Krötenwanderung hat Hochsaison
WILHERING. Alljährlich starten zu Beginn des Frühlings Amphibien ihre Wanderung zu den Laichgewässern. An den historischen Fischteichen des Stiftes Wilhering findet sich einer der oberösterreichweit größten Erdkrötenbestände.

„Die Erdkröte ist die einzige Amphibienart, die mit der Karpfenzucht in den Stiftsteichen zurecht kommt. Denn ihre Larven erzeugen ein Sekret, welches sie für die Karpfen ungenießbar macht“, erklärt Albin Lugmair von der Naturschutzgruppe Haibach, der das Krötenschutzprojekt in Wilhering betreut.
Daher sind die Karpfen für die Kröten die besten Nachbarn, denn viele andere Fische fressen die Erdkrötenlarven trotz dieses Sekretes. Ihre Überwinterungs-Quartiere haben die Wilheringer Kröten im Kürnberger Wald. Die milde Witterung Anfang Frühling lockt die Tiere aus ihren Winterverstecken und sie machen sich auf den Weg zu den Stiftsteichen, wo sie ihre Eier ablegen wollen.
Die größeren Erdkrötenweibchen tragen bei der Wanderung zu den Teichen häufig bereits ein verpaartes Männchen „huckepack“. Und als wäre das nicht schon beschwerlich genug, müssen sie auch noch einige Straßen überqueren.
Ohne Schutz werden bis zu 90 Prozent der Kröten überfahren
Untersuchungen haben ergeben, dass bei einer Verkehrsdichte von einem Auto pro Minute, was an der Bundesstraße eine realistische Größe darstellt, bis zu 90 Prozent der Amphibien überfahren werden. Seit Beginn der 1990er Jahre bis zum Jahr 2005 wurde die Amphibienwanderstrecke deshalb von naturschutzinteressierten Wilheringern mittels Zaun-Kübel-Methode betreut.
Dabei wandern die Amphibien entlang eines gespannten Kunststoffnetzes und fallen in eingegrabene Eimer, aus denen sie entnommen und über die Straße zu den Laichgewässern gebracht werden können.
Schüler und Lehrer des Stiftsgymnasiums im Einsatz
Seit dem Jahr 2010 hat die Naturschutzgruppe Haibach die Errichtung und Betreuung des etwa 400 Meter langen Amphibienschutzzaunes übernommen. Tatkräftige Unterstützung hat die Naturschutzgruppe vom Stift Wilhering und der Gemeinde. Die Straßenmeisterei Eferding ist jedes Jahr bei der Aufstellung des Zaunes behilflich.
„Die Betreuung während der eigentlichen Amphibienwanderung ist vor allem durch das Engagement von Lehrern und Schülern des Stiftsgymnasiums Wilhering und Anrainer möglich“, betont Lugmair. Denn die Wanderstrecken müssen während der etwa dreiwöchigen Wanderung täglich kontrolliert werden.
80.000 Amphibien gerettet
„Durch die Zusammenarbeit aller Beteiligten konnten so seit dem Jahr 1992 zumindest 80.000 Amphibien vor dem Straßentod bewahrt und zu ihren Laichgewässern gebracht werden“, sagt Lugmair.
Warum Kröten so wichtig sind
Frösche, Kröten und Molche spielen eine wichtige Rolle, weil sie zahlreiche Insekten bzw. deren Larven in Gewässern (u.a. Gelsen) oder auch Nacktschnecken dezimieren. Gleichzeitig sind sie ein wichtiger Bestandteil in der Nahrungskette für seltene heimische Tierarten wie zum Beispiel dem Fischotter oder Schwarzstorch.
Durch die Verfüllung kleinerer und größerer Teiche und Tümpel verlieren auch ehemals weit verbreitete Amphibienarten immer mehr Laichgewässer. Zusätzlich werden neu geschaffene Gartenteiche häufig durch Fischbesatz für die meisten Amphibien untauglich, da diese die Kaulquappen fressen.
Wenn dann auch noch überzählige Fische aus den Hausteichen oder Aquarien „in die Freiheit“ entlassen werden, können lokal ganze Amphibienbestände erlöschen.
Durch die Aktivitäten des Bibers könnten künftig wieder vermehrt geeignete Laichgewässer für Amphibien entstehen, wo eingestaute Bereiche belassen werden.
Neues Projekt in Linz-Land
Im Bezirk Linz-Land wird aktuell eine weitere Wanderstrecke beim Schloss Hohenbrunn in St. Florian mittels Zaun-Kübel-Methode durch den Naturschutzbund betreut, wenige weitere durch Ehrenamtliche in den Gemeinden. Für einige ungesicherte Wanderstrecken werden noch Interessierte gesucht, die sich bei der Betreuung der Wanderstrecken engagieren möchten.


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