Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

WEITRA. Mit einem neuen Besucherrekord bei der Eröffnung, gesamt mehr als 900 Teilnehmern und einem abwechslungsreichen Programm gingen die 32. Internationalen Sommergespräche der Waldviertel Akademie am Sonntag zu Ende. An davor vier Tagen war man der Frage „Was braucht der Mensch?“ nachgegangen, um abschließend sieben Kernbedürfnisse aufzuzeigen, deren Verwirklichung und Befriedigung für unsere Gesellschaft erstrebenswert sein sollten. Im Anschluss finden sich die wichtigsten Zitate der Vortragenden.

  1 / 12   Freuten sich über einen erfolgreichen Auftakt der Sommergespräche (v.l.): Geschäftsführer Christoph Mayer, Vorsitzender Ernst Wurz und Eröffnungsredner Georg Fraberger.

Fast 300 Besucher waren am Donnerstag zum Auftakt der diesjährigen Sommergespräche und dem Eröffnungsvortrag von Georg Fraberger, der ohne Arme und Beine geboren wurde, gekommen.  „Der Kopf ist Grund genug, um auf viele andere Körperteile zu verzichten“, so der Psychologe, der aus seinem Leben und seinen Erfahrungen erzählte, „ich brauche jemanden, der mir zuhört, um die fünf Bedürfnisse zu befriedigen: Liebe, Macht, Gesundheit, Freiheit und Freude.“

Die offizielle Eröffnung nahm Landesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) vor, die betonte: „Vielleicht ist es die Angst, etwas zu verlieren, dass uns Lebensfreude und Zufriedenheit nimmt. Die Frage „Was braucht der Mensch?“ wird sich nicht pauschal beantworten lassen, dies muss jeder Einzelne für sich selbst entscheiden.“

Cecily Corti, Peter Kampits, Rotraud Perner und Alfried Längle – über Hoffnung und die Notwendigkeit der Sinnfrage im Leben

Hoffnung, Chancen und die Würde beschäftigten sich am Freitagvormittag Peter Kampits, Andrzej Kiepas und Cecily Corti. Während die beiden Philosophen der Frage nachgingen, was der Mensch wirklich braucht, berichtete VinziRast-Gründerin Corti aus ihrem Leben und der Arbeit mit benachteiligten Personen der Gesellschaft. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, so Kampits, „er braucht auch Anerkennung und Unterstützung von den Anderen.“

Die Exkursion in das Kunstmuseum Waldviertel nach Schrems, samt Führung durch die aktuelle Ausstellung „Traumhaus“ sowie einer Diskussion unter dem Titel „Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens“ entwickelte sich als absoluter Publikumsmagnet. Die Psychotherapeuten Rotraud Perner und Alfried Längle zeigten dabei auf, wie wichtig die Sinnfrage für ein gelingendes Leben sei, die Kirchberger Rollstuhlfahrerin Silke Kropacek erzählte aus ihrem Leben und berührte mit ihren Aussagen. „Ich möchte keine Sekunde meines Lebens missen. Alles, was im Leben passiert, hat einen Sinn“, so Kropacek.

Den gelungenen Schlusspunkt des zweiten Sommergespräche-Tages setzte die Filmvorführung von „Peace One Day“ in Kooperation mit dem Filmforum Gmünd im Waldviertler Kino in der Bezirkshauptstadt. „Ein sehr stimmiger und äußerst erfolgreicher Start in die diesjährigen Sommergespräche“, war auch Geschäftsführer Christoph Mayer nach den ersten beiden Tagen sehr zufrieden.

Justizminister diskutierte zu Ordnung und Sicherheit

Einen vollen Rathaussaal bescherte der Waldviertel Akademie auch die Samstagvormittag-Diskussion mit Bundesjustizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) und Diplomat Wolfgang Brandstetter. „Wenn sich die Menschen unsicher fühlen, dann ist das meine Aufgabe, das zu ändern“, so der Justizminister, „denn wenn der Rechtsstaat nicht mehr durchgreifen kann, dann ist Feuer am Dach.“ Brandstetter sparte dabei auch nicht mit Kritik: „Die EU ist eine Errungenschaft, die man nicht in Frage stellen darf, aber sie hat teilweise die Prioritäten falsch gesetzt.“ Natürlich war auch der Flüchtlingsstrom Thematik dieses spannenden Podiums. „Die Zivilgesellschaft ist ein wesentlicher Teil, der Staat kann nicht allein von der politischen Klasse getragen werden“, so Petritsch, „aber die Regierung hat die Aufgabe, alles zu unternehmen, damit wir das schaffen.“

Heuras, Fakler, Rollett, Freundlinger – große Expertise zum Thema Bildung

Bildung und Ausbildung standen am Samstagnachmittag am Programm. „Ich möchte mehr Kreativität in unseren Schulen, mehr Offenheit und Initiative“, so Landesschulratspräsident Johann Heuras. Er wurde von Psychologin Brigitte Rollett bestärkt: „Wo Interessen bestehen, entsteht Eigeninitiative.“ Wirtschaftskammer-Experte Alfred Freundlinger und AMS-Niederösterreich-Geschäftsführer Karl Fakler widmeten sich in ihren Beiträgen vor allem der Ausbildung und den Berufsbildern. „Es soll auch mir selber Spaß machen“, betonte Fakler.

