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HÖRMANNS BEI WEITRA. Myriam Urtz ist mit Leib und Seele Keramik-Künstlerin. Weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt wurde sie mit ihren besonderen Frauenfiguren. Tips Redakteur Erich Schacherl hat die Künstlerin besucht.

Alle Fotos: Schacherl
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Der Empfang bei der Künstlerin Myriam Urtz an ihrem Arbeits- und Lebensplatz in Hörmanns bei Weitra war fast schon klischeehaft. Warm gekleidet, mit einer tonverschmierten Schürze und ebensolchen Latexhandschuhen, empfing sie mich im Hof des über 400 Jahre alten Bauernhofes. Mit einem strahlenden Lächeln, das ihrer Arbeitsfreude Ausdruck verlieh, bat sie mich in ihre Werkstatt, wo sie eben noch mal schnell einige Handgriffe zu erledigen hatte. Sie begann über das neue Stück an dem sie gerade arbeitete zu erzählen, während sie gekonnt den Ton  in Form brachte. Sie dabei zu beobachten und ihre Begeisterung zu hören und zu spüren, machte klar, hier war eine Frau am Werk, die dem Ruf ihres Herzens gefolgt war und ihre Berufung zu ihrem Beruf gemacht hatte.

Vielfalt

Ein wesentlicher Grund warum sie so gerne mit  Ton arbeitet, liegt an der Vielfalt der Möglichkeiten. Myriam: „Es gibt nicht viele Materialien, die derart wandelbar sind. Das macht es ja so interessant. Du kannst es gießen, pressen, kneten, eindrehen, überdrehen, du kannst es modellieren, du kannst auf der Töpferscheibe töpfern und so weiter“. Die Vielfalt zeigt sich auch noch anderswo. „Wir sind ständig von Keramik umgeben. Die Kloschüssel, das Waschbecken, Fliesen, Tassen, das Kaffeehäferl, Teller, Ziegel für den Hausbau oder Dachziegel, das alles besteht aus Keramik. Sogar im Weltraum finden Keramikplatten Verwendung, das Spaceshuttle ist damit verkleidet“, erzählt sie fachkundig.

Experimentelle Archäologie

Nicht zu vergessen Keramiköfen, die beispielsweise in Form des Kachelofens viele Häuser mit wohliger Wärme versorgen. Im Arbeitsbereich Ofenbau hat sich Myriam auf etwas ganz Spezielles eingelassen, die experimentelle Archäologie. Seit mehr als 25 Jahren forscht sie über alte Lehmöfen und baut sie nach, „was mir sehr taugt“, wie sie sagt. „Ich bin mittlerweile Spezialistin für Lehmofenbau“, ergänzt sie stolz. Von ihr gebaute urgeschichtliche Lehmöfen sind beispielsweise im Freilichtmuseum Germanisches Gehöft in Elsarn, im Urgeschichtemuseum in Aspern an der Zaya  oder auch im Keltendorf in Schwarzenbach zu finden. Das Eintauchen in die Vergangenheit hat Myriams Arbeiten nachhaltig beeinflusst: „Ich habe einen großen Respekt vor dem Wissen unserer keltischen Vorfahren bekommen. Was die technisch schon drauf hatten, ist wirklich beachtlich“.

Bisheriger Lebensweg

Von Myriams Vergangenheit zu hören, verdeutlicht noch stärker, dass ihr Lebensweg nicht zufällig mit Lehm, Ton und Keramik gepflastert ist. „Ich glaube meine Begeisterung dafür ist schon losgegangen, als ich Kind war und in Hirschenhof (einige Kilometer von Hörmanns entfernt) gelebt habe. Da hat es ein Rinnsal hinter dem Haus gegeben, da haben wir den Gatsch ausgegraben und damit gebaut, kleine Wälle und alles Mögliche“. Während ihrer Gymnasiumszeit in Zwettl gab es manche Abende, an denen sich Lehrer und befreundete Erwachsene im Gymnasium trafen und gemeinsam mit Ton arbeiteten. Da war Myriams Mutter dabei und nahm das neugierige  Mädchen mit. Es folgte die vierjährige Ausbildung an der Landesfachschule für Keramik und Ofenbau im burgenländischen Stoob. Dann erste Arbeitsjahre im IDEA Designcenter in Schrems, gefolgt von einem fünfjähriges Studium, Keramische Formgebung, an der Kunstuniversität in Linz. Davon verbrachte sie ein sehr prägendes Auslandsjahr in Valencia/ Spanien. Seit 2009  ist sie freiberuflich tätige Keramik-Künstlerin.

