Fünf Gemeinden der Region Gusental unterzeichnen Raumplanungsmanifest
ALBERNDORF. Die Gemeinden Alberndorf, Altenberg, Engerwitzdorf, Gallneukirchen und Katsdorf wollen über die Gemeindegrenzen hinweg die Region gestalten. Eine gemeinsame Raumentwicklungsstrategie soll der Startschuss für Projekte sein. Der Strategieprozess dauerte zwei Jahre. Am 30. September haben die Bürgermeister ein symbolisches „Raumplanungsmanifest der Region Gusental“ unterschrieben.

Am Anfang des Prozesses stand der Wunsch, die räumliche Entwicklung und Gestaltung der Region nicht äußeren Einflüssen zu überlassen. Dazu gehört etwa der steigende Druck aus dem Zentralraum bezüglich Flächenbedarf für Wohnraum, Betriebe, Verkehrserschließung und Erholungsinfrastruktur. Alberndorf, Altenberg, Engerwitzdorf, Gallneukirchen und Katsdorf wollen ihre Region selbst gestalten.
Dieser Wunsch hat die fünf Gemeinden dazu bewogen, im Rahmen eines interkommunalen Raumentwicklungsprozesses (IKRE-Prozess) eine gemeinsame Strategie für die räumliche Entwicklung der Region zu erarbeiten. Konkret geht es um die Themen Landschaft und Klima, Mobilität, Siedlungsentwicklung sowie Wirtschaftsentwicklung. In diesen Bereichen haben die Gemeinden Prinzipien, Leitziele und Umsetzungsmaßnahmen erarbeitet, die auf den Zeithorizont 2040 abzielen. Als Bekenntnis zu dieser interkommunalen Raumentwicklungsstrategie haben alle beteiligten Bürgermeister am 30. September ein „Raumplanungsmanifest“ unterzeichnet.
Externe Beratung und Unterstützung
Als erste Region im Mühlviertel haben die fünf Gemeinden diesen Prozess mit fachlicher Unterstützung durch die Abteilung Raumordnung sowie die Abteilung Gesamtverkehrsplanung und öffentlicher Verkehr des Landes OÖ, Prozessbegleitung durch die RMOÖ GmbH und Förderunterstützung durch die Leader-Region Sterngartl-Gusental abgeschlossen.
Die Firmen Raumposition, Modul5 und con.sens waren mit der Erstellung der Strategie betraut. Bei der Abschlussveranstaltung am 30. September reflektierten sie mit den Bürgermeistern die fertige interkommunale Raumentwicklungsstrategie. Bei der Veranstaltung waren außerdem Gemeinderäte, Ausschussmitglieder, Gemeindevertreter aus der ganzen Region sowie Projektpartner anwesend.
„Die Region Gusental beginnt nicht bei Null, was interkommunale Zusammenarbeit betrifft. Die Gemeinden zeichnen sich vielmehr durch eine lange Kooperationstradition aus und durch Offenheit, Themen gemeinsam anzugehen, die miteinander effektiver zu lösen sind als alleine - dies ist keine Selbstverständlichkeit“, sagt das Planerteam bestehend aus Peter Görgl (Modul5), Florian Kratochwil (con.sens) und René Ziegler (Raumposition)
„Unser erklärtes Ziel ist es, in der Region Gusental gemeinsam die räumlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche, nachhaltige und gerechte Zukunft zu schaffen. Eine zentrale Grundlage dafür ist die Interkommunale Raumentwicklungsstrategie Region Gusental, die wir als Orientierungs- und Entscheidungsgrundlage heranziehen“, erklären die Bürgermeister der fünf Kooperationsgemeinden.
Herausforderungen
Die Region Gusental ist eng mit der Landeshauptstadt Linz verflochten, ein Großteil der Arbeitnehmer aus den fünf Gemeinden pendelt mit dem Auto dorthin zur Arbeit. Alle Gemeinden verzeichneten in den vergangenen Jahren einen relativ hohen Zuzug. Das Haus im Grünen, die Arbeit in der Stadt - dieses Modell leben viele Bewohner der Region.
Welche Weichen müssen jetzt gestellt werden, um diesen Zustand in Hinblick auf den Klimawandel und die steigende Flächenversiegelung in die richtige Richtung zu entwickeln? Wie kann die Region so lebenswert bleiben, wie sie es heute ist? Diese Fragen wurden im IKRE-Prozess bearbeitet. Die landwirtschaftlich genutzten Flächen und große zusammenhängende Grünräume müssen langfristig geschützt werden: Das war eine der Prämissen. Für die räumliche Entwicklung der Region bedeutet dies eine vorausschauende Siedlungsentwicklung, bei der Zersiedelung vermieden, die Siedlungsentwicklung möglichst unabhängig vom eigenen PKW gemacht wird und flächenschonende Wohnmodelle umgesetzt werden. Wichtige Schwerpunkte müssen der Ausbau des öffentlichen Verkehrs sowie die wirtschaftliche Stärkung der Region sein, so die Beteiligten.
Überblick Umsetzungsmaßnahmen
Diese Voraussetzungen und Zukunftsaussichten bestimmen die Umsetzungsmaßnahmen, die in der gemeinsamen Strategie festgelegt wurden:
- Bereich Umwelt und Klima: Ausbau regionaler Freizeitrouten, Punkteplan zur klimagerechten Entwicklung der Region
- Bereich Mobilität: Planung eines regionalen Alltagsradverkehrsnetzes inkl. Bauprogramm, Ausbau des öffentlichen Verkehrs inkl. Mikro-ÖV-Systeme als Zubringer zum ÖV
- Bereich Siedlungsentwicklung: Aktionsplan Ortskernentwicklung, Ausarbeitung eines Umsetzungskonzepts zum interkommunalen leistbaren Wohnen
- Bereich Wirtschaftsentwicklung: Aufbau einer Organisationsstruktur und Dachmarke für die gemeindeübergreifende Entwicklung der „Wirtschaftsregion Gusental“, Betriebliche Standortentwicklung fokussiert auf räumliche Schwerpunkte (Fokusgebiet „Kepler Valley“), Nutzungskonzepte und Strategien für eine starke Wirtschaft am Land
Erste Projekte
In manchen Bereichen wird die Strategie auch bereits praktisch umgesetzt. So ist noch heuer der Start eines Mikro-ÖV-Systems für die Region geplant (Postbus-Shuttle). Außerdem wird der Großteil der Gusental-Gemeinden heuer mit der Überarbeitung der örtlichen Entwicklungskonzepte starten und hier die Inhalte der interkommunalen Strategie mit einfließen lassen.


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