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Rettungssanitäter und Patient – Stefan Stieglmair kennt beide Seiten
Waldkirchen. Wie es ist, auf die Hilfe des Roten Kreuzes angewiesen zu sein, musste Stefan Stieglmair nach einem schweren Verkehrsunfall am eigenen Leib erfahren. Plötzlich sah der Rettungssanitäter den Rettungsdienst aus einer ganz anderen Perspektive.

„Schneidets mir die Füße ab“, flehte Stefan Stieglmair, damals Zivildiener beim Roten Kreuz in Engelhartszell. Zur Notamputation des linken Unterschenkels war schon alles vorbereitet. Verzweiflung, Angst und Hilflosigkeit überkamen ihn. Seine Beine waren zu diesem Zeitpunkt bereits eine Stunde am Beifahrersitz des Unfallwagens eingeklemmt. Beim ersten Schneefall am 18. November 2005 war das Auto von der Straße abgekommen und gegen einen Baum gefahren. Erst nach zwei Stunden konnte der Waldkirchner aus dem Wrack befreit und beide Beine gerettet werden. Nie alleine gelassen„Noch in der Nacht zuvor hatte ich Notdienst“, sagt der 28-Jährige aus Waldkirchen, der sich noch gut daran erinnert, wie seine Kollegen darum gekämpft haben, seine Beine zu retten. „Man kennt den Ablauf, der Blick ist aber ein anderer“, erklärt Stieglmair, der seit damals genau weiß, wie sich ein Patient fühlt. Während des gesamten Einsatzes war ein Rettungssanitäter bei ihm im Auto und hat ihm vom Anfang bis zum Ende gut zugeredet. Nie hatte er das Gefühl allein zu sein. Dass auch das Einfühlungsvermögen der Rettungssanitäter ein wichtiger Bestandteil des Rettungsdienstes ist, wurde ihm dadurch noch klarer. Acht Operationen musste er aufgrund der schweren Verletzungen über sich ergehen lassen. Eineinhalb Jahre Krankenstand folgten. Rotkreuz-Familie Stieglmair kennt den Rettungsdienst aus beiden Perspektiven – als Mitarbeiter und als Patient. Seit Oktober 2004 ist er beim Roten Kreuz in Engelhartszell – zuerst als Zivildiener, später als Rettungssanitäter. Im Notfall sitzt jeder Hangriff. Egal ob bei Sportverletzungen, einem Kindernotfall oder einem Autounfall: Er weiß, was zu tun ist. Auch der Spaß auf der Dienststelle kommt nicht zu kurz. „Ich habe viele Freunde beim Roten Kreuz gefunden“, erzählt der Waldkirchner, „meine Kollegen haben mich sogar mit dem Rettungsauto zur Weihnachtsfeier gefahren, als ich nach meinem Unfall nicht gehen konnte.“ Die Rotkreuz-Familie plant neben Weihnachtsfeiern auch gemeinsame Ausflüge. Bei so viel gemeinschaftlichen Aktivitäten hat sich schon so manches Liebespaar auf der Dienststelle gefunden. Freiwillige gesucht250 Stunden im Jahr leistet der 28-Jährige, neben der Arbeit und der Feuerwehr, beim Roten Kreuz ab. Stefan Stieglmair ist im Bezirk einer von 450 Freiwilligen im Rettungsdienst, die beachtliche 115.000 Stunden pro Jahr aufwenden. Obwohl die Zahl der Freiwilligen ansteigt, sinkt die Stundenzahl. „Die Beanspruchung im Beruf steigt, die Leistungsbereitschaft sinkt“, erklärt Rotkreuz-Bezirksgeschäftsleiterin Andrea Bauschmied. So muss sich das Rote Kreuz um Zuwachs bemühen.Zum zweiten Mal sucht die größte humanitäre Hilfsorganisation des Landes heuer mit dem Slogan „Ich bin deine Jacke! Hol mich hier raus“ nach neuen Freiwilligen für den Rettungsdienst, um weiterhin rasche Hilfe rund um die Uhr gewährleisten zu können. Menschlich und professionellIm Rettungsdienst wird man mit allen Facetten des Lebens konfrontiert – von der Geburt bis hin zum Tod. Doch oft sind es gerade Kleinigkeiten, die sehr berührend sind. „Ein intensives Gespräch mit einem Patienten auf dem Weg ins Krankenhaus geht oft näher als ein Unfall-Einsatz“, weiß Bauschmied. Grundsätzlich gilt: „Man darf sich das Erlebte nicht zu nahe kommen lassen und es nicht mit nach Hause nehmen.“ Doch wenn jemand aus der Familie, aus dem Verwandten- oder Bekanntenkreis betroffen ist, wird das schwierig. Trotzdem heißt es auch dann: professionell sein. Nach schwierigen Einsätzen hilft auch das Reflektieren im Team, sich zusammenzusetzen und den Einsatz zu besprechen. VoraussetzungUm als Freiwilliger im Rettungsdienst arbeiten zu können, muss man mindestens 17 Jahre alt sein und eine Ausbildung, die 100 Stunden Theorie und 160 Stunden Praktikum umfasst, absolvieren. Eine Altersobergrenze gibt es nicht. Bevor man sich für die Arbeit beim Roten Kreuz entscheidet, kann man sich für einen Schnupperdienst melden. Jeder über 17 Jahre, der einen Erste-Hilfe-Kurs vorweisen kann, hat die Möglichkeit, sich so einen ersten Einblick zu verschaffen. Kurse Montag, 13. Juli, in SchärdingDienstag, 6. Oktober, in KopfingInfos gibt“s in jeder Dienststelle im Bezirk Schärding.


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