Johannes Berger: "Ich möchte ein Fenster in die Gallneukirchner Geschichte öffnen"
GALLNEUKIRCHEN. Im Interview mit Tips spricht Johannes Berger über seine Arbeit als Topothekar der Gallneukirchner Topothek.

Tips: Wie und wann kam es zu Ihrem Engagement für die Topothek?
Johannes Berger: In Gallneukirchen eine Topothek aufzubauen geht auf eine Idee des Heimatvereinsobmanns Wilhelm Schinagl zurück. Er suchte im vorigen Jahr in einem Arbeitskreis von bewährten Fotografen, Archivaren und Heimatforschern einen Topothekar, der Interesse an der Ortsgeschichte und Computerkenntnisse für die Umsetzung mitbringen sollte. Die Wahl fiel auf mich und ich übernahm das Ehrenamt. Träger der Topothek ist der Heimatverein mit finanzieller Unterstützung der Stadtgemeinde.
Tips: Haben Sie sich schon immer für die Geschichte von Gallneukirchen und der Region interessiert?
Berger: Bereits in meiner Volksschulzeit hat mich das Schulfach Heimatkunde geprägt, weil hier auf den Schulort und die nähere Umgebung der Schüler eingegangen wurde. Später als Gallneukirchner Fachlehrer und Poly-Direktor hatte ich naturgemäß immer wieder mit meinem Heimatort zu tun. Nun habe ich in der Pension genügend Zeit, mich eingehender mit der langen und äußerst interessanten Ortsgeschichte und Ortsentwicklung zu befassen. Ich versuche, verschiedenste Zeitabschnitte aufzuarbeiten. Mit 2.400 Fotos, 80 Filmen, Audios und Textdokumenten habe ich diese auf der Homepage dokumentiert. Galli, wie mein Heimatort liebevoll genannt wird, war ja immer schon ein kultureller und wirtschaftlicher Mittelpunkt der Region. Die Aufarbeitung von zeitgeschichtlichen Themen und die tolle Arbeit in den verschiedensten Vereinen sind mir dabei besonders ans Herz gewachsen.
Tips: Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit als Topothekar besonders wichtig?
Berger: Im Mittelpunkt steht bei mir immer der Mensch. Wie und wo hat er früher gelebt? Waren es gute Zeiten, schlechte Zeiten? Was lernen wir daraus? Welche Erinnerungen haben wir? Dabei sind Sorgfalt und Genauigkeit wesentliche Kriterien bei der Aufarbeitung der Geschichte. Es ist immer wieder schön zu sehen, dass mich bereits über 70 Gallneukirchner mit passendem Geschichtsmaterial versorgt haben. Sie sind ein äußerst wertvoller Datenlieferant. Herzlichen Dank dafür. Man kann sich vorstellen, dass es mitunter schwierig ist, Daten aus zweiter Hand richtig einzuordnen. Wirklich eine schweißtreibende Arbeit. Da können leider auch einmal kleine Ungenauigkeiten in der zeitlichen Zuordnung vorkommen.
Tips: Haben Sie ein konkretes Ziel, das Sie mit Ihrer Arbeit verfolgen?
Berger: Natürlich. Ich möchte ein Fenster in die Gallneukirchner Geschichte öffnen. Nicht in Vergessenheit geraten sollen dabei die besonderen Leistungen und das tägliche Leben der Gallneukirchner. Es gibt so viele herzeigbare Momente, Menschen, die im gedeihlichen Miteinander sich für das Allgemeinwohl und den sozialen Frieden einsetzen und damit unsere kleine Stadt liebenswert und lebenswert machen.
Tips: Wo steht die Topothek im Moment? Sind Sie mit der Entwicklung zufrieden?
Berger: Das Projekt hat die Erwartungen mehr als übertroffen und ist längst zu einem Erfolgsmodell geworden. Dank der enormen Mithilfe der Bevölkerung und der engagierten Mitarbeit von Willi Schinagl zählen wir über ein halbe Million Bildtreffer innerhalb nur eines Betriebsjahres. Mit 3.000 Beiträgen zur Gallneukirchner Geschichte kann am Computer Wissen abgerufen werden (www.gallneukirchen.topothek.at). So bleibt Erinnerung an längst vergangene Zeiten lebendig. Die vielen positiven Rückmeldungen sind für mich der beste Ansporn weiterhin meine ganze Kraft und viel Zeit für die Topothek einzusetzen. Die Topothek wird ständig monatlich mit 100 neuen Beiträgen erweitert und zu Beginn des kommenden Jahres 2022 mit einer Großveranstaltung in der Gusenhalle näher vorgestellt werden.


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