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Leserartikel Online Redaktion, 28.04.2017 08:08

FRATRES. Im Jahr 1997 wurde das Museum Humanum eröffnet. Zum 20-jährigen Jubiläum traf sich Tips mit dem Museumsgründer und –leiter Peter Coreth und erhielt spannende Informationen, wie es zu dem Museum gekommen ist.
von ERICH SCHACHERL
 

  1 / 2   Museumsleiter Peter Coreth mit einem seiner Lieblingsstücke, einer aus Tibet stammenden Maske der Schutzgottheit Mahakala. Fotos: Schacherl

Das Leben zeigt manchen Menschen ganz klar, warum sie auf der Welt sind. Peter Coreth ist einer davon. Als 20-jähriger leistete er 1968 seinen Pflichtdienst für das österreichische Bundesheer an der österreichisch-ungarischen Grenze beim Schwadorfer Wald. Mit der Aufgabe betraut, eine Stellung auszuheben, begannen die Männer zu graben, dabei stieß Coreth mit seinem Spaten auf einen Gegenstand. Er erinnert sich mit einem Lächeln: „Das war ein echtes Initiationserlebnis für mich. Ich habe den Gegenstand für eine große Konservendose gehalten. Aber seitlich waren Figurenreliefs zu sehen. Ich hatte keine Ahnung, was das war, aber ich wusste, dass es etwas Wichtiges war. Das habe ich natürlich nicht liegen gelassen“. Zehn Jahre später stellte sich heraus, dass es sich bei dem Fund um einen frühromanischen Tragaltar handelte. Coreth überlies das Objekt, sein erstes Sammelstück überhaupt, dem Museum für Kunst- und Kulturgeschichte in Salzburg (ehemaliges Carolinum Augusteum), wo es nach einer aufwendigen Restaurierung ausgestellt wurde.

Journalist und Student

Als junger Mann gab es für ihn noch keine Gedanken an das Sammeln von Kunstgegenständen geschweige denn ein eigenes Museum, er studierte Politikwissenschaften in Salzburg und arbeitete nebenbei als außenpolitischer Redakteur bei den Salzburger Nachrichten. Im Zuge des Studiums verbrachte er ein Semester an der Universität in Nairobi (Kenia), wo sich sein bisheriges Weltbild zu verändern begann. „Ich habe gesehen, dass unsere europäischen Denkmodelle in Gesellschaften mit tribalistischen Strukturen, einer anderen Geschichte und einer anderen Ideengeschichte, nicht funktionieren“.

Wende im Leben

1974 dann das Wendejahr in seinem Leben. „Ich hatte eine Begegnung, die mich sehr geprägt hat und die der Auslöser war für das Sammeln und das noch viel spätere Museum“, erinnert er sich. Im Auftrag der Salzburger Nachrichten interviewte Peter Coreth den afrikanischen Dichter und Politiker Léopold Sédar Senghor, damals Staatspräsident des Senegal, der sich in Salzburg aufhielt. „Sie (die Europäer) machen einen Grundfehler. Sie messen fremde Kulturen nach den Maßstäben ihrer eigenen Kultur, hat er zu mir gesagt. Wie recht er damit hatte, bin ich in den folgenden Monaten immer mehr draufgekommen“, erzählt Coreth.

Sein Meinungswandel führte dazu, dass das Arbeitsverhältnis mit den Salzburger Nachrichten beendet wurde. „Es war für mich klar geworden, dass es keinen Sinn hat, hier vom Schreibtisch aus Krisenherde zu kommentieren, ohne tiefer in die kulturhistorischen Ursachen dieser Konflikte einzutauchen. Ich bin dann nach London gegangen und habe dort die Museen für mich entdeckt“.

Wander- und Lehrjahre

Peter Coreth entdeckte die bildende Kunst, vor allem Skulpturen. „Ich war jeden zweiten Tag in einem Museum in London, habe sie alle durchforstet und mir immer gedacht, wieso die Museen nach geografischer Art oder Epochen eingeteilt sind, aber nie kulturübergreifend. Ich habe schon damals nach einem Museum gesucht, das die Geschichte der Kunst nach Motiven darstellt, die in vielen Kulturen vorkommen. Nur wenn die Objekte aus unterschiedlichen Kontexten aber themenbezogen nebeneinander stehen, kann man Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Formensprache erkennen“.

Diese Idee sollte er Jahre später in seinem eigenen Museum umsetzen. Noch aber war es nicht soweit. „Nicht in London, nicht in Paris, nicht in Italien, nicht in Österreich, wo auch immer ich war, habe ich die Museen durchforstet und so etwas nicht gefunden. Dann habe ich verstanden, das muss ich selber machen“, erzählt er.

