Volkskrankheit Inkontinenz – viele Betroffene schweigen darüber
ÖSTERREICH. Blasen- und Darmschwäche ist die häufigste und auch am stärksten tabuisierte Volkskrankheit. Die Woche vom 19. bis 25. Juni steht mit der „Welt-Kontinenz-Woche“ daher im Zeichen der Inkontinenz.

Die Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) ist in dieser Woche aktiv, um betroffene Menschen über die Möglichkeiten der Vorbeugung sowie Behandlung zu informieren und das schambesetzte Leiden ein Stück weit aus dem Tabu zu holen. Info unter www.kontinenzgesellschaft.at/wcw. In Österreich leiden etwa eine Million Menschen an einer Inkontinenz. Laut WHO ist der ungewollte Verlust von Harn oder Stuhl die häufigste Erkrankung weltweit. „Wenn die Kontrolle über die Ausscheidungsorgane verlorengeht, bedeutet das ein massives Problem für Betroffene“, weiß Lothar C. Fuith, Präsident der MKÖ.
Alter ist größtes Risiko
Dennoch: Trotz des Leidensdrucks zählt die Inkontinenz heute immer noch zu den Volkskrankheiten, die am beharrlichsten verschwiegen werden. „Nur rund ein Drittel aller betroffenen Menschen spricht darüber und sucht aktiv nach Hilfe“, so Fuith. Besonders belastend ist die Stuhlinkontinenz. „Die Inkontinenz für Darminhalt ist den Betroffenen oft so peinlich, dass viele mit niemandem darüber sprechen – auch nicht mit dem Arzt – und aus Angst, nicht rechtzeitig eine Toilette zu finden, das Haus nicht mehr verlassen. Die Folgen sind Verlust an Selbstachtung, psychische Probleme und soziale Isolation. Auch die Angehörigen sind durch die Situation belastet und schnell überfordert“, beschreibt MKÖ-Vizepräsident Max Wunderlich. Obwohl viele junge Menschen und sogar Kinder betroffen sind, ist der größte Risikofaktor das Alter. Ab dem etwa 60. Lebensjahr werden die Schließmuskeln, die den Harn in der Blase und der Harnröhre oder den Stuhl im Rektum halten, kontinuierlich schwächer. Ab 80 ist bereits jeder Dritte „undicht“, was oft der Grund für die Einweisung in ein Pflegeheim ist.
Tipp: Auf der Webseite www.kontinenzgesellschaft.at ist der „Experten-Finder“, wo spezialisierte Ärzte und Physiotherapeuten nach Bundesländern sortiert.


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