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URFAHR-UMGEBUNG. In fünf – mit Steyregg sechs – Gemeinden des Bezirks gab es am 26. September keine Entscheidung, was den Posten des Bürgermeisters betrifft. Am kommenden Sonntag müssen in fünf dieser somit Stichwahlen abgehalten werden.

In fünf Gemeinden werden die Bürger nochmals zur Wahlurne gebeten. Foto: Wodicka
In fünf Gemeinden werden die Bürger nochmals zur Wahlurne gebeten. Foto: Wodicka

Engerwitzdorf, Feldkirchen, Gallneukirchen, Steyregg und Ottensheim: In diesen fünf Gemeinden gilt es für die Bürger, am kommenden Sonntag noch einmal zu den Wahlurnen zu schreiten. In diesen konnte vor fast zwei Wochen keiner der Kandidaten die 50-Prozent-Marke überschreiten.

SPÖ überholt ÖVP

Für eine besondere Überraschung sorgte zunächst das Wahlergebnis in Gallneukirchen. Dort erhielt der erst seit Kurzem amtierende ÖVP-Bürgermeister und Nachfolger von Gisela Gabauer, Helmut Hattmannsdorfer (38,10 Prozent), weniger Stimmen als sein Kontrahent Sepp Wall-Strasser (SPÖ, 46,32 Prozent). Laut Letzterem sei man damit zum ersten Mal stimmenstärker als die ÖVP. Auch wenn er sich über dieses Ergebnis freue, betont Wall-Strasser, sich nun nicht zurücklehnen zu dürfen: „Denn die Leute sehen die Prozentsätze, nur in Wahrheit sind das 300 bis 400 Stimmen und die sind schnell ausgetauscht.“

Ähnlich ist die Situation in der Nachbargemeinde Engerwitzdorf: Auch dort hat die ÖVP die absolute Mehrheit erstmals verloren. Zum ersten Mal muss sich außerdem Bürgermeister Herbert Fürst (49,71 Prozent), wenn auch nur knapp, einer Stichwahl stellen. „Ab sofort heißt“s weiter arbeiten, anpacken und entwickeln“, so Fürst, während Moser-Luger betont: „Für mich und das SPÖ-Team in Engerwitzdorf ist es jedenfalls ein klares Zeichen, dass mit jahrelanger konservativer Politik kein Staat mehr zu machen ist.“

Spannung in Feldkirchen

Interessant wird es am Sonntag auch in Feldkirchen, wo in einem zweiten Durchgang SPÖ-Bürgermeister David Allerstorfer (42,37 Prozent) und Sabine Lindorfer von der ÖVP (36,97 Prozent) aufeinander treffen werden. Allers­torfer: „Die Lehre nach der Wahl des Gemeinderates ist die, dass sich Wähler bei bestimmten Themen einfach mehr Engagement oder andere Entscheidungen von uns gewünscht hätten. Jetzt heißt es vor allem ehrlich und nachhaltig für unsere Gemeinde zusammenarbeiten.“ Herausforderin Sabine Lindorfer betonte gegenüber Tips hingegen, sich über das Gemeinderatswahlergebnis – die ÖVP wurde stimmenstärkste Partei – zu freuen. Im Falle der Wahl zur Bürgermeisterin wolle sie über Partei- und Gemeindegrenzen hinaus arbeiten. „Ich möchte mich für die Weiterentwicklung von Feldkirchen mit voller Kraft und auch mit meinem vielfältigen Netzwerk in der Politik und Wirtschaft einsetzen.“

Erneut zweiter Durchgang in Ottensheim

Wie schon 2015 kommt es auch heuer in Ottensheim zu Stichwahlen. Dieses Mal ist es aber ÖVP-Bürgermeister Franz Füreder (47,54 Prozent), der sich damals Uli Böker und heute Klaus Hagenauer (pro O, 41,93 Prozent) stellen muss. Gegenüber Tips zeigt sich Füreder optimistisch: „Ich habe ein gutes Gefühl für die Stichwahl. Einerseits weil ich Bürgermeister für alle war und wieder werden will. Weiters haben ich gemeinsam mit alle Fraktionen in den letzten sechs Jahren viel weitergebracht. Ich möchte in der nächsten Periode weiterhin die Zusammenarbeit in Vordergrund stellen.“

