Hauptregionsstrategie für das Waldviertel präsentiert
WAIDHOFEN/THAYA. Im Rahmen einer Pressekonferenz im Stadthotel Waidhofen präsentierten die beiden Vorsitzenden des Regionalverbandes Waldviertel, Landesrat Maurice Androsch (SPÖ) und Landtagsabgeordneter Jürgen Maier (ÖVP), die neue „Hauptregionsstrategie Waldviertel“. Nach einem Jahr intensiver Arbeit konnte bereits bei der Hauptversammlung in Thaya ein einstimmiger Beschluss über die strategische Ausrichtung der Region verabschiedet werden, in dem die Ziele für die nächsten Jahre definiert wurden. Diese wurden als Arbeitspaket für die Regionalentwicklung zur Umsetzung an die NÖ.Regional.GmbH übergeben.

Landtagsabgeordneter Jürgen Maier verwies bei der Hauptversammlung auf die Hauptregionsstrategie als flexible Konstante in allen Bestrebungen, das Waldviertel noch stärker als „Zukunftsland“ zu positionieren: „Um weiterhin sichtbare Ergebnisse in der Entwicklung des Waldviertels zu erzielen, ist eine gemeinsame Stoßrichtung unerlässlich. Wir haben Ziele der vereinbarten Strategie mit Vertretern aus allen relevanten Organisationen aller Bezirke abgestimmt. Die Hauptregionsstrategie dient uns als Arbeitsgrundlage, bleibt aber flexible genug, um auf unvorhergesehene Änderungen zu reagieren“, so Maier.
Landesrat Maurice Androsch zu den Zielen: „Wir möchten das Waldviertel fit für die nächsten Jahre machen. Es geht auch darum uns selbst den Spiegel vorzuhalten um herauszufinden, wo müssen wir nachjustieren bzw. nachschärfen.“ Eine der drängenden Fragen in diesem Zusammenhang ist die demographische Entwicklung. Es sollen Anreize geschaffen werden um die Menschen in der Region zu halten und auch die Zuwanderung zu erhöhen (notwendig macht dies vor allem die negative Geburtenbilanz des Waldviertels). „Dazu muss auch eine größere zeitliche Nähe zu den Ballungsräumen hergestellt werden. Hier geht es ganz klar um die Verkürzung der Fahrzeiten, sei es auf der Bahn oder der Straße. Das ist für das Waldviertel das Wichtigste“, so Androsch.
„Wir sind derzeit Mitten in einem Aufholprozess, aber es muss auch allen klar sein, dass dazu große finanzielle Mittel und hoher Einsatz der politische Verantwortlichen notwendig ist, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Die Hauptregion hatte schon lange eine Strategie (2015), die jetzt „reloaded“ und erweitert wird. So wurde auch die Aufgabenteilung zwischen den beteiligten Organisationen und Institutionen genau geregelt“, berichtet Landtagsabgeordneter Maier und ergänzt: „Es wäre sinnlos jetzt gleichzeitig zehn Projekte anzugehen und sich dann zu verzetteln. Wir werden jetzt zwei bis drei Projekte konsequent abarbeiten“. Diese ersten Schritte werden im Rahmen der nächsten Hauptversammlung im Herbst bekannt gegeben.
Eine konkrete Maßnahme wurde trotzdem bereits verkündet: So soll es auf der Franz-Josefs-Bahn mit dem Fahrplanwechsel im Herbst auf wenig frequentierten Haltestellen weniger Stopps am Weg nach Wien geben. Für diese wird zu den Hauptzeiten ein Ersatzverkehr mit Bussen zu den Haltestellen eingerichtet. „Dies wurde in Absprache mit der ÖBB und nach intensiven Gesprächen bereits festgelegt. Wir sprechen hier von Halteorten mit fünf bis zehn Personen“, so Maier.
Breiter Konsens gefunden
Bei der Treffen saßen erstmals Abgeordnete zum NÖ Landtag, Nationalräte, die Obleute der Leader-regionen und der Kleinregionen, Vertreter der Gemeinden und Städte, Mitglieder des Gemeindevertreterverbandes und des Städtebundes sowie Vertreter der Kammern, der Landjugend und der Dorferneuerung an einem Tisch. Damit wurde die breite Zustimmung der Region zur Strategie sichergestellt.
Die Ziele der Hauptregionsstrategie finden sich allesamt in den vier Aktionsfeldern regionale Wertschöpfung, Umweltsystem, Daseinsvorsorge und Kooperationen wieder. In einem Punkt unterscheidet sich das Waldviertel von den anderen Regionen. Der Vorstand hat die Strategie vertieft und für die weitere Maßnahmenplanung klare Prioritäten gesetzt. Die Hauptversammlung hat den Vorstand ermächtigt, bis zum Herbst konkrete Projekte zu erarbeiten. Diese gliedern sich in insgesamt drei Themenschwerpunkte: Infrastruktur, Wohnstandort und nachhaltiges Wirtschaften.
1. Infrastruktur erleichtert das Aufholen
Franz-Josefs-Bahn:
Ziel ist die Wiederherstellung der ehemaligen internationalen Zugverbindungen.
Straße:
Konsequente Umsetzung des Straßenausbauplans der beiden Hauptachsen (Krems-Zwettl, Horn-Waidhofen-Gmünd). Wichtig dabei: ortsdurchfahrtfrei, niveaufrei und dreispurig). Weiters konkrete Planungsschritte für Ausbaumaßnahmen zur besseren Anbindungen an den Donauraum, nach Freistadt/Linz und nach Iglau (Jihlava, CZ).
Forciert soll auch ein rascher Planungsbeginn einer hochrangigen Straßenverbindung von Wien nach Budweis/Prag (Flughafenanbindung) über das Waldviertel in Form eines vierspurigen Vollausbaus bis zur Autobahn Linz-Budweis-Prag.