Göttinnen

Bekannt wurde Myriam Urtz mit ihren speziellen Frauenfiguren, die mittlerweile so etwas wie ein Markenzeichen geworden sind, „die Göttinnen, wie ich sie nenne“, sagt sie. „Diese speziellen Weiber die so charakteristisch für mich sind, die haben auch mit der Archäologie zu tun. Es gibt Urweiber, wie beispielsweise die Venus von Willendorf, und Figuren aus matriarchalen Kulturen, deren Formsprache mich beeinflusst haben“, erzählt sie. Prägend für ihre Arbeit war auch ein mehrmonatiger Aufenthalt nach dem Studium in Indien, „von wo ich mit einem sehr schönen Frauenbild in meinem Inneren zurückgekehrt bin“, ergänzt die Künstlerin. Jede ihrer Frauenfiguren hat einen Namen, sie sind ein Teil von ihr und „ich tue mir wirklich schwer, sie in die Welt zu entlassen, weil ich total an ihnen hänge, sie sind ja irgendwie meine keramischen Kinder“, erzählt sie mit ein wenig Wehmut in ihrer Stimme.

Stolze Frauen

Allesamt sind es stolze Frauenfiguren, so wie die Magistra der schönen Künste die Frauen im Allgemeinen gerne sehen möchte. Abgesehen von ihrem tiefen Wunsch, mit ihrer Kunst die Welt etwas fröhlicher und schöner zu machen, steht dahinter auch die Absicht, auf das Frausein in der modernen Welt hinzuweisen. „Es ist für Frauen heutzutage ja noch immer schwierig, im Kunstbereich ebenso wie im normalen Arbeitsalltag erfolgreich zu sein und anerkannt zu werden. Vielleicht sind meine Figuren mein ganz persönliches Aufbegehren gegen dieses Ungleichgewicht. Ich bin nicht die, die sich am Marktplatz hinstellt und öffentlich und laut sagt, das ist ungerecht. Ich mache das eher mit Charme und Witz mit meiner Kunst“. So können ihre Tonweiber durchaus als Symbol des neuen Frauenbewusstseins, das in den letzten Jahren entstanden ist, gesehen werden. Abgesehen davon, dass sie schlicht und einfach schön, interessant, ungewöhnlich und künstlerisch einzigartig sind.  

Auf Tauchstation

Ein besonders innovatives und witziges Projekt – „Kunst-Strömung“ - hat es heuer in Zusammenarbeit mit dem Unterwasserreich in Schrems gegeben. Von März bis Ende Oktober über bevölkerten Keramikfiguren von Myriam die Aquarien im Unterwasserreich und sorgten bei Besuchern für Staunen und Heiterkeit. „Ich war oft dort, um zu sehen, wie sich die Besucher darüber amüsieren“, gesteht sie, „das war sehr aufschlussreich und lustig“. Ganz neu ist ihr aktueller Katalog, der den Titel „Tonspuren“ trägt. Magistra Urtz dazu: „Es ist ein Bilderbuch geworden, wenig Text, viele schöne Fotos und ein Streifzug quer durch mein keramisches Schaffen“.

Bronzeguss und Malerei

Ganz aktuell gilt ihr Interesse mehr und mehr dem Bronzeguss, außerdem malt Myriam auch. „Ich hatte vor einiger Zeit ein Jahr lang eine keramische Depression, da habe ich begonnen zu malen“, erzählt sie, „in Öl, das ist nicht ganz so synthetisch und mir materialmäßig näher“. In guter Gesellschaft ist sie meinst fröhlich, lacht gerne und genießt ihr Sein und Tun. Im Atelier lässt sie sich gerne über Hörbücher Geschichten erzählen, arbeitet schweigend und genießt die Zeit zu zweit – ihr Ton und sie. Erste künstlerische Projekte 2019 kündigen sich bereits an und sie wird weiterhin ihr Fachwissen bei Seminaren, beispielsweise in der GEA-Akademie in Schrems, an interessierte Menschen weitergeben. Die Welt darf sich auf neue, interessante Kunstobjekte von Myriam Urtz freuen. Das ist schön.

Myriam Urtz: 0664/3446177

https://myriam-urtz.jimdo.com


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