Positiv, was die kommende Entscheidung am Sonntag betrifft, zeigt sich auch Hagenauer. Auch er wolle bis zur Stichwahl am 10. Oktober noch viele Menschen überzeuge, „dass ich ein Bürgermeister für alle in Ottensheim und somit der bessere Bürgermeister für die nächsten sechs Jahre bin. Das Ergebnis der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl in Ottensheim ist – so wie in Reichenau und Steyregg – ein Paradebeispiel für den Erfolg unabhängiger Bürgerlisten: Die Leute wollen die Politik selber in die Hand nehmen und wünschen sich für ihre Heimatgemeinde eine Politik, die unabhängig ist von den Landesparteien“

Keine Stichwahl in Reichenau

Zum Thema Bürgerlisten sorgte in Reichenau auch jene von Peter Rechberger: mit der Liste Miteinander in Reichenau erreichte der ehemalige ÖVP-Fraktionsobmann auf Anhieb 44,87 Prozent und überholte knapp ÖVP-Bürgermeister Hermann Reingruber (44,52 Prozent). Zu einer Stichwahl wird es hier (Stand bei Redaktionsschluss, Montag, 17 Uhr) allerdings nicht kommen: Reingruber gab gegenüber Tips bekannt, nicht mehr als Kandidat zur Verfügung zu stehen. Bezüglich der Wahl von Peter Rechberger werde diese nun zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden.

Alle Statements im Überblick 

Helmut Hattmannsdorfer (ÖVP Gallneukirchen): „Es war vorhersehbar, dass bei vier Kandidaten auf Anhieb niemand über 50 Prozent kommen wird. Deshalb ist am 10. Oktober eine Bürgermeisterstichwahl notwendig. Jetzt geht es darum, wer in den kommenden Jahren die Hauptverantwortung in Gallneukirchen übernimmt. Bei der Bürgermeister-Stichwahl stehen keine Parteien auf dem Stimmzettel. Es ist eine reine Persönlichkeitswahl. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein guter Zuhörer bin und die Dinge konsequent mit Hausverstand umsetze. Dabei steht Galli für mich an erster Stelle und Sachpolitik ganz klar vor Parteipolitik. Das Rennen ist jetzt komplett offen und ich werde bis zur Stichwahl um jede Bürgermeister-Stimme werben. Es geht um Galli!“

Sepp Wall-Strasser (SPÖ Gallneukirchen): „Es ist zuerst einmal so die Freude, dass wir das erste Mal überhaupt, glaube ich, in der Geschichte stimmenstärkste Partei in Gallneukirchen sind. Das ist natürlich ein Wahnsinnserlebnis, das hätte uns keiner zugetraut und das überstrahlt alles. Zur Stichwahl kann man natürlich sagen, es ist immer schön, wenn man es gleich schafft, aber, es war jeder realistisch von uns. Bei vier Spitzenkandidaten wäre das nahezu ein Wunder. Jetzt bin ich mit meinem Prozentsatz sehr zufrieden, sage aber dazu, es gilt jetzt natürlich genau wieder sehr freudig offensiv in die Stichwahlen zu gehen. Weil, es gibt wahrscheinlich eine Gefahr, dass sich die Leute jetzt zurücklehnen und sagen: das ist eh gelaufen. Denn die Leute sehen die Prozentsätze, nur, in Wahrheit sind das 300 bis 400 Stimmen und die sind schnell ausgetauscht.“

Herbert Fürst (ÖVP Engerwitzdorf): „Ab sofort heißt es weiter arbeiten, anpacken und entwickeln. Aber bevor wir wieder durchstarten können, braucht es in zwei Wochen noch einmal ihre Unterstützung. In der Stichwahl wird am 10. Oktober der Bürgermeister für Engerwitzdorf gewählt. Danke auch an alle Fraktionen, die eine sehr wertschätzende Wahlauseinandersetzung ermöglicht haben. Ein Ideenwettbewerb ohne großem Hick Hack, wichtig ist jetzt zusammen zu arbeiten und an einem Strang zu ziehen. Für unser Engerwitzdorf. Meine Devise, verbinden statt trennen und vor allem stehe ich für ehrliche, bürgernahe & offene Politik.“

