Claudia Plakolm: „In den Ausschüssen sind alle viel handzahmer“
WALDING. Die Waldingerin Claudia Plakolm ist nun etwas mehr als ein halbes Jahr im Nationalrat. Tips sprach mit der jüngsten Abgeordneten über ihre Erfahrungen, Schwerpunkte und den Zwölf-Stunden-Tag.

Tips: Wie hat sich Ihr Leben verändert, seit Sie im Nationalrat sind?
Plakolm: Die wichtigste Veränderung ist, dass ich jetzt öfter in Wien bin. Die Aufgabe macht großen Spaß, vor allem das viele Unterwegssein. Jeder Tag schaut anders aus. Man hat viele Termine an unterschiedlichen Orten. Die Plenarwoche ist ein Fixum im Monat, da sind wir von Montag bis Freitag in Wien. Da sind Nationalratssitzungen, Klubsitzungen, Arbeitsgemeinschaften und zwischendurch dann Ausschüsse.
Tips: Sie sind im Ausschuss für Familie und Jugend. Was ist Ihnen in dem Bereich am wichtigsten?
Plakolm: Wir haben bereits viel geschafft mit dem Familienbonus, der 2019 kommt. Das ist auch das wichtigste Projekt, das kommen wird in dieser Legislaturperiode. Das sind 1,5 Milliarden Euro, die für Familien in die Hand genommen werden. Für die Jugendlichen speziell ist mir wichtig, dass politische Beteiligung geschaffen wird. Da ich aus der Schülervertretung komme und das damals schon als Landesschulsprecherin gefordert habe, war es mir ein großes Anliegen, dass die Schülerparlamente gesetzlich verankert werden. Da haben wir auch in der Plenarsitzung einen einstimmigen Beschluss – das kommt selten vor, das habe ich in dem halben Jahr auch schon gelernt – geschafft. Die Schüler sitzen im Klassenzimmer und können so sagen, wo die Fehler liegen und ihre Ideen werden auch an den Unterrichtsausschuss weitergegeben.
Tips: Wie nehmen Sie derzeit die Stimmung im Parlament wahr?
Plakolm: Die erste Erkenntnis war schon, dass manchmal weniger die Sache im Vordergrund steht, sondern von wem kommt der Antrag und mit wem ist dieser vorbereitet worden. Die Öffentlichkeit nimmt nur das Vorgehen im Parlament wahr, das auch im Fernsehen übertragen wird. Die Vorbereitungen für die einzelnen Anträge, bekommt die Öffentlichkeit nicht mit. In den Ausschüssen sind alle viel handzahmer, da ist keiner so extrem polarisierend, da ist alles wesentlich ruhiger.
Tips: Werden Sie als jüngste Abgeordnete anders behandelt?
Plakolm: Ich kann keinen Unterschied zu meinen Kollegen feststellen. Wir sind sehr viele junge Abgeordnete, so viele unter 30-Jährige hat es noch nie im Nationalrat gegeben. Im ÖVP-Klub ist mehr als die Hälfte das erste Mal im Parlament. Da wurde auch ein Schwerpunkt darauf gelegt, es gab ein eigenes Seminar für die jungen Abgeordneten. Die älteren Kollegen sind auch sehr offen und freuen sich, wenn Junge nachkommen und frische Ideen bringen. Bei Fragen sind sie sehr hilfreich und geben einem auch Tipps.
Tips: Was war bisher das Schwierigste in Ihrer Funktion als Nationalratsabgeordnete?
Plakolm: Das war sicher die erste Rede. Das war sehr aufregend. Ich habe diese im Dezember bei der Regierungsbildung hinter mich bringen dürfen. Kollegen haben mir vorher gesagt, dass es ein ungeschriebenes Gesetz ist, dass es bei der ersten Rede keine Zwischenrufe gibt. Dem war nicht so, das war schon überraschend. Allerdings hat man keine Zeit und bekommt das erst mit, wenn man dann im Anschluss das Protokoll erhält, in dem auch die Zwischenrufe aufgeschrieben werden. Herausfordernd war es auch, die vielen neuen Namen und Gesichter kennenzulernen.
Tips: Haben Sie das Gefühl, auch das umsetzen zu können, was Sie sich vorgenommen haben?
Plakolm: Auf jeden Fall. Wir arbeiten gerade daran, für den Jugendausschuss speziell viele Themen an einem Termin einbringen zu können, die sich nur mit der Jugend beschäftigen.
Tips: Was ist Ihre Meinung zu den Deutschförderklassen?
Plakolm: Das ist ein wichtiges Thema, ich bin froh, dass das im Parlament umgesetzt wurde. Es ist wichtig, dass die gemeinsame Basis der Sprache gegeben ist, damit die Schüler auch im Fachunterricht folgen können. Die kommunikativen Fächer, wie Turnen und Werken passieren eh gemeinsam. Ziel ist, die Schüler so schnell wie möglich von den Förderklassen in die Regelklassen zu überführen. Wenn man schon am Anfang der Schulbildung an der Sprache scheitert, dann wird es immer schwieriger nachzubessern.
Tips: Und was sagen Sie zum Zwölf-Stunden-Tag?
Plakolm: Das sorgt für mehr Flexibilität. Ich habe mit Bekannten viel diskutiert. Ein Bekannter ist oft auf Montage und wird gerade Papa. Der freut sich, dass er länger arbeiten und dann einen Tag früher heimfahren kann. Auch für Studenten und Familien bringt es Vorteile, wenn sie sich die Arbeitszeit anders einteilen können. Im Antrag wurde auch die Freiwilligkeit festgehalten. Schwarze Schafe gibt es immer, aber ich sehe die Flexibilisierung als Vorteil.


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