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WAIDHOFEN/THAYA. Helmut Sommer ist Psychotherapeut. Spezialisiert hat er sich auf Hypnosetherapie. Mit Hypnose hilft er Menschen mit psychischen Problemen. Ein Tips Redakteur hat sich bei ihm auf die Couch gelegt und in die Seelenwelt begleiten lassen. von ERICH SCHACHERL

Es fühlt sich gut an, richtig gut. Leicht, irgendwie beschwingt. Sehr stimmig. Ein freudiges Lächeln als Ausdruck absoluten Wohlbefindens entsteht in meinem Gesicht. Ich strecke meinen Körper, bewege meine Finger und Zehen, komme langsam aus diesem tranceartigen Zustand wieder zurück in die wirkliche Welt. Ganz ohne ein Gefühl für Zeit oder Raum war ich eben noch im Himmel und auf einer Wolke unterwegs, bin voller Freude durch die Luft geflogen, habe schwere Empfindungen losgelassen und den Zustand der absoluten Leichtigkeit genossen. Ich öffne meine Augen und blicke geradewegs in das freundlich lächelnde Gesicht von Helmut Sommer, der mich in die Trance geführt hat. Eine interessante Erfahrung. „Das war jetzt eine Kurzform einer Trance“, erklärt mir der Psychotherapeut. „Thematisch ging es um Loslassen“, ergänzt er. Das angenehme Gefühl der Leichtigkeit bestätigt, dass ich was losgelassen habe, was auch immer das war.

Eine Trancereise

Eine halbe Stunde zuvor hatten wir uns in der Praxis von Helmut Sommer getroffen. Schon beim Betreten seines schönen Therapieraumes konnte ich ein starkes Gefühl von Harmonie spüren und fühlte mich sofort wohl und irgendwie wie Zuhause. Meine Absicht war es, von ihm etwas über Hypnose und Trance zu erfahren. Als Hypnosepsychotherapeut erschien er mir der richtige Experte dafür zu sein. Wie wohl die meisten Menschen, hatte ich von Hypnose und Trance gehört, kannte Hypnose-Shows aus dem Fernsehen, wusste von Sigmund Freud und seiner weltberühmten Couch, aber worum es dabei wirklich geht, da musste ich passen. Schon bald nachdem unser Gespräch begonnen hatte, ließ er mich das erleben anstatt nur darüber zu reden, was er richtig gut kann. Helmut Sommer führte mich in eine Trance, begleitete mich durch und brachte mich wieder zurück. Jetzt wusste ich genau, worum es ging, weil ich es erfahren und gespürt hatte. Jetzt wusste ich auch, dass die Couch sein kann – wenn jemand gerne entspannt darauf liegen will - aber nicht muss. Mir ist ein bequemer Fauteuil lieber.

Trance kennt jeder

Hypnose ist ein Verfahren zum Erreichen einer hypnotischen Trance erklärt ein Wissenslexikon. Trance ist der gleichen Quelle zufolge ein Sammelbegriff für veränderte Bewusstseinszustände mit einem intensiven mentalen Erleben. In Helmuts Worten klingt das so: „Trance ist im Endeffekt ein Zustand fokussierter Aufmerksamkeit, oder anders gesagt, ein Zustand zwischen Wachheit und Schlaf, so in der Mitte zwischen den beiden. Hypnose hat nichts mit Kontrollverlust zu tun. Im Gegenteil sind einige Gehirnareale sogar aktiver als im Wachzustand“. Er bringt ein konkretes Beispiel: „Wenn jemand am Abend im Auto von Wien nach Waidhofen unterwegs ist und dabei lange hinter dem gleichen Wagen fährt und ständig in dessen Rücklichter schaut und plötzlich draufkommt, dass er an den Streckenabschnitt zwischen Maissau und Horn keine konkrete Erinnerung hat, obwohl er die Strecke gefahren ist, dann war er schon in einem leichten tranceartigen Zustand. Trance ist ein ganz natürlicher Zustand, den jeder Mensch kennt. Nur nehmen wir ihn nicht bewusst wahr“.

Hypnosepsychotherapie

Helmut Sommer ist „Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision“ wie seine derzeitige offizielle Berufsbezeichnung lautet. Sein Spezialgebiet ist die Hypnosepsychotherapie, „eine in Österreich anerkannte Psychotherapieform, die beim Gesundheitsministerium eingetragen ist und deren Ausübung bestimmten gesetzlichen Bestimmungen und Auflagen unterliegt“, wie er erklärt. Grundlage dafür ist etwa eine mehrjährige Ausbildung, wie sie auch an Universitäten angeboten wird. Zentraler Bestandteil dieser Therapieform ist die Hypnose, „sie ist sozusagen das Werkzeug, mit dem ich arbeite“, erläutert Helmut. Durch die Hypnose bringt er seine Klienten in Trance oder tranceähnliche Zustände. Helmut sieht sich selbst als einen Begleiter der besonderen Art: „Für mich ist die treffendste Bezeichnung meiner Arbeit Seelenbegleiter. Ein Psychotherapeut ist ein Seelenbegleiter, der sich in den Ebenen oder der Landschaft der Seele auskennt“.