Mario Moser-Luger (SPÖ Engerwitzdorf): „Es ist wirklich bemerkenswert, dass die ÖVP erstmals seit 1945 die absolute Mehrheit in Engerwitzdorf verloren hat. Und nicht nur das, auch ÖVP-Bürgermeister Fürst muss zum ersten Mal in eine Stichwahl. Für mich und das SPÖ-Team in Engerwitzdorf ist es jedenfalls ein klares Zeichen, dass mit jahrelanger konservativer Politik kein Staat mehr zu machen ist. Frischer Wind und Veränderungen in Richtung sozialer und umweltfreundlicher Ortsentwicklung sind bei der Bevölkerung jetzt gefragt. Mit mir als neuem Bürgermeister wird etwas weitergehen, das verspreche ich. Ich freue mich auf meine Aufgaben.“

David Allerstorfer (SPÖ Feldkirchen an der Donau): „Über das gute Ergebnis bei der Bürgermeisterwahl freue ich mich natürlich. Die Lehre nach der Wahl des Gemeinderates ist die, dass sich Wähler und Wählerinnen bei bestimmten Themen einfach mehr Engagement oder andere Entscheidungen von uns gewünscht hätten. Jetzt heißt es vor allem ehrlich und nachhaltig für unsere Gemeinde zusammenarbeiten.“

Sabine Lindorfer (ÖVP Feldkirchen an der Donau): „Wir freuen uns sehr über den sensationellen Erfolg zur stimmenstärksten Partei gewählt worden zu sein. Für das Bürgermeisteramt ist mein Ziel, eine Bürgermeisterin für alle zu sein, über alle Parteigrenzen und auch über Gemeindegrenzen hinaus sehr wichtig. Ich möchte mich für die Weiterentwicklung von Feldkirchen mit voller Kraft und auch mit meinem vielfältigen Netzwerk in die Politik und Wirtschaft einsetzen.“

Franz Füreder (ÖVP Ottensheim): „Ich habe ein gutes Gefühl für die Stichwahl. Einerseits weil ich Bürgermeister für alle war und wieder werden will. Weiters haben ich gemeinsam mit alle Fraktionen in den letzten sechs Jahren viel weitergebracht. Ich möchte in der nächsten Periode weiterhin die Zusammenarbeit in Vordergrund stellen. Der Erhalt unseres lebenswerten Ortes und der Natur, die Weiterentwicklung der bestehenden Ideen wie zu Beispiel Räumlichkeiten für Vereine Gemeindezentrum sind langfristigen Themen. Auch die Verkehrsthematik (Gehsteige, Radwege , öffentliche Anbindung oder weitere Verbesserungen in der Kinderbetreuung unter Berücksichtigung  der Klimaziele. Einfach für Ottensheim wieder da zu sein.“

Klaus Hagenauer (pro O): „Zum fünften Mal ist pro O. bei einer Gemeinderatswahl in Ottensheim angetreten, und zum fünften Mal hat sie bei den Stimmen zulegen können: Die unabhängige Bürgerliste liegt mittlerweile bei fast 40 Prozent. Das zeigt, dass wir am richtigen Weg sind und die Menschen uns vertrauen. Ich bin daher zuversichtlich, dass ich bis zur Stichwahl am 10. Oktober noch viele Menschen überzeuge, dass ich ein Bürgermeister für alle in Ottensheim und somit der bessere Bürgermeister für die nächsten sechs Jahre bin. Das Ergebnis der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl in Ottensheim ist – so wie in Reichenau und Steyregg – ein Paradebeispiel für den Erfolg unabhängiger Bürgerlisten: Die Leute wollen die Politik selber in die Hand nehmen und wünschen sich für ihre Heimatgemeinde eine Politik, die unabhängig ist von den Landesparteien. Wir in Ottensheim haben in der zwölfjährigen Amtszeit von Bürgermeisterin Uli Böker von pro O. schon die motivierende Erfahrung gemacht, was plötzlich auf Gemeindeebene möglich ist, wenn man nicht ständig nach Linz schielen muss. Diesen Weg will ich in den nächsten sechs Jahren wieder fortsetzen.“


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