Lehrermangel: Über ein Dutzend unbesetzter Lehrstellen bereiten Kopfzerbrechen
VÖCKLABRUCK/FRANKENMARKT. Der Start des neuen Schuljahres steht vor der Tür und auch heuer erweist es sich für die Direktoren der Schulen als zunehmend schwierig, die anfallenden Stunden mit Lehrpersonal zu decken. In den letzten Jahren wurde der anwachsende Lehrermangel zu einem Problem für das Schulsystem. 16 Stellen sind im Bezirk noch unbesetzt. Daher wird nun auch zu alternativen Lösungswegen gegriffen.¶

Vor sieben Jahren beschloss die Bildungsdirektion eine Reform der Lehrerausbildung durchzuführen und damit die Dauer der Lehramtsstudien zu verlängern. Diese Änderung führt dazu, dass weniger junges Lehrpersonal in den Schulen nachrückt. In Verbindung mit der starken Zunahme an Pensionierungen kommt es zum massiven Rückgang an Lehrkräften, die jedoch benötigt werden, um die Stunden in den Klassen zu decken. Heuer sind im Bezirk 43 Pensionierungen zu verzeichnen. Die derzeitige Ausschreibung beinhaltet 16 offene Vollzeitstellen.
Zusammenhalt in den Schulen
In vielen Schulen werden einzelne fehlende Lehrerposten seit längerer Zeit durch Mehrdienstleistungen des Kollegiums aufgefangen. Schulqualitätsmanagerin Dorothea Grabner erklärt: „Der Lehrermangel zeigt sich bei den Ausschreibungen. Hier gibt es teilweise keine Bewerbungen mehr. Die Stellen müssen aus diesem Grund mehrmals ausgeschrieben werden, aber auch das reicht oftmals nicht aus. Sie können trotzdem nicht immer nachbesetzt werden.“ Der Mangel betrifft alle Schulstufen in unterschiedlichem Ausmaß. So sind jeweils unterschiedliche Fächer betroffen.
Vielschichtiges Problem
Während in der Primarstufe vor allem nach klassenführenden Lehrkräften und im sonderpädagogischen Bereich nach Integrationslehrkräften gesucht wird, sind es in den Mittelschulen vor allem die Fächer Deutsch, Mathematik, Physik, Chemie, Bewegung und Sport, Musikerziehung, Werkerziehung, Ernährung und Haushalt, Bildnerische Erziehung und Informatik, welche den Direktoren Kopfschmerzen bereiten. In den Polytechnische Schulen sind vor allem Fachbereichslehrkräfte für Holz, Bau und Metall betroffen.
Verschiedene Lösungswege
Lösungsansätze sehen unterschiedlich aus. Grabner sagt: „In erster Linie übernehmen die schuleigenen Lehrkräfte die offenen Unterrichtsstunden in Form von Mehrdienstleistungen. Freigestellte Leiter unterrichten zusätzlich zur Leitertätigkeit und es gibt in den verschiedenen Fächern Gruppenzusammenlegungen.“ Regina Aigner, Direktorin der Mittelschule Frankenmarkt, ergänzt: „Bei Mehrdienstleistungen muss sehr behutsam und individuell vorgegangen werden muss. Letztendlich gilt es nicht nur zu sehen, dass alle Stunden pädagogisch gut abgedeckt werden können, es muss auch auf die Gesundheit des Lehrpersonals geachtet werden.“ Auch sie ist derzeit noch auf der Suche nach weiterem Lehrpersonal für das kommende Schuljahr.
Quereinsteiger gesucht
Einen weiteren Lösungsansatz stellen Quereinsteiger dar. „Die fachlichen Kompetenzen gilt es zu nutzen. Dazu ist es erforderlich, einen möglichst einfachen Zugang zur pädagogischen Ausbildung zu organisieren. Dies wird derzeit von der Bildungsdirektion und den Pädagogischen Hochschulen möglich gemacht. Jene Quereinsteiger, die sich bislang dafür entschieden haben, arbeiten äußerst engagiert. Leider ist die Anzahl dieser noch sehr gering“, so Grabner.
Verfrühter Einstieg
Auch Studenten, die noch vor ihrem Abschluss stehen, werden nun dazu angeregt, frühzeitig erste Erfahrungen im Schuldienst zu sammeln. Aigner weiß: „Wir arbeiten bereits seit längerem mit Kollegen, die noch die Masterausbildung zu absolvieren haben. Manche müssen nur noch ihre Arbeit schreiben, andere haben noch eine längere Ausbildungszeit vor sich. In diesem Bereich gilt es auf jeden Fall sehr achtsam mit den jungen Kollegen zu sein, da die Gefahr der Überforderung sehr groß ist. Ab und zu Stunden vorzubereiten ist etwas ganz anderes, als plötzlich mit allem, was das Lehrerdasein beinhaltet, konfrontiert zu sein. Ganz abgesehen davon brauchen die jungen Lehrer Zeit, um sich selbst als Lehrkraft zu finden, Zuspruch zu bekommen und Fehler machen zu dürfen.“
Persönliches Wachstum
Sie erlebe die jungen Studierenden, die sich dazu entschließen, zusätzlich zum Studium zu unterrichten, als höchst motiviert. Sie seien offen für Neues und würden den Schulalltag zusätzlich mit ihrer Unbekümmertheit bereichern. „Es gibt mit Sicherheit Situationen, die sie überfordern. Genau in diesen Momenten gilt es, genau hinzusehen und sie zielgerichtet zu unterstützen. Ein junger Kollege hat gemeint, dass er seit der Lehrtätigkeit gelernt habe, Herr seines Zeitmanagements zu sein. Er sei wesentlich konsequenter im Umgang mit der Ressource Zeit“, so die Direktorin. Sie erzählt, dass auch das Stammlehrerteam bezüglich des Themas sehr professionell handle.
Positiver Blickwinkel
Aigner erkenne jedoch auch das Gute an der prekären Situation: „Um Schüler bestmöglich auf die Zukunft vorzubereiten, was mit Sicherheit eine enorme Herausforderung darstellt, sollten wir auch in Bezug auf den Lehrermangel lernen, positive Aspekte zu sehen und diese Problematik als Chance wahrzunehmen, das Gespräch mit den Beteiligten zu suchen, genau hinzuhören und keine Angst vor unorthodoxen Lösungsvorschlägen zu haben. Bildung ist die beste Investition in die Zukunft.“


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