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Klimakrise spitzt sich zu – Demonstrationen gehen weiter

Karin Novak, 30.09.2019 18:19

WAIDHOFEN/YBBS. Um das neu gewählte Parlament und die zukünftige Bundesregierung mit der Dringlichkeit zu konfrontieren, rufen engagierte Bürger aus dem Ybbstal für kommenden Samstag, 5. Oktober, wieder zum Klimaprotest auf. Treffpunkt ist am Viaduktparkplatz um 11:15 Uhr, von wo der Demonstrationszug über die Mühlstraße zum Forellenbrunnen ziehen wird, wo die Abschlusskundgebung stattfindet.

  1 / 4   Die Klimaproteste rufen bereits zum siebten Mal die Bevölkerung zur Teilnahme an der Demonstration auf. Fotos: Raphael Kößl

Alarmierende Berichte über die Zuspitzung der Klimakrise dominierten in den letzten Tagen die Nachrichten. Der Meeresspiegel und die globale Durchschnittstemperatur steigen schneller als gedacht und das verbleibende Kohlenstoffbudget zur Erreichung des 1,5°C-Ziels ist bei ungebremster Entwicklung in acht Jahren aufgebraucht.

Fokus auf Landwirtschaft

Ins Zentrum des Protests wird dieses Mal die Landwirtschaft gestellt. Grundsätzlich fordern die Organisatoren von der Politik, dass die Anreizsysteme in der Landwirtschaft verändert werden. Der Trend, der zu immer größeren Betriebseinheiten mit zunehmender Massentierhaltung und hohem Pestizid-Einsatz geht, gehört gestoppt. „Es erscheint mir logisch, dass Produkte, die von den Bauern aus der Region unter biologischen Gesichtspunkten produziert werden und so aktiv zum Klimaschutz beitragen, die billigsten im Supermarkt sein sollten. Nicht, weil die Produzenten (noch) weniger bekommen, sondern weil die gesetzlichen Steuer- und Fördersysteme kleine Betriebe mit guten Produktionsbedingungen bevorzugen“, meint Raphael Kößl. Lebensmittel, die unter agrarindustriellen Bedingungen hergestellt werden und weit transportiert werden müssen, sollten dagegen mehr kosten.

Kleine Landwirte vs. Agrarindustrie

„Am Beispiel Landwirtschaft zeigt sich, dass Klimaschutz und die Förderung des ländlichen Raumes Hand in Hand gehen können. Fast jeder bei uns in der Region weiß, wie groß der Preisdruck auf Landwirte aufgrund der Konkurrenz durch internationale Großbetriebe ist. Sie zerstört sukzessive die für unsere Region so typische Struktur mit vielen kleinen und mittleren Bauernhöfen. Internationale Produkte müssen teurer und heimische Produkte dadurch konkurrenzfähig werden.“, sagt Michaela Steinkellner, selbst Bäuerin aus Konradsheim und Mitorganisatorin der Klimaproteste.

Schlüsselrolle in der Verhinderung

Dass die Landwirtschaft eine Schlüsselrolle in der Verhinderung der Klimakatastrophe spielen kann, wird von Expertenseite immer wieder betont. Während in der Agrarindustrie durch den massiven Einsatz von Kunstdüngern vor allem viel klimaschädliches Lachgas ausgedampft wird und durch die Bearbeitung der Böden Humus verlorengeht, verhält es sich im biodynamischen Landbau genau anders. „Humus ist ein sehr wichtiger CO2-Speicher. In den Böden ist gegenwärtig vier Mal so viel CO2 gespeichert wie in allen Wäldern dieses Planeten. Die gute Nachricht ist, dass hier das Limit noch nicht erreicht ist – durch die richtige Form der Bewirtschaftung kann noch mehr Humus aufgebaut und so CO2 aktiv aus der Atmosphäre gebunden werden. Das zeigt ganz deutlich: Die Landwirtschaft kann einer der größten Klimaretter sein – allerdings nur, wenn die gesetzlichen Anreizmechanismen diese Art der Bodenbewirtschaftung auch spürbar fördern und Landwirte gut von den damit erzielten Erträgen leben können!“, zeigt sich Georg Wagner hoffnungsvoll.

St. Georgener Biobauernschaft

Begleitet wird die Demonstration aus diesem Anlass auch von den Biobäuerinnen und Biobauern aus dem Ortsteil St. Georgen. „Wir laden alle Landwirte ein, sich uns ebenfalls anzuschließen – ganz egal ob bio oder konventionell. Wir Bäuerinnen und Bauern spüren die Veränderungen des Klimas fast täglich in unserer Arbeit. Eine ernsthafte Klimapolitik ist deshalb unsere beste Standortpolitik!“, lädt die Biobäuerin Martina Schörghuber auch auf diesem Weg noch einmal speziell alle Landwirte ein, sich der Kundgebung anzuschließen.

Auch mit dabei: Waidhofner Weltladen

Dass der Blick nicht auf den eigenen Nationalstaat beschränkt bleibt, dafür sorgt dieses Mal die Unterstützung durch den Weltladen Waidhofen. Die (zum größten Teil ehrenamtlichen) Mitarbeiter des Fachgeschäfts für fairen Handel sind durch die dort verkauften Lebensmitteln recht direkt mit Bauern aus anderen Weltregionen nah verbunden. „Kaffee ist ein nicht aus unserem Alltag wegzudenkendes Genussmittel. Es macht aber einen riesigen Unterschied, ob er aus dem Großhandel oder aus dem fairen Handel stammt – sowohl für die Landwirte als auch für das Klima.

Kein Kaffee aus Monokultur

Im Weltladen erhältlicher Kaffee wird nicht in Monokulturen produziert, sondern auf kleinen Parzellen mit einer Vielfalt anderer (Nutz-)Pflanzen. Diese Form der Bewirtschaftung sorgt nicht nur für bessere Qualität, sondern auch für eine schonendere Bodenbewirtschaftung. Der Verzicht auf Pestizide bietet Millionen Insekten und Kleinlebewesen dort die Chance auf wertvollen Lebensraum“, erklärt Monika Wegscheider. Eine Gruppe von Trommlerinnen aus der Umgebung sorgt dieses Mal für den nötigen Rhythmus während der Demonstration. „Die eben gewählten Politiker sind in der Pflicht frei von parteipolitischem Kalkül den effektiven Klimaschutz schleunigst anzugehen. Sie sind in der historischen Verantwortung, diese Jahrhundertaufgabe zu lösen! Kommen Sie mit uns mit zum Protest, zeigen wir der Politik, dass wir bereit sind für konkrete Klimaschutzmaßnahmen. Lasst uns deren Rückenwind sein!“, lädt Jakob Mühlehner nochmals ein.

Samstag, 5. Oktober 2019

Treffpunkt: 11.15 Uhr (Viaduktparkplatz

Abmarsch: 11.30 Uhr


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heart2
heart2
30.09.2019 23:45

gespannt

ich bin ja gespannt, ob die Grünen sich nun länger halten werden oder ob sie nächstes Mal wieder so katastrophale Werte einfahren. Ich freue mich für sie, dass sie dieses Mal so gut abgeschnitten haben. Aber irgendwann werden die Leute auch genug von dem Klimathema haben. Zumindest heute zieht es sehr gut.