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Tagung für Menschen mit Beeinträchtigung über Partnerschaft und Sexualität

Emma Salveter, 21.06.2023 11:02

BEZIRK. Die Zukunftsgespräche der Lebenshilfe OÖ beschäftigten sich zum 20-jährigen Jubiläum mit den vielfältigen Aspekten einer selbstbestimmten Sexualität von Menschen mit Beeinträchtigung und deren Rechte. Rund 300 Teilnehmer tauschten sich in Arbeitskreisen aus und waren sich einig, dass die Beschäftigung mit dem Themenbereich noch weiter gehen muss und es noch viele Hürden zum Abbauen gibt.

 (Foto: Lebenshilfe Oberösterreich)
(Foto: Lebenshilfe Oberösterreich)

Inklusion, die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung, beinhaltet auch das Menschenrecht auf eine selbstbestimmte Sexualität. Allzu oft wird dieses Recht – gewollt oder ungewollt – behindert. Die von der Lebenshilfe OÖ organisierten Zukunftsgesprächen widmeten sich daher dieses Jahr diesem brisanten Thema. Rund 300 Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung, die von verschiedenen Trägern der Behindertenhilfe in Oberösterreich begleitet werden, tauschten sich unter dem Titel „Freundschaft, Sex und Zärtlichkeiten“ im Gasthaus zum Zirbenschlössl in Sipbachzell aus.

Landtagsabgeordnete Helena Kirchmayr nahm in Vertretung von Soziallandesrat Wolfgang Hattmannsdorfer teil. „Jeder Mensch – egal ob mit oder ohne Beeinträchtigung – hat Bedürfnisse. In der Gesellschaft ist Sexualität bei Menschen mit Beeinträchtigung häufig aber noch ein Tabuthema“, sagen Karin Riegler und Roland Öhlinger. Die beiden vertreten als Gesamtsprecher der Interessenvertretung der Lebenshilfe OÖ die Interessen und Bedürfnisse ihrer Kollegen unter dem Motto „Nichts über uns, ohne uns!‘“ und führten durch das Programm. Als sogenannte Interessenvertretung sprechen Menschen mit Beeinträchtigung für sich selbst.

Rechte von Menschen mit Beeinträchtigung sichtbar machen

Lebenshilfe-Geschäftsführer Gerhard Scheinast betonte, wie wichtig es sei sich gemeinsam offen über diesen höchstpersönlichen Bereich auszutauschen, damit Tabus beseitigt und die Rechte sowie Bedürfnisse von Menschen mit Beeinträchtigung sichtbar gemacht werden. Das frisch vermählte Ehepaar Sandra Lobner und Franz Hirnböck machte den Teilnehmern Mut, dass auch Menschen mit Beeinträchtigung ein selbstbestimmtes Leben führen können. Die beiden haben sich bei der Arbeit in der Lebenshilfe-Werkstätte kennen und lieben gelernt und im vergangenen Jahr geheiratet. Weiters wurde die Partnervermittlung Herzenssache vom Verein Senia sowie die Partnervermittlungs-Börse „Liebe mit Handicap“ vorgestellt.

Neben dem Bühnenprogramm erarbeiteten die Teilnehmer in Kleingruppen mit Experten der Lebenshilfe verschiedene Themen rund um den Bereich „Freundschaft, Sex und Zärtlichkeiten“. Es wurden dabei unter anderem Rechte und Regeln besprochen, über Verhütung und Schwangerschaft, Homosexualität sowie das Kennenlernen von Partnern gesprochen, der Umgang mit Trennungen sowie Gefühle behandelt und Sexual-Begleitung sowie -Arbeit thematisiert.

Lebenshilfe OÖ bleibt dran

Im gemeinsamen Austausch wurde immer wieder deutlich, dass Menschen mit Beeinträchtigung sexuelle Selbstbestimmung lange nicht zugestanden wurde. Damit der sich bereits in Gang gesetzte Veränderungsprozess weiter voranschreitet, muss die Beschäftigung mit dem Thema weiter gehen. Das wird die Lebenshilfe OÖ auch machen, indem regelmäßig Möglichkeiten zum Austausch geschaffen werden. Die von der Lebenshilfe OÖ organisierten Zukunftsgespräche sind seit 20 Jahren ein fixer Bestandteil im Jahresprogramm für die Weiterbildung von Menschen mit Beeinträchtigung in Oberösterreich. Es nehmen Menschen mit Beeinträchtigung von verschiedenen Trägern der Behindertenhilfe teil. Das Thema wird immer gemeinsam mit der Interessenvertretung ausgewählt.


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