Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

WAIDHOFEN/YBBS. Zum Klimastreik vergangenen Freitag (24. September) erreichte uns ein Leserbrief von Raphael Kößl aus Waidhofen. 

Was Klimawandel und fairer Handel miteinander zu tun haben.Foto: Ilja Generalov/Shutterstock.com
Was Klimawandel und fairer Handel miteinander zu tun haben.Foto: Ilja Generalov/Shutterstock.com

„Die Klimaproteste sind zurück auf der Straße, vergangenen Freitag fand der erste große Klimastreik seit Ausbruch der Corona-Pandemie statt. Als Teilnehmer des Klimastreiks in St. Pölten war ich in mehrfacher Hinsicht verblüfft: 1) So viele Menschen im „kleinen“ und braven St. Pölten für mehr Klimaschutz auf der Straße – kaum zu glauben. 2) Von so jungen Menschen eine so perfekt organisierte Demo – Hut ab! 3) So kluge, differenzierte und bewegende Reden – wow, da werden viele Politiker neidisch!

Weltladen-Konferenz mit Fairtrade-Produzenten

Am Tag darauf konnte ich bei der Weltladen-Konferenz in Salzburg ein Gespräch mit Fairtrade-ProduzentInnen hören, bei dem die Klimakrise eines der großen Themen war. Die Handelspartner aus Bangladesch berichteten dabei davon, dass aufgrund des Anstiegs des Meeresspiegels ihr Grundwasser zunehmend versalzt und sie für die Trinkwasserversorgung deshalb darauf angewiesen seien, Regenwasser in großen Behältern bzw. Teichen zu sammeln und zu reinigen. Es ist so ungerecht, dass ausgerechnet jene Menschen, die nichts zur Klimaerhitzung beigetragen haben, plötzlich kein Süßwasser mehr zum Bewässern ihrer Felder und zum Trinken haben!

Schäden durch Klimaerhitzung

Auch die ProduzentInnen aus Mexiko – von ihnen wird in wenigen Wochen der „Segelkaffee“ (Anm. mit dem Segelschiff über den Atlantik transportiert) in Österreich ankommen – berichteten von schweren Schäden durch die Klimaerhitzung. Von langanhaltenden Dürren und anschließendem Starkregen, die die zuvor mühsam aufgezogenen Setzlinge zerstören und die Pflanzen für den Kaffeerost (eine für die Pflanzen gefährliche Pilzerkrankung) anfälliger machen. Allerdings gibt das Gespräch mit ihnen auch Hoffnung: Durch die biologische Wirtschaftsweise und verschiedene Anpassungsstrategien gelingt es den Fairtrade-ProduzentInnen ihre Pflanzen besser zu schützen. Durch den besseren Preis können die Landwirte ihren Bestand besser pflegen und tragen so zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft und zur Versorgungssicherheit bei. Taurino Reyes, Leiter der Bio-Zertifizierungsstelle Certimex in Mexiko, berichtete außerdem davon, dass dies auch einen Effekt auf jene Bauern hat, die nicht im Fairtrade-System sind: durch den hohen Fairtrade-Preis erhalten auch sie für konventionelle Ware bessere Preise. Ein wichtiger Nebeneffekt von Fairtrade!

Regional einkaufen mit Zwischenstopp im Weltladen

Klimagerechtigkeit und globale Gerechtigkeit gehören zusammen. Diejenigen, die für den allergrößten Teil der Treibhausgasemissionen in der Atmosphäre verantwortlich sind, müssen ihre gegenwärtigen Emissionen am schnellsten zurückfahren. Österreich gehört hier als Teil des reichen Europas auf jeden Fall dazu! Wir sind aber auch aufgefordert, auf globaler Ebene gerechter zu handeln. Erst 8 % des in Österreich verkauften Kaffees kommt aus fairem Handel, bei Schokolade, Textilien oder Reis ist der Anteil sogar noch geringer. Neben dem politischen Engagement auf der Straße und unserem Wahlverhalten können wir also auch (aber bitte nicht ausschließlich!) durch unser Kaufverhalten jene Unternehmen stärken, die nachhaltig und solidarisch Wirtschaften. Für den Lebensmitteleinkauf in Waidhofen heißt das konkret: Neben dem Stopp bei Hoflieferanten, Regionalhütte oder am Wochenmarkt ist auch ein Zwischenstopp im Weltladen, dem Fachgeschäft für fairen Handel, Pflicht. Damit bald mehr Kaffee, Kakao, Mode … zu fairen Bedingungen produziert und gehandelt werden kann. Denn wir müssen jetzt handeln. Fair handeln.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden