Ein Blick hinter die Kulissen der Musikwelten
BEZIRK. Die erste Veranstaltung des diesjährigen Klassik-Festivals „Musikwelten“ – ein Festkonzert in Bad Großpertholz – ist vorüber. In knapp zwei Wochen wird die Waidhofner Stadthalle zur Orchesterbühne, Ende Juli und Anfang September folgen die nächsten Konzerte. Hinter all dem steht Stardirigent Manfred Müssauer. Tips traf sich mit dem gebürtigen Waidhofner und erhielt interessante Einblicke in die Welt des Festivalbetriebs.
von ERICH SCHACHERL

Der Auftakt des Konzertreigens im zweiten Jahr des Klassik-Festivals „Musikwelten“ war ein Festkonzert in Bad Großpertholz am Samstag, 11. Juni, im Rahmen der Feiern zum 50-jährigen Jubiläum der Gemeinde und des Kurhotels. Der gebürtige Waidhofner Manfred Müssauer dirigierte dabei das Orchester Donau Philharmonie Wien, die Soloparts kamen von Heidi Manser (Sopran) und Steven Schescharg (Bariton).
Insgesamt werden heuer von Juni bis Anfang September bei den Musikwelten sechs Vorstellungen mit fünf unterschiedlichen Programmen geboten. „Das basiert schlichtweg darauf, dass aufgrund des Erfolges der Musikwelten hier im Waldviertel im Vorjahr der Ruf rasch laut wurde, das Projekt zu vergrößern“, erklärt Manfred Müssauer die Ausweitung des Festivals gegenüber dem Vorjahr. Die Konzerte finden in Bad Großpertholz (11. Juni und 2. September), Waidhofen (26. Juni) und Schrems (29. und 30. Juli sowie 1. September) statt. Die Besucher erwarten dabei aber keine Konzerte im „klassischen“ Sinn der Präsentation zum Beispiel einer Sinfonie oder Operette, sondern Themenabende, bei denen unterschiedliche Musikstücke verschiedener Komponisten, die thematisch zusammenpassen, kombiniert und präsentiert werden. Eine musikalische Spezialität, mit der der international hoch angesehene Dirigent seit Jahren Erfolge feiert und die er absolut liebt.
Vielfalt statt Einfalt
„Vielfalt statt Einfalt ist ein wichtiges Lebensmotto von mir“, erzählt er. Welche Werke von welchen Komponisten zu welchem Thema passen, ja die Themen an sich, überlegt er selbst und ist somit sein eigener Dramaturg. Dabei ist sein breit gefächertes und umfangreiches Wissen in den Bereichen Musik, Musikwissenschaft, Literatur, Theater, Geschichte und so weiter sehr hilfreich.
So kommt es, dass für die beiden Konzerte am Vereinsberg in Schrems Ende Juli unter dem Motto „Figaro! Und wie ging es weiter? Ein Riesen-Opernspaß“ Musik von Mozart, Paisiello, Rossini und Johanna Doderer zu hören sein wird. Manfred Müssauer erläutert: „Vor genau 200 Jahren wurde Gioacchino Rossinis Welterfolg „Il barbiere di Siviglia“ komponiert und uraufgeführt. Diese Geschichte aus der Feder des französischen Schriftstellers Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais und (die ebenfalls von ihm geschriebene) Fortsetzungsstory „La folle journée ou Le mariage de Figaro“ (die Mozart zur Oper Die Hochzeit des Figaro inspirierte) schreien quasi nach einer Weiterführung, da auch am Ende von Mozarts genialer Oper inhaltlich viele Fragen offen bleiben. Die Musikwelten versuchen darauf eine freche, unterhaltsame, musikalisch brillante Antwort zu geben.“ Es gibt noch einen zweiten, guten Grund für seine phantasievollen Programkonzeptionen. „Weil es auch darum geht, neues Zielpublikum anzusprechen, vor allem junge Menschen.“
Besonders begeistert ist der Musikprofi vom Aufführungsort in Schrems. „Wir haben heuer einen bezaubernden Spielort gefunden. Am Vereinsberg stehen einige historische Pavillons mit bezaubernder Atmosphäre, einer davon kann sogar vom Orchester als Bühnenraum verwendet werden“, erzählt er freudig.
Donau Philharmonie Wien
Apropos Orchester: Seit dem Gründungsjahr 2000 leitet Manfred Müssauer als Chefdirigent die Donau Philharmonie Wien. Von Beginn an gelang es dem Klangkörper, das Publikum zu begeistern und sich einen hervorragenden Ruf zu erspielen, sowohl live wie auch auf den CDs, die bisher erschienen sind. Manfred Müssauer ist vom Orchester und seinen Mitgliedern begeistert.
Vorbereitung
Interessant ist auch ein Blick auf die Vorbereitungszeit der Künstler. Für den musikalischen Leiter Manfred Müssauer begann diese bereits im letzten Winter. „Ich muss ja schauen, dass ich alle offenen Positionen im Orchester voll kriege“, erläutert er. Erst einige Wochen vor einem Konzert, beginnen die Klavierproben mit den Solisten. Die müssen ihre Parts zu diesem Zeitpunkt bereits fertig einstudiert haben. Auch jeder Musiker des Orchesters muss sich alleine vorbereiten. „Die Orchesterproben und die Orchesterproben mit den Solisten kommen dann ganz zum Schluss. Im konkreten Fall ab Anfang Juni“, klärt Müssauer auf. Dabei hat sich heuer ein lässiges Arrangement ergeben. „Wir haben den großen Vorteil, dass wir für das Opernprojekt eine großen Teil der Proben in der Region durchführen können“, freut sich der Dirigent.
Weitere Infos unter www.musikwelten.eu


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