„Ich habe grundsätzlich in alles, was ich tue, ein Urvertrauen“
WAIDHOFEN/YBBS. Thomas Wagner nennt sich selbst Schulabbrecher. Vielleicht ist das ein wenig kokett angesichts seines Erfolges und der irgendwann nebstbei nachgeholten Matura, vielleicht möchte er einfach verzweifelten Eltern Mut machen.

In jedem Fall aber ist der Geschäftsführer von FALKEmedia ein offener Geist, interessiert an allem rund um ihn, reflektiert, dabei aber fokussiert auf sein Gegenüber und immer am Puls der Zeit, ohne dabei gehetzt zu wirken. Stillstand und Suderanten langweilen ihn. Dieser Mix mündet nun in den größten Erfolg der Agenturgeschichte: den Österreichischen Staatspreis für Informationstechnologie! Mehr dazu hier: https://www.tips.at/nachrichten/ybbstal/wirtschaft-politik/547642-falkemedia-gewinnt-constantinus-award
Tips: Herzlichste Gratulation für diese großartige Auszeichnung! Was bedeutet der Award für FALKEmedia?
Wagner: Vielen Dank! Wir haben uns schon allein über die Nominierung für den Constantinus Award riesig gefreut. Dass wir ihn nun tatsächlich gewonnen haben, ist einfach gewaltig. Der Award ist eine Auszeichnung für unseren eingeschlagenen Weg – weg von der kleinen Grafik-Agentur, die wir ursprünglich waren, hin zu einem leistungsstarken Marketingunternehmen mit großer Digitalisierungs-Kompetenz. Die Auszeichnung geht in erster Linie auf die Kappe meines Cousins und Geschäftspartners Matthias. Er hat unsere Firma im Bereich der Digitalisierung in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. Der IT-Award zeigt, dass wir bei Weitem nicht nur Kreativleistungen erbringen, sondern unser Job auch aus sehr viel Technik, Programmierung, Analytik und Daten-Know-how besteht.
Tips: Seit Agenturgründung 2008 seid ihr auf 16 Mitarbeiter angewachsen. Was macht euren stetigen Erfolg aus? Worauf bist du besonders stolz?
Wagner: Den wichtigsten Baustein für unseren Erfolg sehe ich darin, dass Matthias und ich unser Unternehmen zu zweit führen. Das macht uns innovativer, risikofreudiger, schneller in der Unternehmensentwicklung und bewahrt uns vor mancher Fehlentscheidung. Wenn etwa einer von uns beiden mit der Idee des anderen nichts anfangen kann, dann wird die Idee entweder verworfen oder muss noch weiterentwickelt werden. Stolz bin ich darauf, dass wir uns ständig verändern und weiterentwickeln. Unsere Branche ist sehr schnelllebig – ich sage nur Social Media, Video-Trend, Onlinemarketing. Wir haben einen richtigen Hunger entwickelt, bei (fast) allen Trends dabei zu sein. Hier wie in allen anderen Bereichen gilt: Wer den Wandel nicht mitgestaltet, wird von ihm überrollt werden. Und auch unser Team und unsere Firmenkultur lassen mich sehr stolz sein. Unsere Mitarbeiter sehen FALKEmedia nicht nur als Ort der Arbeit, sondern auch der Freude und der Freundschaft. Es ist uns in den letzten Jahren gelungen, eine sehr moderne und motivierende Firmenkultur zu entwickeln.
Tips: Du und dein Cousin, ihr seid selbst erst ziemlich zeitgleich vor drei Monaten Väter geworden. Unterstützt ihr eure männlichen Mitarbeiter, wenn sie in Karenz gehen wollen, oder nehmt ihr diese Möglichkeit als rechtliches Übel hin?
Wagner: Wir versuchen, eine sehr moderne Unternehmenskultur zu leben. Und da gehören familienfreundliche Modelle wie Väterkarenz einfach dazu. Ich bin überzeugt davon, dass familienfreundliche Betriebe in Zukunft am Arbeitsmarkt einen großen Wettbewerbsvorteil haben werden. Wenn wir Unternehmer von den Arbeitnehmern immer mehr Flexibilität verlangen, dann müssen wir Unternehmer uns genauso bewegen und flexiblere Organisationen schaffen.
Tips: Wie sehr hat sich dein Leben als Vater verändert? Hast du es dir so vorgestellt?
Wagner: Ich hatte keine konkrete Vorstellung, nur die Erwartung, dass es genau so passen wird, wie es dann ist. Ich habe mir nach der Geburt eine kleine Auszeit von zwei Wochen genommen und versuche seitdem mein Arbeitspensum von davon oft 60 Wochenstunden zu verringern. Vorstellen könnte ich mir ein Jahr Vaterkarenz durchaus. Beim Stillen bin ich aber keine große Hilfe. Mir ist auch völlig klar, wie fordernd die Betreuung eines Babys ist. Die Verantwortung für ein so kleines Wesen zu übernehmen, seine eigene kleine Familie zu gründen, das ist schon ein wirklich großartiges Gefühl.
Tips: Wenn du mit 80 Jahren im Schaukelstuhl auf den Leben zurückblickst, was möchtest du bis dahin noch erreicht haben?
Wagner: Schön wäre, wenn es FALKEmedia dann immer noch gibt und eine renommierte Adresse weit über das Mostviertel hinaus ist. Ich hoffe, dass wir bis dahin nie in eine unternehmerische Krise kommen, die uns zu vielfachen Kündigungen zwingt. Und ich hoffe, dass wir nie unsere Motivation verlieren, unser Unternehmen und seine Leistungen immer wieder an die sich verändernden Gegebenheiten anzupassen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich gemeinsam mit Partnern noch das eine oder andere Unternehmen gründe. Übrigens habe ich vor ein paar Monaten gemeinsam mit meiner Freundin Julia und zwei Freunden von uns ein zweites Unternehmen gegründet, die „brandstatt GmbH“ – ich habe also auch einen Fuß in den Gastronomie- und Event-Bereich gesetzt.
Tips: Was darf man sich darunter vorstellen?
Wagner: Wir haben die Pandemie genutzt und eine mobile Getränkebar mit Kühler, Weinklimaschränken, Geschirrspüler und Fußbodenheizung erworben. Die transportieren wir, wohin immer der Kunde es wünscht, und stellen bei Bedarf jegliches weitere Equipment bis hin zum Catering und zur Getränkeausschank zur Verfügung. Ich muss gestehen, das Interesse daran hat uns regelrecht überrollt. Im kommenden Frühjahr folgt deshalb der nächste Schritt. Dann reaktivieren wir den ehemaligen Mostheurigen Brandstatt in Konradsheim zur Eventlocation „Mostheuriger 2.0“. Auch hier werden wir die ausgetretenen Pfade verlassen.
Tips: Hast du eigentlich nie Angst zu scheitern?
Wagner: (denkt kurz nach) Wenn etwas nicht funktioniert, muss man es adaptieren oder auch ganz sein lassen. Besser etwas riskieren, als es später bereuen, nicht probiert zu haben. Im Prinzip habe ich aber in alles, was ich tue, ein Urvertrauen.


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