Timna Brauer & Elias Meiri: Tolstoi-Text im Wald4tler Hoftheater

Zum dritten Mal ging am Samstag auch ein literarischer Abend in Kooperation mit dem Wald4tler Hoftheater in Pürbach über die Bühne. Die Sängerin Timna Brauer trug die Novelle „Wie viel Erde braucht der Mensch?“ des russischen Schriftstellers Leo Tolstoi vor und wurden von Elias Meiri am Piano musikalisch begleitet. „Das Hoftheater war beinahe ausverkauft“, so Mayer, „wir haben hier eine Zusammenarbeit ins Leben gerufen, die zu den Höhepunkten an diesem Wochenende gehört.“

Wirtschaftsmatinee bei Waldland in Oberwaltenreith als Abschluss

Den krönenden Abschluss der Sommergespräche bildet seit mittlerweile drei Jahren das Wirtschaftsmatinee in Kooperation mit dem Wirtschaftsforum Waldviertel. Freizeitforscher Peter Zellmann, der frühere Exekutivdirektor der Weltbank Kurt Bayer sowie die Unternehmer Christof Kastner und Gerhard Zinner diskutierten über die Frage „Wirtschaft und Arbeit. Lebenssinn oder Notwendigkeit?“. Schnell herrschte grundsätzliche Einigkeit: „Wir brauchen eine Gleichwertigkeit von Arbeit und Freizeit, nicht entweder oder. Lebenssinn oder Notwendigkeit? Beides“, formulierte es Zellmann.

Nationale und internationale Kooperationen als Erfolgsfaktoren

Die Sommergespräche verstehen sich auch als internationales Forum, um die wichtigen Themen auf verschiedenen Ebenen behandeln zu können. Auch in diesem Jahr unterhielt die WALDVIERTEL AKADEMIE eine Reihe von wichtigen Kooperationen mit Bildungseinrichtungen (Donau-Universität Krems, Andrassy-Universität Budapest, NMS Weitra, BG Gmünd) und Organisationen, die zu einem gelungenen Programm beitrugen. Auch 2016 nahmen Studenten und Absolventen der Budapester Universität an den Sommergesprächen teil.

Erfolgsgeschichte wird weiter geschrieben

Seit 32 Jahren beschäftig sich die WALDVIERTEL AKADEMIE mit den wichtigen Fragen der Region und Zeit. Mit den mehr als 900 Sommergespräche-TeilnehmerInnen wurde der Erfolg des Vorjahres noch einmal klar übertroffen. „Im Wesentlichen braucht der Mensch sieben Dinge: Essen und Trinken, Luft, Licht und Wärme, Bildung und Ausbildung, Arbeit und Beschäftigung, Sicherheit und Rechtssicherheit, Beziehung und Kommunikation“, zog der Vorsitzende der WALDVIERTEL AKADEMIE Dr. Ernst Wurz über eine der erfolgreichsten Sommergespräche der Geschichte zufrieden Resümee.

ZITATE 2016

„Was braucht der Mensch? Wir sehen es in der Psychologie: Wir wissen es nicht! Wir wissen nur, was ihn krank macht.“

Georg Fraberger, Psychologe und Eröffnungsredner

„Wenn die Menschen einen Sinn haben, für den sie leben, sind sie auch bereit, dafür zu sterben.“

derselbe

„Der Mensch besteht aus mehr als seinem Körper und was ihn wirklich als Mensch ausmacht, das ist die Seele.“

Fraberger zog bei seinem Eröffnungsvortrag einen weiten Bogen über das Thema

„Die Politik als Ordnungsmacht ist von der Wirtschaft aufgefressen worden.“

Philosoph Peter Kampits sparte nicht mit Kritik

„Der Mensch braucht Zufriedenheit und Vertrauen – an sich selbst und die anderen Menschen.“

Der polnische Philosoph Andrzej Kiepas diskutierte am Freitagvormittag

„Wir sind unentwegt am Lernen, anders wird es nicht gehen. Wir wollen die Menschen aber nicht erziehen, wir wollen Raum schaffen.“

Cecily Corti über ihre tägliche Arbeit in den Vinzi-Einrichtungen

„Der Staat gibt so vieles, aber lieben kann er nicht, dafür sind wir da.“ Dieselbe

„Ich fürchte mich nicht vor dem Verlust der Sicherheit, weil ich nicht mehr verlieren kann als mein Leben.“

Cecily Corti

„Wir haben seit 15 Jahren Krieg. Krieg gegen ein Phänomen zu führen, bedeutet, dass er nie endet.“

Diplomat Wolfgang Petritsch zum Kampf gegen den Terror

„Die Dublin-Regelung hat nicht funktioniert und funktioniert nicht, deshalb muss ein Rechtsstaat Maßnahmen ergreifen, um das Sicherheitsgefühl zu gewährleisten.“

Wolfgang Brandstetter über die „Notstands-Verordnung“

„Die Schule ist zur Veredelung unseres wertvollsten Rohstoffest, unserer Kinder, zuständig und dabei sollte man sie bestmöglich unterstützen.“ Landesschulratspräsident Johann Heuras

„Die Menschen sind in ihrem Lebensstil längst in der Zukunft angekommen, die Rahmenbedingungen schaffende Politik hängt hier noch nach.“

Freizeitforscher Peter Zellmann


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden