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OBERÖSTERREICH. Die Oberösterreichische Landesinnung der Augenoptiker/ Optometristen schlägt Alarm wegen der rasant ansteigenden Kurzsichtigkeit bei Kindern und fordert konkrete Lösungsansätze. Schulen, aber auch Behörden und Forschungseinrichtungen müssen umdenken.

Kurzsichtig? Die richtige Brille hilft.Foto: Lindberg
Kurzsichtig? Die richtige Brille hilft.Foto: Lindberg

Die Schulzeit beginnt – rund 15.700 Tafelklassler starten diesen September in Oberösterreich durch. Etwa die Hälfte von ihnen wird in Zukunft kurzsichtig sein. Zu viel Zeit vor dem Handybildschirm und zu wenig Spiel an der frischen Luft haben zu einer stark anwachsenden Kurzsichtigkeit (Myopie) bei Kindern geführt. Heranwachsende brauchen zwei Stunden Aufenthalt im Freien pro Tag und am besten nicht mehr als eine Stunde vor Handy- und Computer-Bildschirmen. Denn dort wird nur in die kurze Distanz geblickt. Das Auge „verlernt“, in die Ferne zu sehen. Auch das mangelnde Tageslicht und das Blaulicht des Bildschirms schaden dem Auge. Die Kurzsichtigkeit ist irreversibel. Kinder mit hoher Myopie können später schwerwiegende Augenerkrankungen erleiden, wie zum Beispiel grüner Star oder Netzhautablösung. „Es ist wichtig, Eltern auf dieses Thema aufmerksam zu machen. Aber das allein reicht nicht“, warnt Peter Gumpelmayer, Oberösterreichischer Landesinnungsmeister der Augenoptiker Optometristen. „Mittlerweile ist unter den Kindern die Kurzsichtigkeit zur Norm geworden.“

Konkrete Maßnahmen werden gefordert

Vor allem in Teilen Asiens steigt die Zahl der Kurzsichtigen rasant (80 bis 90 Prozent der Jugendlichen). In Europa ist bereits jeder zweite junge Mensch betroffen „Wenn wir von 40 bis 50 Prozent der Kinder und Jugendlichen ausgehen, dann handelt es sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem mit weitreichenden Folgen für die Volksgesundheit. Es ist höchste Zeit für konkrete Maßnahmen“, fordert Gumpelmayer. In anderen Ländern wird bereits gehandelt – etwa in China, wo die Regierung vor kurzem einen Plan gegen die Kurzsichtigkeit bei Kindern vorgestellt hat, bei dem Regierungen, Schulen, Gesundheitsinstitutionen und Familien zusammenarbeiten sollen.

Digitales Klassenzimmer ist ein Horror

Die Augenoptiker / Optometristen fordern daher ein Umdenken – angefangen mit den Schulen. „Wenn Kinder für eine optimale Seh-Entwicklung mindestens zwei Stunden täglich im Freien sein sollten und einen Großteil ihrer Zeit in der Schule und im Hort beziehungsweise bei Hausaufgaben verbringen, dann müssen diese Stunden in den Schul- und Horttag integriert werden.“ Die Schulen seien daher angehalten, Wege zu finden, wie auch in der kühleren Jahreszeit, beispielsweise, mehr Sportunterricht oder andere Maßnahmen im Freien stattfinden können. Kritisch sieht Gumpelmayer auch Hausaufgaben, die mehr als eine Stunde Nahsehen erfordern. Ansätze, das Ausmaß der Computerarbeit zu steigern, seien zu hinterfragen. „Das digitale Klassenzimmer ist – aus Augensicht – ein Horror“.

Wir können das Rad nicht zurückdrehen

Unsere Möglichkeiten, die Bildschirmzeit zu reduzieren, sind als Gesellschaft aber leider beschränkt. „Uns muss klar sein, dass wir nicht das Rad zurückdrehen können. Unser Medienkonsum, viele Jobs, unser soziales Netz, all das findet zunehmend digital statt. Wir können nicht einfach sagen, „verwendet nur eine Stunde am Tag den Computer.“ Wir müssen Wege finden, die Gefährlichkeit der Nutzung zu reduzieren.“ Hier sind beispielsweise neue Forschungsansätzen gefordert. Lobend erwähnt der Landesinnungsmeister etwa eine Studie der Universität Tübingen, die sich mit der Frage befasst hat, ob heller Text auf dunklem Hintergrund Myopie-hemmende Eigenschaften hat.


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