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„Schießen aus Mordlust“: Wildbiologe klärt über Vorurteile gegenüber der Jagd auf

Magdalena Holzapfel, 05.09.2022 17:28

VÖCKLABRUCK. Die Vorurteile gegenüber der Jagd sind vielseitig und reichen von den einfachen Tätigkeiten eines Jägers, über die Trophäenjagd bis hin zum „Sport für die Reichen“. Christopher Böck, Geschäftsführer des Landesjagdverbandes Oberösterreich und Wildbiologe, klärt im Gespräch mit der Tips auf.

Jäger sehen sich oftmals mit Vorurteilen konfrontiert. (Foto: zorandim75 – stock.adobe.com)
Jäger sehen sich oftmals mit Vorurteilen konfrontiert. (Foto: zorandim75 – stock.adobe.com)

Tips: Die Jagd kennt man traditionell eher als Männerdomäne: Wie sieht da die Situation heute aus?

Christopher Böck: Tatsächlich ist die Jagd noch immer eine Männerdomäne. Knapp 90 Prozent der Jäger in Oberösterreich sind männlich. Der Frauenanteil jener, die die Jagdprüfung ablegen, steigt jedoch stetig an. In manchen Bezirken machen Frauen sogar 20 Prozent der Prüflinge aus. Im Prüfungsjahr 2020 waren im Bezirk Vöcklabruck von 37 bei der Jagdprüfung Angetretenen jedoch nur sechs Personen, also 16 Prozent, weiblich. Im Jagdjahr 2021/22 gab es im Bezirk Vöcklabruck 1.696 aktive Jäger, davon 158 Frauen.

Tips: 'Trophäenjagd' ist ein sehr negativ beladener Begriff. Inwiefern ist die Annahme, dass es bei der Jagd um Trophäen geht, noch aktuell?

Böck: Die Trophäenjagd ist ein Teil der Jagd und dient als Zeichen der Erinnerung an die Geschichte der Erlegung und an das Abenteuer. Negativ wird es dann, wenn der Abschuss rein auf starke Trophäenträger ausgerichtet ist. Nicht mal ein Fünftel der Abschüsse findet in der Klasse der Trophäenträger statt. Des Weiteren gibt es in Oberösterreich seit beinahe 30 Jahren die Abschussplanverordnung, in der die Abschüsse des Schalenwildes nach der Vegetationsbeurteilung im Wald gerichtet sind. Die Trophäenjagd ist demnach mehr ein Nebenprodukt der Abschüsse, die ohnehin geschehen.

Tips: Was genau sind die Tätigkeiten eines Jägers und inwiefern sind diese für den Schutz der Natur und Tiere im Wald relevant?

Böck: Man agiert eigentlich nach dem Grundsatz 'Schutz durch Nutzen'. Wenn ich wildlebende Ressourcen nachhaltig nutze, setze ich mich auch dafür ein, indem ich für ein Gleichgewicht in deren Lebensraum sorge. Die vom Menschen geprägte Kulturlandschaft ist anders zu werten als die ursprüngliche Natur. Hier kann ich nicht sagen 'Das regelt sich ja eh alles von alleine'. Und hier kommt wieder der Jäger ins Spiel, indem er Pflanzen schützt oder Tierarten reguliert.

Tips: Der Mensch kann zum Beispiel durch Erholung oder Sport im Wald einiges durcheinanderbringen. Was macht der Jäger, um hier das Gleichgewicht wieder herzustellen?

Böck: Der Mensch beeinflusst dann die Balance im Wald, wenn zu viele Personen zu sensiblen Zeiten in den Lebensraum der Tiere eindringen. Im Winter benötigt beispielsweise die durch Störung verursachte Flucht sehr viel Energie, welche sich das Tier womöglich nicht mehr anfressen kann. Darauf folgen zum Beispiel der Tod oder Parasitenbefall. Eine Folge dessen sind auch vermehrt Wildschäden an jungen Bäumen. Erhöhter Wildeinfluss führt wiederum zur Anhebung der Abschusspläne. Siedeln Tiere um, bedeutet dies enormen Stress. Dies sind jedoch nur einige wenige Punkte, weshalb Menschen dazu angehalten werden, sich mit Hausverstand in der Natur fortzubewegen.

Tips: Die Jagd als Sportart für Reiche – Wie viel ist da dran?

Böck: Die Jagd ist keine Sportart und auch kein Hobby. Jäger haben gesetzliche Aufträge, die zu erfüllen sind. Für die wenigsten Personen ist die Jagd reiner Freizeitspaß. Dass nur der Adel und die Geistlichen jagen gehen, hat sich bereits während der Revolution 1848 geändert. Das Jagdrecht steht seither auch mit dem land- und forstwirtschaftlichen Grundeigentum in Verbindung. Heute kann jeder jagen gehen und dafür benötigt man auch nicht viel Geld. Wenn ich die Jagdkarte löse und bei einer Jagdgesellschaft vorstellig werde, darf ich als sogenannter Ausgeher an der Jagd teilnehmen, was sehr wenig bis gar nichts kostet. Auch die Ausgaben für die Ausrüstung halten sich in Grenzen.

Tips: Die Jagd hat besonders im Salzkammergut eine lange Tradition: Wie sieht die Situation heute aus?

Böck: Brauchtum und Traditionen spielen eine große Rolle, zum Beispiel wenn dem erlegten Tier die letzte Ehre erwiesen wird. Die Tatsache, dass man ein Lebewesen getötet hat, ruft man sich durch bestimmte Brauchtümer auch immer wieder ins Gedächtnis. Es soll jedem Jäger klar sein, dass man die Macht hat, über Leben und Tod zu entscheiden. Dies hält man sich auf verschiedenste Art und Weise immer wieder vor Augen. Zuletzt kommen Traditionen auch dem Lebensmittel selbst zugute. Wir bewundern Ureinwohner mit ihren Bräuchen und Riten. Letztendlich haben wir auch dasselbe im Alpenraum. Dass die Jagd an sich aus einer Tradition heraus passiert, ist nicht der Fall.

Tips: Was ist dem Vorwurf, das Reh- und Niederwild durch die Jagd immer weniger wird, entgegenzubringen?

Böck: Die Zeiten, in denen durch die Jagd Wildtiere weniger oder sogar ausgerottet werden, sind vorbei. Tierarten benötigen jedoch bestimmte Lebensräume. Heutzutage passen aufgrund verschiedenster Einflüsse diese Lebensräume oftmals nicht mehr. Dann muss man sich sehr bemühen, bestimmte Wildtierarten zu halten und da kommt wieder die Jagd ins Spiel.


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