Attersee in der Zweitwohnsitz-Falle: Nicht alle sehen das so
ATTERSEE. Mit Beginn der Sommersaison flammt am Attersee erneut die Debatte über Zweitwohnsitze auf. Doch viele Bewohner sehen die Probleme der Region ganz woanders.

Mit dem Beginn der Sommersaison ist am Attersee erneut eine Diskussion aufgeflammt, die die Region seit Jahren begleitet: Wie stark belasten Zweitwohnsitze den Wohnraum für Einheimische tatsächlich? Ausgelöst wurde die aktuelle Debatte durch einen Vorstoß des grünen Bürgermeisters von Attersee, Rudolf Hemetsberger, der strengere Regeln für Vorbehaltsgebiete fordert.
Konkret soll künftig bei jedem Verkauf aus einem Zweitwohnsitz automatisch ein Hauptwohnsitz werden. Damit wolle man verhindern, dass immer mehr Wohnungen und Häuser nur zeitweise genutzt werden, während Wohnraum für Einheimische knapper und teurer werde.
Der Bürgermeister verweist dabei auf Untersuchungen, wonach die Zahl der Zweitwohnsitze zuletzt sogar gestiegen sei. Für ihn ein klares Zeichen, dass die bestehenden Gesetze nicht ausreichend greifen. Besonders kritisch sieht er, dass der Vorschlag im zuständigen Ausschuss des Landes nicht weiterverfolgt wurde. Aus seiner Sicht werde zwar regelmäßig über das Problem gesprochen, konkrete Maßnahmen würden aber oft ausbleiben.
Diskussion deutlich vielschichtiger
Doch genau an diesem Punkt zeigt sich, dass die Diskussion am Attersee deutlich komplexer ist. Denn nicht alle teilen die Ansicht, dass Zweitwohnsitze die zentrale Ursache der aktuellen Entwicklung seien. Kritik kommt unter anderem aus der Baubranche. Baumeister Norbert Hartl verweist auf europäische Grundfreiheiten und das Diskriminierungsverbot innerhalb der EU. Immobilienkäufe durch EU-Bürger dürften nicht pauschal eingeschränkt werden.
Der Europäische Gerichtshof habe Einschränkungen zwar erlaubt, allerdings nur dann, wenn diese verhältnismäßig und rechtlich sauber begründet seien. Hartl sieht daher die Gefahr, dass politische Forderungen rasch mit europäischem Recht kollidieren könnten.
Viele sehen den Attersee als Tagesziel
Auch in Teilen der Bevölkerung wird die Diskussion differenzierter gesehen. Der Attersee werde von vielen weniger als klassische Tourismusregion wahrgenommen, sondern vielmehr als großes Tagesausflugsziel für Besucher aus Linz, Wels, Steyr - also dem Zentralraum. Gerade an heißen Sommertagen kommen tausende Menschen an den See – und fahren am Abend wieder nach Hause.
Gleichzeitig fehle es vielerorts an touristischer Infrastruktur, größeren Hotels und Nächtigungsbetrieben, die langfristige Wertschöpfung in die Region bringen würden. Immer wieder fällt dabei auch der Vergleich mit dem Wolfgangsee. Dort werde seit Jahren intensiv an Veranstaltungen, touristischen Angeboten und internationaler Vermarktung gearbeitet. Der Attersee hingegen wirke in vielen Bereichen zurückhaltender und touristisch weniger entwickelt.
Können Zweitwohnsitze sogar Vorteile bringen?
Genau deshalb vertreten manche mittlerweile sogar die Ansicht, dass Zweitwohnsitze wirtschaftlich Vorteile bringen könnten. Während Tagesgäste oft nur wenige Stunden bleiben, würden Zweitwohnsitzbesitzer regelmäßig Zeit in der Region verbringen, Gastronomie, Handel und Dienstleister nutzen und damit für zusätzliche Belebung sorgen.


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