Corona in Palästina: „Das ganze Haus war gefühlt eine Intensivstation“
VORDERWEISSENBACH/PALÄSTINA. Seit 2002 leitet die in Vorderweißenbach aufgewachsene Ordensschwester Hildegard Enzenhofer das Pflegeheim Beit Emmaus in Quibeibeh in Palästina. In dem Bericht erzählt die Ordensschwester über die großen Herausforderungen mit dem Corona-Virus vor Ort.

Seit 1973 betreuen die Salvatorianerinnen das palästinensische Pflegeheim Beit Emmaus für junge behinderte und alte Frauen. Dabei handle es sich um sehr arme Menschen, die vor Ort – Christinnen wie Musliminnen – aufgenommen werden. Deren Angehörige können finanziell kaum etwas beitragen, die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung sei in der ländlichen Gegend trist. Viele Familien würden demnach nahe oder unterhalb der Armutsgrenze leben. Seit 2002 ist die aus Vorderweißenbach stammende Ordensschwester Hildegard Enzenhofer die Leiterin des Heims, das zwar nur etwas mehr als zehn Kilometer von Jerusalem entfernt liegt, vom Standard der westlichen Welt aber weit abgeschieden und eingeschlossen von der israelischen Sperrmauer liegen würde. „Behinderung ist in unserer Gegend eine Schande, und wenn ein behindertes Kind geboren wird, wird es oft weggesperrt. Oft dauert es Jahre, bis sich diese Menschen an eine menschliche Umgebung gewöhnen. Unsere Aufgabe ist es, sie ins Leben zu lieben“, erzählt Schwester Hildegard.
Corona sorgt für Probleme
Neben den ohnehin großen Herausforderungen, die es vor Ort zu bewältigen gäbe, beeinträchtige auch das Corona-Virus das Leben in Palästina bereits seit dem vergangenen März und so auch jenes von Beit Emmaus. Sowohl Grenzschließungen zu Israel als auch die Ausgangssperren würden so beispielsweise die Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten und Produkten, die für die bettlägerigen Bewohner unabdingbar sei, fast unmöglich machen. „Vor der Abriegelung baten wir zehn unserer Mitarbeiterinnen, bei uns auf dem Gelände zu bleiben und mit uns zu leben. Nur so konnten wir die weitere Versorgung unserer 35 weiblichen Bewohnerinnen sicherstellen, denn mit dem Eintreten der Krise im März brach auch eine weitere wichtige Stütze weg: Alle ausländischen Freiwilligen und Praktikantinnen, die im Pflegeheim arbeiteten, mussten in ihre Heimatländer zurückkehren“, berichtet die Ordensschwester.
Alle 35 Frauen erkrankten
Von Beginn an bereiteten die hohen Infektionszahlen in Palästina und Israel auch den Schwestern große Sorgen – berechtigterweise: So erkrankten in den vergangenen Wochen alle 35 Frauen in Beit Emmaus. Auch einige der Krankenschwestern und Salvatorianerinnen wurden vom Virus erwischt. „Das ganze Haus war gefühlt eine Intensivstation mit Sauerstoffgeräten, Infusionen und zwei Überwachungsgeräten“, erzählt Schwester Hildegard.
Keine Impfung in Palästina
Hinzu komme ein weiteres Problem: Während Israel zum „Impfweltmeister“ mutieren würde, gäbe es in Palästina noch gar keinen Impfstoff. „Gestern bekamen wir die Mitteilung, dass das mutierte Virus massiv in unseren Dörfern ‚wütet‘. Wir sind sehr besorgt, dass die Infektionen wieder ins Haus kommen. Für ein Gebet sind wir sehr dankbar“, so die Schwester.
Finanzielle Hilfe
Während sich das Haus vor der Pandemie weitgehend eigenständig durch den Verkauf von diversen selbstgefertigten Produkten an Pilgergruppen finanzierte, sind die Salvatorianerinnen gerade aktuell dankbar für finanzielle Hilfen. Laufend benötige man vor allem Lebensmittel und Medikamente. Wer die Schwestern unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende an das Konto der Missionsstelle der Diözese Linz (Kennwort: Beit Emmaus; IBAN: AT71 5400 0000 0038 3117) tun.


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