Zehn Jahre Betreutes Reisen in Waidhofen/Thaya
WAIDHOFEN/THAYA. Die ehrenamtliche Rot Kreuz Mitarbeiterin Helgard Brunner hat das Projekt „Betreutes Reisen“ im Bezirk Waidhofen vor zehn Jahren gestartet. Mit Jahresanfang 2016 legte sie ihr Amt als Reiseleiterin zurück. Tips hat mit ihr die Jahre Revue passieren lassen. von ERICH SCHACHERL

Tips:Helgard, im Jahr 2006 hat Betreutes Reisen in Waidhofen begonnen. Wie war das damals?
Helgard: Ich bin so richtig hineingestoßen worden. Vor zehn Jahren haben wir beim Roten Kreuz in Waidhofen beschlossen, den Gesundheits- und Sozialen Dienst (GSD) zu starten. Teil des GSD ist Betreutes Reisen. Ich musste zuerst eine Teamleiterprüfung absolvieren. Dann begann ich mit der Arbeit für Betreutes Reisen. Ich wusste nicht, wie ich das angehen soll oder wo ich die Leute herbekommen soll, es hatte ja damals niemand eine Ahnung davon. Ich habe komplett bei Null begonnen und tatsächlich ist im ersten Jahr keine Reise zustande gekommen.
Tips:Was war 2007?
Helgard: Im zweiten Jahr ist dann die Bezirksstelle Zwettl dazu gekommen. Wir haben uns zusammengetan, weil die Kollegen aus Zwettl ja auch keine Erfahrungen hatten. Die Idee war, einige Leute kommen aus Zwettl, einige aus Waidhofen, so werden wir schon eine Reisegruppe zusammenbringen. So war es dann auch. Im Mai 2007 fand schließlich der erste Ausflug statt.
Tips:Was war das Reiseziel?
Helgard: Wir sind in die Wachau zur Marillenblüte und zu einer Schiffsreise gefahren.
Tips:An was von dieser Reise erinnerst du dich am liebsten?
Helgard: Eine 76-jährige Frau war bei der Reisegruppe dabei. Das Schiff befand sich gerade irgendwo zwischen Krems und Spitz an der Donau, wir standen an Deck und ich hab“ gesehen, die alte Frau hatte glasige Augen. Also bin ich hin zu ihr und habe mich erkundigt, wie es ihr geht. Sie erzählte, dass sie ein Leben lang davon geträumt hat, einmal mit einem Schiff zu fahren. Das war so berührend, das vergesse ich nie. Wenn man einem Menschen in diesem Alter einen Traum erfüllen kann, das geht schon sehr nah. Dieses Erlebnis hat mich für die weitere Tätigkeit bei Betreutes Reisen stark motiviert.
Tips:Wie ging es nach der ersten Reise weiter?
Helgard: Im Dezember 2007 war eine Fahrt zum Gut Aiderbichl in Salzburg vorgesehen. Einige Zeit vor dem Reisetag habe ich erfahren, dass die Kollegen aus Zwettl einen Bus voll bringen. Ups, hab“ ich mir gedacht, jetzt muss ich auch was auf die Beine stellen. Ich hab“ dann begonnen, Menschen von denen ich dachte, Betreutes Reisen könnte sie interessieren, auf der Straße anzusprechen und sie über den geplanten Ausflug zu informieren. So konnte ich viele Interessenten gewinnen. Ich habe letztlich auch einen Bus aus Waidhofen voll gebracht.
Tips: Das Jahr 2008?
Helgard: Es ist ähnlich gelaufen wie 2007. Ich war viel unterwegs und habe mit Menschen gesprochen, um sie über die geplanten Ausflüge zu informieren. Die Mundpropaganda von Teilnehmern der ersten stattgefundenen Reisen half ebenfalls. Irgendwann hatte ich plötzlich Interessenten auf einer Warteliste. So ist es gekommen, dass begonnen wurde, zwei Fahrten zum gleichen Ziel zu organisieren. Weil die Nachfrage derart groß war. Von da an ist es gelaufen.
Tips:Was war für dich die schönste oder beeindruckendste Reise in den neun Jahren?
Helgard: Ich muss ehrlich sagen, jede Reise hat ihren Höhepunkt gehabt. Jede Fahrt war toll, die Gäste waren immer begeistert. Ich habe viele Erinnerungen von Teilnehmern, die am Ende einer Reise Tränen in den Augen hatten, weil sie so glücklich waren.
Tips:Du hast bei Betreutes Reisen den Begriff „Großfamilie“ geprägt. Was meinst du damit?
Helgard: Es geht um das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Jeder hilft dem anderen, wir sind alle in einem Boot. Jeder ist da, um einem anderen beizustehen. Jeder hat seinen Platz im Leben, der einen Sinn hat. So sind wir zu einer Großfamilie geworden. Ich glaube, ein Außenstehender der einmal mitfahren würde, bekäme Tränen in den Augen, wenn er sehen könnte, wie die Reiseteilnehmer miteinander und füreinander da sind.
Tips:Woher kommt eigentlich dein Engagement beim Roten Kreuz?
Helgard: Grundsätzlich bin ich ein sehr positiver Mensch. Und ich will anderen Menschen helfen. Ich bin dankbar dafür, gesund zu sein. Aus dieser Dankbarkeit heraus kommt das Bedürfnis, anderen zu helfen. Vor allem Menschen mit besonderen Bedürfnissen wollte ich Chancen bieten, etwas zu erleben und unter Leute zu kommen. Bei Betreutes Reisen war mir außerdem auch wichtig, Menschen aus ihrer Isolation zu holen. Und natürlich auch, den Gästen einen schönen Tagesausflug zu ermöglichen.
Tips:Was sagst du zu deiner Nachfolgerin Regina Hauer?
Helgard: Ich freue mich sehr, in Regina eine engagierte, motivierte und ambitionierte Nachfolgerin mit Weitblick gefunden zu haben. Ich bin sehr dankbar, dass die Hofübergabe so reibungslos funktioniert hat und das Rote Kreuz mit ihr eine wunderbare Nachfolgerin hat, die in meinem Sinn weiterarbeitet.?


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