Weil es mir großen Spaß macht
WAIDHOFEN/THAYA. Christine Reiterer liebt Theater. Vor allem als Schauspielerin und Verfasserin von dramaturgischen Texten. Als Ensemblemitglied im Theater an der Mauer (TAM) begeistert sie seit vielen Jahren Publikum und ihre Kollegen. Tips Redakteur Erich Schacherl bat die Waidhofnerin zum Gespräch.

Als Christine Reiterer im Jahr 2012 ihre langjährige berufliche Tätigkeit als Leiterin der Marketingabteilung der Waldviertler Sparkasse beendete, passte das ganz gut. Endlich hatte sie mehr Zeit, sich ihrer großen Leidenschaft, dem Theater, zu widmen. Theater bedeutet bei ihr vor allem Schauspielerei im und Verfasserin von Texten fürs TAM, wo sie seit vielen Jahren zum Ensemble gehört, bei den unterschiedlichsten Stücken in zahlreichen Rollen zu erleben war und wo ihre Theaterstücke aufgeführt wurden und werden.
Große Herausforderung
Im weltberühmten Stück „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus in der Fassung von TAM-Prinzipal Ewald Polacek, das an einigen Abenden in der ersten Novemberhälfte aufgeführt wurde, war Christine zuletzt gleich in mehreren Rollen auf der Bühne zu sehen. „Das Stück war für mich als Schauspielerin eine große Herausforderung“, erzählt sie. Es geht für sie ja nicht nur um das Lernen der Texte bei einem Theaterstück. „Ich beschäftige mich auch mit der Zeit, in der ein Stück spielt, mit der Grundthematik, dem Autor, einfach mit allem“, erzählt sie weiter.
In Rollen schlüpfen
Damit deutet Christine bereits an, was ihre Ambitionen als Schauspielerin sind: „Ich liebe es, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und mich in eine Rolle so richtig hinein zu fühlen. Manche Rollen fordern mich so heraus, dass ich dann manchmal nicht schlafen kann, weil ich mich so intensiv damit auseinandersetze. Man muss sich als Schauspieler einerseits abgrenzen, aber andererseits voll auf die Rolle einlassen. Du musst im Theater auch jede Rolle spielen wollen. Mir taugt das. Du brauchst Mut zur Darstellung von hässlichen oder bösartigen Charakteren, aber genau das macht für mich die Rollengestaltung reizvoll.
Schauspielausbildung
Begonnen hat ihre Karriere als Theaterdarstellerin 1997. „In der TAM-Theaterwerkstatt unter der Leitung von Ewald Polacek habe ich mit einer Gruppe gleichgesinnter und kreativer Menschen begonnen, die Grundlagen der Theaterarbeit zu erlernen und damit Szenen selbst zu erarbeiten und aufzuführen, das hat mir richtig Spaß gemacht“, erinnert sie sich. Mit der Zeit sind die Stücke länger geworden und irgendwann spielte sie in ihrem ersten abendfüllenden Theaterstück. „Überfall gefällig?“ war der Titel und das war gleichzeitig auch das erste Stück aus ihrer Feder. Inhaltlich geht es um drei alte Damen, die ihren Lebensabend im Altersheim verbringen. Einmal in ihrem jetzt so eintönigen Leben wollen sie noch ein großes Abenteuer erleben, beziehungsweise den großen Coup landen, um dann eine Weltreise auf dem Traumschiff zu machen oder sich einen schönen Grabstein leisten zu können. So kommen sie auf die Idee, eine Bank zu überfallen und schmieden entsprechende Pläne.“ Das Stück war ein großer Erfolg“ erinnert Christine sich mit einem Lächeln.
Clown und Pantomime
Sie hat zahlreiche Schauspiel-, Pantomime- und Clownkurse besucht, hat ihre Rhetorik geschult, Gestik und Mimik verfeinert und so weiter. Das meiste davon im TAM. „Bei Ewald habe ich eine richtige Schauspielausbildung erhalten“, freut sie sich. Mittlerweile hat sie selbst auch schon Schauspielkurse geleitet.Christine spielt gerne Frauenrollen, „die anders sind als normal, also ungewöhnliche, besondere Rollen“. Und auch Männerrollen. Einen großen Wunsch hat sie auch: „Ich möchte gerne nochmal das Stück „Paradiso“ mit Ulrike Hassler spielen. Ich spiele in dem Zweifrauenstück eine arbeitslose Krankenschwester. Die Rolle war ein Traum für mich. Und Ulrike eine Traumpartnerin auf der Bühne“. Christines Ambitionen gehen noch weiter: „Ich würde gerne auch mal ein klassisches Nestroystück spielen“.
Advent im TAM
Heuer ist Christine noch an zwei Abenden im TAM zu erleben. Am Samstag, 8. und Sonntag, 9. Dezember jeweils um 17 Uhr und zwar gemeinsam mit Elisabeth Datler, Ewald Polacek, Walter Weber und Ulrike Hassler am Klavier in „Advent wie einst“. Sie freut sich schon: „Wir bereiten uns bereits darauf vor. Wir werden traditionelle Weihnachtslieder singen und Erzählungen von Rosegger und Waggerl lesen. Das werden zwei besinnliche, schöne Adventabende“.
Schon immer geschrieben
Ihre Passion für das Schreiben begleitet Christine schon ihr ganzes Leben lang. Aufsätze in der Schule waren der Anfang, Tagebücher gehören dazu, Gedichte und kurze Szenen oder Sketche für besondere Feiern und Anlässe von Freunden sind Teil davon, dann ein Teil ihrer Marketingarbeit bei der Waldviertler Sparkasse, bei der sie auch für das „s-aktuell Magazin“ verantwortlich war. „Dadurch bin ich immer mehr zum Schreiben gekommen und irgendwann habe ich gemerkt, wie schön Texten ist, welchen Spaß mir das macht“, erinnert sie sich an diese Zeit.
Erste Theaterstücke
Schließlich entstand das erste Theaterstück „Überfall gefällig?“. Es folgte „Fremd in der eigenen Heimat“, die Auseinandersetzung mit dem dramatischen Leben ihres Vaters, der als Siebenbürger Sachse Vertreibung und Flucht erleben musste. „Mein bestes Stück überhaupt!“, meint Christine. Danach das Kriminalstück „In Charly“s Cafe Bar“, dann „Tamschlag“ und „Jäger, Schürzenjäger und andere Halunken“. Aktuell ist sie gerade mit einer Tragik-Komödie fertig geworden, die im Mai 2019 Premiere im TAM haben wird. „Das Stück heißt „C`est la vie“ (So ist das Leben). Es geht darin um französische Frauen, die eine Reise machen. Mehr verrate ich jetzt allerdings noch nicht“, hält sie sich bedeckt.Bisher waren alle ihre Stücke große Erfolge, was Christine sehr freut. „Überfall gefällig?“ und „Tamschlag“ wurden sogar ins Programm des österreichischen Bühnenverlags Kaiserverlag aufgenommen. „Das hat mich auch sehr gefreut“, sagt sie fröhlich.
Inspirationen
Die Inhalte ihrer Stücke kommen aus dem Leben. „Ich schreibe besonders gerne Sketches. Inhaltlich schaue ich den Leuten gerne auf den Mund. Mir gefällt es, wenn ich zum Beispiel in einem Wirtshaus sitze und einen Dialog höre, der mich interessiert. Das inspiriert mich so sehr, dass ich es auf die Bühne bringen will. Lustige Themen ebenso wie ernste“, erzählt Christine. Wenn sie dann so eine Idee irgendwo aufgeschnappt hat, beginnt ein intensiver kreativer Prozess: „Es ist so: Du rennst die ganze Zeit schwanger mit dem Thema herum, entwickelst alles mehr und mehr, die Figuren entstehen und wenn ich das alles zusammen habe, beginne ich mit dem Schreiben. Und wenn ich dann mal schreibe, kann ich nicht mehr aufhören, das ist wie ein richtiger Kreativschub“. Dann sitzt sie auch mal bis spät in die Nacht hinein vor dem Computer und tippt den Rohtext hinein.
Ein Stück wird erarbeitet
Sobald ein Stück von unserem Theaterprinzipal Ewald Polacek ausgewählt ist und die Rollen von ihm besetzt sind, folgt die sogenannte Leseprobe. „Da sitzen alle, die bei dem Stück mitspielen, zusammen und lesen. Dabei kriegst du ein Gefühl für das Stück“. Wenn das passt, geht es an das Auswendiglernen der Texte, jeder Schauspieler macht das für sich zu Hause. „Dabei bin ich sehr ehrgeizig, ich lerne so lange, bis ich einen Text wirklich kann, bis er richtig sitzt. Ich tue mir dabei sehr leicht“, schildert sie. Christine fährt fort: „Wenn ich den Text dann kann, stelle ich mich gerne vor den Spiegel und überlege, wie ich die Rolle anlegen soll“. Schließlich starten die ersten Proben, teilweise werden dabei noch die Texte verwendet. Eine effiziente Probenarbeit ist erst dann möglich, wenn alle Schauspieler ihre Rollen auswendig können. Der Höhepunkt der Arbeit ist freilich, wenn das Stück dann bei der Premiere erfolgreich auf der Bühne zu sehen ist.
Neue Herausforderungen
Der Spielplan für 2019 steht bereits fest, Christine freut sich schon darauf. Neue Stücke, neue Rollen, neue Herausforderungen, vielleicht auch das eine oder andere Erfolgsstück, das bereits gespielt wurde. Wie auch immer, Theater ist ein wesentlicher Teil des Lebens von Christine Reiterer geworden. „Ich denke manchmal, hoffentlich kann ich das noch lange machen, weil es mir solchen Spaß macht“, meint sie abschließend. Das Publikum und ihre Kollegen vom TAM freuen sich garantiert darauf, noch viele Jahre Christine zu erleben und mit ihr Theater zu machen.
www.tam.at


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