Tiergarten-Walding-Direktorin: "Tiere geben unheimlich viel Kraft"
WALDING. Angelika „Geli“ Mair führt seit 30 Jahren den Tiergarten Walding. Ihre Eltern hatten in Pasching in ihrem Bauern- und Gasthof eine Arche Noah aufgebaut, 1977 wurden die Tiere in den heutigen Tiergarten am Mursberg in Walding übersiedelt. Mit Tips hat Angelika Mair anlässlich des Weltfrauentages über Herausforderungen und die Freude an ihrer Arbeit gesprochen.

Tips:Was begeistert Sie an der Arbeit mit den Tieren?
Angelika Mair:Die Tiere geben einem unwahrscheinlich viel Kraft. Dass man Menschen mit dieser Arbeit glücklich macht und dass man Tieren ein Zuhause gibt, dafür lohnt es sich zu leben. Der Tiergarten ist mein Leben. Ich habe Tiere und die Natur von Herzen gern.
Tips: Welche Herausforderungen bringt der Tiergarten mit sich?
Angelika Mair:Wir sind sehr wetterabhängig. Heuer ist der Winter lang und die Wochenenden relativ schlecht. Zudem sind die Preise für Energie, Futter und Betriebskosten stark gestiegen. Das ist eine Herausforderung, die muss man meistern. Ohne die Unterstützung der Tierpaten und der Sponsoren würden wir es nicht schaffen. Dafür bin ich dankbar.
Tips: Wo schöpfen Sie Kraft?
Angelika Mair: Ich habe ein Gottvertrauen darin, dass alles gut wird. Man sollte sich nicht zu viele Sorgen machen,weil es dann schade um den Tag ist. Mit Kindern und Tieren lebt man im Augenblick. Ich sehe, wie vielen Kindern und Familien ich Freude machen kann – viel mehr Kindern, als wenn ich selbst eine Familie gehabt hätte. Das hat sich nicht ergeben; vielleicht dann im nächsten Leben.
Tips:Was zeichnet Sie als Chefin aus?
Angelika Mair: Seit 30 Jahren führe ich den Betrieb. Ich mache es mit Liebe, Leidenschaft und Freude. Aber: Ordnung und Konsequenz müssen sein, denn die Tiere gehören versorgt. Es ist so wunderschön hier. Das zu erhalten, dazu muss jeder beitragen – und dazu gehört auch eine gewisse Pflicht, aber wenn die Pflicht Freude macht, ist es gut.
Tips: Denken Sie, dass es für Sie als Frau schwieriger ist, sich ein Netzwerk aufzubauen?
Angelika Mair:Ich denke nicht. Wenn ich als Frau um etwas bitte, habe ich vielleicht mehr Chancen. Meine große Lehrmeisterin Brigitte Jindrak sagte immer: „Man muss sich helfen lassen.“ Wichtig ist, dass man die anderen braucht. Das muss der andere auch wissen. Das ist keine Schwäche, das ist eine Tatsache.
Tips:Wie wichtig ist Ihr Netzwerk?
Angelika Mair:Die Tiergartenfamilie mit Paten und Unterstützern ist groß. Der Bau des Elefantenhauses war eine Herausforderung, die ich ohne Johann Leo nicht geschafft hätte. Die Tierärzte Günter und Maria Palmetzhofer unterstützen uns immer ehrenamtlich. Seit vielen Jahren unterstützt mich Renate Stein bei der Pressearbeit.
Tips: Was raten Sie Frauen, um beruflich erfolgreich zu sein?
Angelika Mair: Man muss etwas wollen, sein Talent erkennen, aus dem das Beste machen und dann einfach zufrieden sein. Jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich. Man sollte Freude haben und andere Menschen glücklich machen, das gibt Kraft.
Tips:Welchen Beruf hätten Sie ohne den Tiergarten ergriffen?
Angelika Mair:Wahrscheinlich das Reiten. Mit 14 Jahren wollte ich Turnierreiterin werden und mit 15 wusste ich, dass ich keine Wirtin werde. Ich ging lieber in den Stall. Es war wunderschön, mit Tieren aufzuwachsen.
Tips: Denken Sie an den Ruhestand?
Angelika Mair:Ich bin 74 Jahre alt und will das machen, so lange es mir möglich ist. Je älter man wird, desto bewusster wird einem, dass jeder Tag ein Geschenk ist. Es gibt Menschen, die sich darum bemühen, dass der Tiergarten weiterbestehen wird.
Tips:Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
Angelika Mair: Wir haben in den vergangenen Jahren viel umgebaut, zum Beispiel das Bimbi Land. Jetzt ist es uns wichtig, das zu erhalten, was wir geschaffen haben. Dafür suchen wir Tierpfleger und ehrenamtliche Mitarbeiter, die sich etwa mit den Pferden und Ponys ihre Runden gehen oder sich um die Blumen kümmern. Blumen sind neben den Tieren meine zweite Leidenschaft.


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