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FUFU: "Der Feind der lokalen Wirtschaft ist nicht der Baum, sondern der Online-Handel"

Karin Novak, 30.03.2021 09:56

WAIDHOFEN/YBBS. FUFU-Bandenchef und Baustadtrat Martin Dowalil legte Pläne für eine Innenstadtbegrünung vor, die aus der Stadt einen Aufenthaltsraum für Menschen gestalten sollen. Darüber hinaus erklärt er, warum er es für sinnvoller hält, Bäume fest im Boden zu verankern anstatt sie in Tröge zu pflanzen.

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In den letzten Jahrzehnten hat man die funktionierenden Netzwerke der Fußgänger zugunsten eines rechtlich privilegierten Autoverkehrs zerschnitten. Im Falle von Waidhofen umfasst der gesamte öffentliche Raum von Unterer Stadtplatz, Freisingerberg und Oberer Stadtplatz in etwa 9.650 Quadratmeter, davon sind nur 14 Prozent Fußgängerflächen und 86 Prozent Straßenraum. Es befindet sich Lagerplatz für 217 Pkws in der Innenstadt.

Schaffen von verkehrsberuhigten Zonen

Doch gerade der Verkehr soll im Leben der Menschen und der Wirtschaft eine dienende Rolle einnehmen, der Schutz des Schwächeren (z. B. Fußgänger) vor dem Stärkeren (z. B. Pkw) muss zwingend Bestandteil jeglicher Verkehrsmaßnahmen sein. Dabei soll die Attraktivität der Innenstadt gesteigert werden und soll gleichzeitig die regionale Kaufkraft angezogen werden. Dies gelingt durch verkehrsberuhigte Zonen mit attraktiver Gestaltung und einer fairen Verteilung des zur Verfügung stehenden Raumes um die Menschen zu aktiver Mobilität zu motivieren.

Umfassendes Maßnahmenpaket

Denn es ist nicht primär die bessere Erreichbarkeit, welche Kaufkraft bringt, sondern ein Maßnahmenpaket bestehend aus Aufenthaltsqualität, Sitzgelegenheiten, Begrünungen zur Reduzierung von Hitzeinseln, Barrierefreiheit, Witterungsschutz und Autofreiheit. Es ist das Gebote der Stunde, den Menschen mehr Raum zurück zu geben, der Gedanke, dass viele Parkplätze zwingend mehr Kaufkraft bedeuten, ist spätestens seit dem boomenden Online-Handel offensichtlich falsch.

Begegnungszone Oberer Stadtplatz

Nachdem bekanntlich auch Rom nicht an einem Tag erbaut wurde, haben uns wir von der Liste FUFU vorerst den Planfall einer Begegnungszone am Oberen Stadtplatz von Stadtpfarrkirche bis zum Rathaus im Detail angesehen. Hier gibt es bereits reichlich Gastronomie, den Wochenmarkt, den Landeskindergarten sowie ein medizinisches Versorgungsangebot – allesamt Dienstleister, welche von einer Begegnungszone profitieren würden. Zurzeit gibt es hier 70 Stellplätze auf 1.061 Quadratmetern, Fahrbahnen auf 1.037 Quadratmetern und lediglich 638 Quadratmeter für Gehwege. Wir würden nun die 25 Querparkplätze zugunsten eines Grün- und Mehrzweckstreifens investieren. Die Begrünung des Mittelstreifens hätte den Vorteil, dass eine Vielzahl der Einbauten (Fernwärme, Gas, Strom, Kanal, Wasser) in der Straße von den Maßnahmen unbehelligt blieben und dass das rechts Halten (10 Minuten) für Fahrzeuge immer gewährleistet wäre. Das Parkdeck „Pfarrgarten“ ist 100 Meter entfernt und das Parkhaus „Schlosscenter“ 250 Meter, diese beiden bestehenden Parkflächen können die 25 wegfallenden Stellplätze am Oberen Stadtplatz auch in Spitzenzeiten leicht aufnehmen. Damit die Akzeptanz dieser Parkflächen erhöht wird, sollte die Kurzparkzonenabgabe in der Innenstadt von derzeit 50 Cent auf 1 Euro pro Stunde angehoben werden. Denn in sämtlichen gebührenpflichtigen Parkräumen Waidhofens zahlt man bereits diesen Euro.

Begrünung „Schwammstadt“

Den neuen Bäumen wird unterhalb der befestigten Oberfläche in Schotterkörpern ausreichend Wurzelraum gegeben ohne dabei die Stabilität der Gehwege und Straßen zu beeinträchtigen. Splitt, vermischt mit Kompost und anderen Substanzen, bietet den Wurzeln genügend lockeren Untergrund, um sich darin auszubreiten. Gleichzeitig kann das Substrat in den kleinen Hohlräumen Wasser speichern, welches den Bäumen dadurch zur Verfügung steht und langsam wieder an die Umgebung abgegeben wird. Durch die Speicherfunktion leistet das System somit auch einen wichtigen Beitrag, um den Wasserabfluss bei Starkregen – wir kennen das in Waidhofen im Bereich der Rigole nur zu gut – zu unterstützen und den Abwasserkanal zu entlasten.

Begegnungszone

Das Prinzip der Begegnungszone ist ein rücksichtsvolles Miteinander aller Verkehrsteilnehmer auf einer gemeinsamen Verkehrsfläche. Begegnungszonen stehen außerdem für Räume mit einem besonders hohen Anspruch an Aufenthaltsqualität in den Fußgänger höchste Priorität genießen. Eine essenzielle Maßnahme ist die Beschränkung der Höchstgeschwindigkeit auf 20 km/h, welche den Blickkontakt zwischen Fahrzeuglenkern und Fußgängern zur Kommunikation ermöglichen soll. Das ist deshalb wichtig, weil die Fahrbahn ja nun von allen Verkehrsteilnehmern gleichermaßen benutzt wird, wobei niemand mutwillig behindert werden darf. Die Möglichkeiten für Durchzugsverkehr, Anrainerverkehr und Lieferantenverkehr bleiben bestehen.


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