, um anderweitige Projekte zu finanzieren. Da die Gemeinde Goldwörth sehr sparsam arbeitet, sind wir hier noch nicht unter Druck. Veränderungen, wie der Entfall des Pflegeregresses oder andere Beiträge können aber die Finanzlage sehr schnell verändern.“

Absiedelung wegen Hochwasser

Der Grund für die Abwanderung ist das Hochwasser 2013 und das damit einhergehende Absiedelungsprojekt und der ebenfalls damit verbundene Stopp von neuen Baulandwidmungen. „Etwa 50 Liegenschaften werden bis 2020 von den Besitzern aufgegeben, dagegen gibt es keine Alternative. Neue Baulandwidmungen sind derzeit nicht möglich, da sich das gesamte Gemeindegebiet im 30-jährlichen Hochwasserabflussbereich befindet“, erklärt Müllner. Erst durch einen entsprechenden Hochwasserschutz wir es hier wieder möglich sein, Widmungen und Bauvorhaben in dem geschützten Bereich vorzunehmen. In den Jahren 1990 bis 2000 war Goldwörth unter den wachstumsstärksten Gemeinden des Bezirkes.

Fehlendes Bauland in Zwettl

In Zwettl an der Rodl wirkt sich die Abwanderung ebenfalls negativ auf die Ertragsanteile des Bundes aus, da die Bewertung nach der Bevölkerungsanzahl erfolgt. „Ich denke in erster Linie erfolgt die Abwanderung wegen dem fehlenden verfügbaren Bauland und fehlenden Wohnungen“, erklärt der Zwettler Bürgermeister Roland Maureder. „Interessant ist auch, dass zwar die mit Hauptwohnsitz gemeldeten Personen weniger werden, die Nebenwohnsitze aber in ähnlicher Dimension steigen.“ Die Gemeinde hat bereits einen Agenda 21-Prozess gestartet, um die Meinungen und Ideen der Bürger für die Weiterentwicklung des Ortes zu erfahren. „Es wird auch versucht neues Bauland zu schaffen, was leider sehr schwierig ist. Aktuell ist gerade ein neues Wohnhaus in Schauerleithen mit zwölf Wohnungen in Ausarbeitung. Bei genügend Interessenten soll mit dem Bau noch Ende dieses Jahres begonnen werden.“

Stadtnähe, Leben im Grünen und Freizeitangebote

Die Gemeinde Engerwitzdorf kann sich über Zuwanderung freuen. „Die neuen Gemeindebürger tragen wesentlich zur Belebung unserer Vereine und Institutionen bei“, sagt Bürgermeister Herbert Fürst. „Die Zuwanderung bringt natürlich auch Herausforderungen, für die wir die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen müssen. Das beginnt schon bei der Kinderbetreuung mit der Krabbelstube, dem Kindergarten und der schulischen Nachmittagsbetreuung. Auch die Infrastruktur und das Angebot zur Freizeitgestaltung ist für die Gemeinde nicht immer in der gewünschten Geschwindigkeit zu bewältigen.“ Fürst sieht in den Arbeitsplätzen in der Gemeinde, der räumlichen Nähe zur Stadt, dem ausgezeichneten Angebot für Sport, Kultur und Vereinsleben und dem Leben im Grünen mit einem großen Infrastruktur-Angebot die Hauptgründe für die starke Zuwanderung in der Gemeinde.

Unternehmen ansiedeln

Auch die Gemeinde Feldkirchen an der Donau verzeichnet Zuwanderung. „Wir versuchen gezielt Unternehmen in unsere Gemeinde zu bekommen, denn das schafft Arbeitsplätze und somit bleiben und kommen auch Einwohner“, erklärt Bürgermeister Franz Allerstorfer. „Die Zahlen zeigen, dass wir eine attraktive Gemeinde sind mit einer guten Wohnlandschaft und vielen Freizeitangeboten. Wir haben eine enorme Nachfrage nach Wohnungen.“ Die Infrastruktur ist derzeit genügend gegeben. „Wenn wir weiteren Zuwachs haben, wird irgendwann ein Ausbau nötig.“

Wanderungssaldo

Der Wanderungssaldo ist die Differenz aus Zuzügen minus Wegzügen der jeweils betrachteten Gebietseinheit (ohne Einbeziehung der Geburts- und Sterberate sowie Nebenwohnsitzen). Ein positiver Wanderungssaldo wird auch als Wanderungsgewinn, Zuzugs- oder Zuwanderungsüberschuss bezeichnet, ein negativer Wanderungssaldo auch als Wanderungsverlust, Wegzugs- oder Abwanderungsüberschuss.

Der Wanderungssaldo (lt. Land OÖ/Statistik Austria) zeigt klar: Der Bezirk Urfahr-Umgebung ist mit einem Zuwanderungsüberschuss (+86 Zuwanderer im Erhebungszeitraum 2010 bis 2016, kumuliert, Durchschnitt pro Gemeinde) von Wachstum geprägt.

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