Sammeln

Die Leidenschaft für das systematische Sammeln von Kunstgegenständen erwachte so Mitte der 1980er Jahre in Peter Coreth. Er war bei Auktionen dabei, Kunstmärkten und Kunstgalerien, „ich habe überall gekauft und gesammelt“, langsam aber stetig wurden die Objekte mehr. Eine Zeit lang lebte er in München, wo er im Völkerkundemuseum mit einem aus Wien stammenden Wissenschaftler in Kontakt kam. Mit ihm gemeinsam entstand die Idee einer Wanderausstellung mit dem Titel „Tierbild – Götterbild – Menschenbild“. Die Wanderausstellung wurde nie verwirklicht, aber der Titel fand später Einzug ins Museum Humanum in Fratres.

Budapest

Peter Coreth zog weiter und gelangte nach Budapest, wo er zwei Jahre, noch in der Ära des kommunistischen Regimes, lebte. Er erinnert sich mit Freude: „Da standen in den Museen der Stadt noch unbearbeitete Sammlungen aus vorkommunistischer Zeit, die waren einfach abgestellt und da konnte ich suchen und schnuppern, das war ein Traum“. Er kam außerdem in Kontakt mit privaten Sammlern, die damals im Untergrund arbeiten mussten, „Kontakte die sehr hilfreich waren“, sagt der Fachmann.

Fratres

In all den Jahren hatte er die gesammelten Objekte bei sich, „verteilt auf alle Plätze, wo ich gewohnt habe“, schildert der leidenschaftliche Kunstsammler. „Das war schwierig und hat mich immer stärker dazu veranlasst, mich mit der Frage nach einem Domizil zu beschäftigen“, ergänzt er. Dann übernahm das Leben Regie. „Irgendwann hat eine Exfreundin alle meine Sachen auf den Gehsteig gestellt“, erzählt er lachend. „An dem Tag habe ich verstanden, jetzt muss ich ein Domizil für die Sammlung schaffen“.

Grenzregion

Wie und wo sein Museum entstehen sollte, wurde schnell konkreter. „Für mich war klar, es sollte in Österreich sein. In einer Landschaft, die meiner inneren Landschaft entgegen kommt. Dünn besiedelt und in einer Grenzregion. Grenzregionen haben mich immer fasziniert, das Phänomen der Grenze und ihre Überschreitung“. Auf der Suche kam er schließlich eines Tages nach Fratres. „Da standen noch Kühe in den Arkaden, der Hof war in einem sehr schlechten Zustand, aber es hat mir gefallen und ich habe mir gedacht, das kriege ich schon irgendwie hin“. 1992 kaufte er den alten Hof, in mehreren Ausbaustufen bis 1995 erfolgte die Renovierung. 1997 schließlich wurde das Museum eröffnet. Mit einem Fiasko beim Eröffnungsevent, als ein schwer Betrunkener eine Lesung vereitelte. „Anscheinend hat das Glück gebracht, denn alles was seither passiert ist, war deutlich gelungener“, sinniert der Museumsleiter.

Lebensgeschichten

Mehrere Tausend Objekte sind im Museum Humanum zu sehen. Mit wenigen Ausnahmen hat alle Peter Coreth selbst gesammelt. Er erinnert sich noch gut an die erste Skulptur, die er erstanden hat und die im Museum ausgestellt ist. „Das ist eine Holzfigur aus Burma, die einen Schüler Buddhas darstellt. Sie ist nicht sonderlich bedeutend, aber es handelt sich um eine ausdrucksvolle Arbeit“, erzählt der Kenner. In London hat er sie gefunden, im Jahr 1977. Noch viele weitere höchst interessante, ungewöhnliche und witzige Geschichten hat Peter Coreth im Zusammenhang mit dem Museum zu erzählen. Gerne auch den Museumsbesuchern, die er seit 20 Jahren auf Wunsch persönlich durch die Ausstellung „Tierbilder – Götterbilder – Menschenbilder“ führt.

Das Sammeln hat bis zum heutigen Tag nicht aufgehört. Wird es auch nie. „Mit dem Sammeln kann man nicht aufhören“, gibt der Museumsleiter freimütig zu. Er kann sich von seinen Schätzen auch nicht trennen. „Die Objekte haben alle eine Auffindungsgeschichte, das ist alles Teil meines Lebens“, erzählt er. Das Museum Humanum soll und wird sich weiter entwickeln, auch wenn die manchmal fehlende finanzielle Unterstützung seitens mancher öffentlicher Institutionen die Arbeit nicht leicht macht. Peter Coreth lässt sich davon nicht abhalten, seinen Lebenstraum jeden weiteren Tag ein wenig mehr zu realisieren.

Museum Humanum

Fratres 11, 3844 Waldkirchen/Thaya

www.museumhumanum.com

Tel: 0664/1508282

Geöffnet von Anfang Mai bis Ende Oktober, Donnerstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr


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staritz dr, med,
staritz dr, med,
11.07.2019 19:38

faszination

dieses Museum ist einmalig, es ist geradezu wunderbar und man meint sich in einer anderen welt zu sein.