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YBBSTAL. Selten denkt man nach über die Gnade der Geburt. Am ehesten, wenn Nachrichten aus entfernten Ländern über Krieg, Verfolgung, Katastrophen und bitterer Armut über den Flatscreen ins Wohnzimmer geliefert werden. Dann ist man betroffen, unangenehm berührt, vielleicht sogar verleitet wegzuschalten, weil man sich diese Umstände für sich selbst ohnehin nicht vorzustellen vermag.

  1 / 2   Mohammads mongolisches Aussehen geht auf seine Wurzeln in Zentralasien zurück. Fotos: Anneliese Kühhas

Gerade die Weihnachtszeit aber eignet sich, an jene zu denken, mit denen es das Leben von Anfang an nicht gut gemeint hat. Und ihnen ein Wenig von unserem Überfluss, den wir oft achtlos konsumieren, abzugeben. Einer, dessen Geburt unter keinem Glücksstern gestanden hat, ist Mohammad Nazari.

Geduldet, aber unerwünscht

Mohammad Nazari kam 2015 mit dem Flüchtlingsstrom nach Europa. Dem geborenen Afghanen wurde von  Schleppern von einem Schlaraffenland vorgeschwärmt. Hier bekäme man alles, wenn man nur ein bisschen arbeiten würde, und könne dann auch gleich seine Familie nachholen. Mohammad sah das als Chance – vielleicht die einzige. Schließlich werden er, seine Frau und die drei Kinder in Pakistan, wo sie leben, nur geduldet. In einem abgegrenzten Territorium. Ohne Papiere. Ohne Rechte. Ohne Schulbildung. Ohne feste Arbeit. Und so überantwortete er sein mühsam erspartes Geld und sich selbst diesen Schleppern. Die genaue Fluchtroute lässt sich nicht nachvollziehen – zum einen aufgrund der entlegenen Pfade, die die Schlepper wählten, zum anderen aufgrund Mohammads fehlender Geografiekenntnisse. Es war nicht seine erste Flucht. Bereits mit sieben Jahren musste er mit seinen Eltern und Geschwistern von Afghanistan nach Pakistan fliehen. Als Angehörige der Hazara wurden sie dort ausgegrenzt, diskriminiert und verfolgt.

Ethnische Gruppe Hazara

Die Wurzeln der Hazara liegen in Zentralasien. Heute befinden sich ihre Hauptsiedlungsgebiete in Teilen Afghanistans und Pakistans. Erwünscht ist diese ethnische Gruppe allerdings nirgends. Über Generationen hinweg war sie  Zielscheibe für Diskriminierung und Ausgrenzung und wurde verfolgt. Diese Verfolgung erreichte ihren ersten traurigen Höhepunkt im Genozid im Jahr 1898. 60 Prozent der Hazara wur-den in diesem Völkermord dahingeschlachtet und ihre Köpfe aufgespießt, Tausende endeten als Sklaven. 100 Jahre später – 1997 und 2001 – verübten die Taliban die schlimmsten Übergriffe auf die Hazara, bis heute werden sie verfolgt. In deren Augen sind sie Ungläubige und Unreine, die keinerlei Rechte haben. Und auch für Mohammad spitzte sich die Lage zu. Die pakistanischen Taliban holten in der Nacht Männer aus ihren Häusern und stellten sie vor die Wahl: kämpfen für die Taliban oder sterben. Nicht einmal vor zehnjährigen Burschen machten sie halt.

Flucht – ein Leben lang?

Mohammad landet 2015 im Auffanglager Traiskirchen, von dort wird er nach Waidhofen/Ybbs gebracht. Er spricht kein einziges Wort Deutsch, ist aber hoch motiviert die Sprache zu lernen und sich zu integrieren. Er versäumt keinen einzigen Deutschkurs von Anneliese Kühhas, übernahm jede Arbeit, die man ihm anbot, und knüpfte Freundschaften. Nichtsdestotrotz erhielt er im Juni 2018 den negativen Asylbescheid. Alle Interventionen seitens seiner österreichischen Freunde blieben ergebnislos.  „Ich habe 14 Briefe an Politiker geschrieben, bis hinauf zum Bundespräsidenten, ohne Erfolg“, so Anneliese Kühhas. Am 4. Juli saß Mohammad im Abschiebeflieger nach Kabul, einer für ihn fremden  Stadt. Wollte er seine Familie wiedersehen, war er erneut gezwungen zu fliehen. „Das Geld, das wir ihm mitgegeben haben, nutzte ihm als Fluchtgeld“, Kühhas weiter. „Alleine hätte er es niemals über das Kandahargebirge geschafft.“ Die Freude über seine Rückkehr hielt sich anfangs in Grenzen. Seine Frau machte ihm sogar Vorwürfe, wahrscheinlich habe er sich nicht bemüht oder habe gar etwas angestellt. Auch sein soziales Umfeld zeigte sich skeptisch, nannte ihn einen Versager. Erst nach langer Zeit hat er eine Arbeit gefunden – für 80 Euro im Monat. Wie lange er dort Aushilfe sein darf, ist ungewiss. Von diesem Verdienst ernährt er seine fünfköpfige Familie – und versucht alles, um seinen drei Kindern eine Schulausbildung zu ermöglichen. In Pakistan muss man für diese allerdings selbst aufkommen. Was sich für den 35-Jährigen schwierig gestaltet. Daher die Bitte an unsere treue Tips-Familie: Helfen wir gemeinsam Mohammad dabei, ihm die Schulausbildung seiner Kinder Ali Kadran, Ali Sina und Sitara Batul zu ermöglichen. Im Rahmen unserer Aktion Glücksstern wurde ein Spendenkonto errichtet. Jeder Euro, der auf dieses Konto überwiesen wird, geht zur Gänze an Mohammad Nazari.

Raiffeisenbank Ybbstal

Spendenkonto: Glücksstern

IBAN: AT91 3290 6000 3182 5920


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