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WILHELMSBURG. Als Antiquitäten-Sammler Josef Renz 2012 das lange verschollen geglaubte Klimt-Bild „Trompetender Putto“ in einer Garage in Oberösterreich fand, löste er einen wahren Kunstkrimi aus. Nach fünf Jahre langen Restaurationsarbeiten und Untersuchungen wurde kürzlich die Echtheit des Gemäldes bestätigt.

Das Gemälde "Trompetender Putto" wurde mit modernster Weltraumtechnik untersucht. Foto: textART
Das Gemälde "Trompetender Putto" wurde mit modernster Weltraumtechnik untersucht. Foto: textART

Viereinhalb Jahre hatte Josef Renz nach dem Bild „Trompetender Putto“ gesucht. Die Spur führte schließlich nach Oberösterreich. Das Gemälde hing ursprünglich an der Decke des ersten Ateliers von Gustav Klimt in der Wiener Sandwirtgasse. Dort arbeitete der Künstler um 1880 mit seinem Bruder Ernst und Franz Matsch. Nachdem ein deutscher Spekulant das Haus in den 1980er Jahren gekauft, das Bild vom Stiegenhaus entfernt und es auf dem Flohmarkt verscherbelt hatte, galt es als verschollen. „Gut war, dass das Bild kreisrund (Secco) und damit sehr auffällig ist. Ein eckiges Bild wäre nicht zu finden gewesen“, sagt Renz.

Modernste Untersuchungen

1947 wurde das Gemälde von einem Maler, der das Stiegenhaus in Klimts ehemaligem Atelier ausmalte, stümperhaft übermalt. Erst vor kurzem wurde es im Sprengel Museum Hannover zum ersten Mal im restaurierten Zustand gezeigt. Allein eineinhalb Jahre dauerte es, die oberste Farbschicht mit einem Skalpell abzukratzen. Danach wurde das Bild von 120 Wissenschaftlern aus der ganzen Welt in Ländern wie Japan, Portugal, England oder Deutschland untersucht, wobei sogar modernste Weltraumtechnik zur Anwendung kam. Bei den Analysen wurden Signaturen auf der Vorder- und Rückseite entschlüsselt, die das Gemälde als authentisches Klimt-Werk ausweisen. Die Echtheit dieser Signatur bestätige sich insofern, da sie auch vier weitere, bereits bekannte Klimt-Bilder beinhalten. Über den Kunstkrimi erscheint diesen Sommer ein Film.

Klimt-Experte bestreitet Echtheit

Viele Museen auf der ganzen Welt haben laut Renz schon großes Interesse am Gemälde, das sich derzeit in Wilhelmsburg befindet, bekundet. Klimt-Experte Alfred Weidinger, früherer Vize-Direktor der Galerie Belvedere in Wien und nunmehriger Direktor des Leipziger Museums der bildenden Künste, bestreitet aber nach wie vor die Echtheit des Gemäldes, was Renz nicht nachvollziehen kann. „Weidinger glaubt, dass das Bild von der Decke der Wiener Staatsoper stammt, die im März 1945 bei einem Bombenangriff zerstört wurde. Laut der Gutachten sind aber keine Explosionsschäden, Schmauch- oder Brandspuren auf dem Bild zu sehen“, so der Antiquitätenhändler. Rätselhaft sei auch, wie das Bild, das auf einer zwei Millimeter dicken Gipsplatte angefertigt wurde, einen 30 Meter hohen Sturz von der Decke überstanden habe. Weidinger habe außerdem bisher weder das Bild im restaurierten Zustand noch die Signaturen gesehen. „Das Gemälde ist das am modernsten untersuchte Bild der Welt. Weidinger muss endlich akzeptieren, dass er auf einem falschen Weg ist“, so Renz.


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