Traumatische Erfahrungen

Neben Vorbeugung und der Behandlung nach stationären Aufenthalten in Kliniken hilft Helmut Sommer vorwiegend Menschen mit den unterschiedlichsten psychischen Problemen wie Angststörungen, Suchterkrankungen, Psychosen, Depressionen und so weiter. Im Detail heißt das: „Zu mir kommen Menschen, die irgendwann in ihrer Kindheit oder Jugend eine traumatische Erfahrung gemacht haben, die im Erwachsenenalter durch ein Symptom verdeckt ist, zum Beispiel durch Alkohol. Das heißt jeder Alkoholiker hat sehr wahrscheinlich eine tiefgehende traumatische Erfahrung erlebt. Durch den Alkohol versucht er, diese zu dämpfen“. Helmuts Arbeit besteht nun darin, mit einem traumatisierten Menschen behutsam und langsam in die Welt des Unbewussten einzutauchen, sich dort auf die Suche nach den Ursachen für die traumatischen Erfahrungen zu machen und wenn sie gefunden werden, hilft er dem Patienten bei deren Heilung. Um beim Beispiel des Alkoholikers zu bleiben: Wenn ihm die Ursache für seine Sucht bewusst ist, wird sie heilbar, kann er davon loskommen.

Sicherheit und Vertrauen

Am Anfang jeder Psychotherapie steht ein ausführliches Gespräch zwischen Psychotherapeut und Klient, „um zu schauen und rauszufinden, worum es überhaupt geht, warum jemand zu mir kommt“. Wenn Helmut Sommer dann genügend Informationen von seinem Gegenüber hat, wird gemeinsam entschieden, in welche Richtung die Behandlung gehen soll. Auch welche Methode zur Anwendung kommen kann und soll. „Für mich ist der Patient immer der Experte für den Inhalt mit dem wir uns beschäftigen wollen, ich als Therapeut bin der Experte für die Richtung, in die wir gehen wollen. Es hat zum Beispiel keinen Sinn mit Hypnose zu arbeiten, wenn ein Patient nicht ausreichend Vertrauen zu mir hat“, erklärt er. Womit der Experte einen ganz wesentlichen Punkt der psychotherapeutischen Arbeit angesprochen hat, nämlich die Beziehung zwischen Therapeuten und Klient. „Ein wesentlicher Faktor in meiner Arbeit ist, die Menschen zu begleiten, hinaus zu begleiten in etwas Neues hinein. Was braucht es dazu? Sicherheit und Stabilität in einer Beziehung, die vorher ja nicht da war“, sagt er.

Das Unbewusste

Wissenschaftlich formuliert arbeitet Helmut Sommer mit seinen Klienten in den Bereichen des Unbewussten. Die Tiefenpsychologie definiert das Unbewusste als einen Bereich der menschlichen Psyche, der dem Bewusstsein nicht direkt zugänglich ist, aber diesem zugrunde liegt. Bei jedem Menschen in allen Lebensphasen beeinflussen unbewusste psychische Prozesse das Handeln, Denken und Fühlen entscheidend. Die Bewusstmachung und Anerkennung unbewusster Vorgänge sind eine wesentliche Voraussetzung für die psychotherapeutische Behandlung vieler psychischer Störungen. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Blick in die Geschichte. Wolfgang Oswald, Psychotherapeut, Psychoanalytiker und Ausbildungslehrer von Helmut Sommer fasst zusammen: „Hypnose und Hypnosetherapie gehören zu den ältesten überhaupt nachweisbaren Therapieformen der Menschheitsgeschichte, wiewohl unterschiedliche Namen und Bezeichnungen für das verwendet wurden, was man heute Hypnose bzw. Trance nennt. Aus erhaltenen Keilschriften weiß man, dass das älteste Kulturvolk der Menschheit, die Sumerer, bereits viertausend Jahre v. Chr. erfolgreich mit Hypnose gearbeitet hat. Aus Ägypten stammt einer der ältesten Hypnosetexte, der 1500 Jahre v. Chr. niedergeschrieben wurde. Die alten Griechen verfeinerten die Tradition der Schlaftempel zur Behandlung psychischer Leiden. Das waren die Anfänge von etwas, was man als Psychotherapie bezeichnen könnte“


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