Öffentlicher Personennahverkehr:
Hier soll ein integriertes, bedarfsgerechtes Taktsystem mit flexiblen Ergänzungsangeboten entstehen mit konkurrenzfähigen Tarifmodellen und kundenfreundlichen Buchungssystemen.
Breitband:
Natürlich wird auch der flächendeckende Ausbau des Breitbandnetzes bis 2020 weiter vorangetrieben. Derzeit wird bereits in zwei Modellregionen, Waldviertler StadtLand und Thayaland, intensiv gearbeitet (Tips berichtete)
Bildung:
Im Bildungsbereich soll eine engere Zusammenarbeit von Wirtschaft und Schulen (Jobmesse, Wirtschaft trifft Schule) erreicht werden. Weiters soll die HAK-Matura mit Lehre stärker gefördert werden. Ein großes Ziel dabei ist auch ein weitere Fachhochschul- oder HTL-Standort im Waldviertel. Auch an einem Ausbau der Kleinkinderbetreuung mit flexiblen Öffnungszeiten wird gearbeitet.
2. Attraktiver Wohnstandort als Basis
Wohnstandortmarkting:
Dazu zählt die Weiterführung des erfolgreichen Projektes „Wohnen im Waldviertel“. Es soll vermehrt leistbarer Wohnraum für Jugendliche, auch ohne Wohnbeihilfe, geschaffen werden. Ergänzend sind mehr Angebote und Services zum „Mitalternden Wohnen“ geplant.
Achtsamkeit:
Unter diesem Punkt will man Zuzügler mithilfe einer aktiven Willkommenskultur anlocken.
Leben und handeln im Ortskern:
Hier möchte man weitere Anreizsysteme zur Ortskernbelebung schaffen.
StadtUNDLand:
Es soll eine Stärkung und Vernetzung der Zentralorte mit dem Umland erreicht werden, dabei wird der verantwortungsvolle Umgang mit der fortschreitenden Bodenversiegelung ein wichtiges Thema sein.
3. Nachhaltiges Wirtschaften und arbeiten
Wirtschaftsstandort Waldviertel stärken:
Ziel ist ein Pakt zwischen Wirtschaft und Gemeinden: Die Region soll als produzierender Standort repositioniert werden, mit Vernetzung von Wirtschaftsaktivitäten und Akteuren, der Realisierung von interkommunalen Kooperation und die Sicherung der Arbeitskräfte für das Waldviertel. Eng eingebunden soll dabei das Wirtschaftsforum Waldviertel werden. Darüber hinaus gilt es regionale Finanzierungsangebote für unternehmerisches Handeln zu installieren.
Die bereits vorangetriebene Positionierung als Gesundheits- und Rehabilitationsangebot als einen wirtschaftlichen Kernbereich zu etablieren und zudem die überregionale Versorgung weiter auszubauen. Außerdem wird die innerregionale Wertschöpfung durch Energieerzeugung, -einsparung, -speicherung und -verteilung forciert (Stichwort Energieautarkie).
Umsetzung der Tourismusstrategie Waldviertel 2020:
Zu den Schwerpunkten dieser Strategie gehören Gesundheit, Kulinarik & Regionalität, Naturerlebnis und Sport & Bewegung.
Land und Forstwirtschaft: Ziel ist die Koexistenz von Biolandwirtschaft, Sonderkulturen und die gewerbliche Weiterverarbeitung der Grundproduktion (Getreide, Kartoffel und Holz). Die Landwirtschaft soll als Basis für gewerbliche Unternehmen uns Dienstleister dienen.
Wichtigster Punkt dabei ist die Bodensicherung: Es muss ein zukunftsfähiger Umgang mit der begrenzten Ressource Boden gefunden werden.
4. Dialog soll all dies ermöglichen
Durch stärkere Kommunikation soll eine kompetente und akzeptierte Hauptregionsverwaltung aufgebaut werden. Darüber hinaus soll die Marke „Waldviertel“ weiter entwickelt werden, konkret durch ein Online-Zugangsportal, das wirklich alles bündelt. Die Arbeit der Ehrenamtlichen in Dorf und Stadt sollen sich kleinregional und regional besser vernetzen. Ein weitere Punkt ist der Fortsetzung der erfolgreichen „Waldviertel - pur“-Festivals in Wien und im Waldviertel.
Die 2014 gegründete NÖ.Regional.GmbH ist die zentrale Anlaufstelle für Gemeinden, Verbände, Organisationen und öffentliche Einrichtungen, wenn es um Regionalentwicklung in Niederösterreich geht. Sie berät, begleitet und vernetzt die regionalen Akteurinnen und Akteure bei der Entwicklung und Umsetzung von Projekten im Einklang mit der Hauptregionsstrategie und den aktuellen Förderrichtlinien. Zu ihren Hauptaufgaben gehören die Ortskernbelebung mit den Landesaktionen Dorferneuerung, Stadterneuerung und Gemeinde 21 sowie die Betreuung der Kleinregionen, das Mobilitätsmanagement und die Unterstützung des Freiwilligenwesens. Rund um diese Themen steht den Gemeinden eine einheitliche Ansprechperson mit breitem Expertenwissen im Hintergrund zur Verfügung. Weitere Arbeitsschwerpunkte finden sich in den Fachbereichen Europa, Gemeindekooperationen, Raum & Region und Bildung-Soziales-Unternehmen. Die NÖ.Regional.GmbH ist in Besitz des Landes Niederösterreich (51%), der fünf Hauptregionsverbände (jeweils 6%) und des Vereins NÖ Dorf- und Stadterneuerung - Gemeinschaft der Dörfer und Städte (19%).


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