Zwiegespräch mit dem Zwettler Nikolo
ZWETTL. Jedes Jahr am 6. Dezember mit dem Eintritt der Dämmerung, erscheint er, der Zwettler Nikolo am Hauptplatz. Er bringt die Kinderaugen schon mit seiner bloßen Anwesenheit zum Leuchten, zudem hält er kleines Sackerl für jeden von ihnen bereit. Zugegeben, man hat nicht jeden Tag die Gelegenheit, einen „echten“ Nikolaus zu treffen, Tips wurde diese Ehre zuteil.

„Stellen Sie sich vor, sie blicken in 350 leuchtende Augenpaare, da kommt Ihnen so viel entgegen, an Lachen, an Freude – da muss ich immer aufpassen, dass mir nicht selbst die Tränen kommen oder mir die Stimme versagt. Denn wenn ich ehrlich bin, bin ich nahe am Wasser gebaut. Aber das ist auch der Grund, warum ich das Jahr für Jahr wieder mache, weil man so viel zurück bekommt“, erzählt der Zwettler Nikolo in der Person von Helmut Stephan freudig.
„Denke noch nicht an eine Nikolo-Pension“
Seit 42 Jahren steigt er in seine gewohnte Montur, Rauschebart, der Stab, das große rote Buch sowie seine Mitra dürfen da nicht fehlen. An eine Nikolo-Pension denkt er noch nicht. „Solange ich es noch auf mein Podium am Platz schaffe, mache ich das“, ist der 63-Jährige überzeugt. Eigentlich ist es einem Zufall zu verdanken, dass ihm diese Aufgabe zuteil wurde. Die Zwettler Kaufmannschaft suchte damals, 1974, einen Nikolo. Mittlerweile sind 42 Jahre daraus geworden, da bleibt das ein oder andere Erlebnis natürlich in Erinnerung.
Kleine und große Erlebnisse
Schmunzelnd erzählt der rüstige Pensionist von einem Jahr, als wieder einmal ein Foto mit dem Nikolaus gemacht werden sollte. „Das Kind wurde auf meinen Schoss gesetzt, es schaute mich groß an und hielt sich mit einer Hand an meinem langen Rauschebart an, als es zurück zu den Eltern sollte, ließ es den Bart nicht los, ich wurde immer länger und länger, um ein Haar wäre mein Gummizug gerissen.“ Dass die Kleinen in Anwesenheit des Nikolo oft aufgeregt sind, versteht sich. „Wieder einmal hatte ich ein Kind auf meinem Schoss, dann spürte ich Wärme an meinem Oberschenkel, die sich dann schnell in Nässe verwandelte, da war wohl die Aufregung etwas zu groß“, grinst Herr Stephan.
Die Aufmerksamkeit ist ihm an diesem 6. Dezember gewiss. „Seid ihr auch schön brav gewesen?“, fragt er mit tiefer, gediegener, honoriger Stimme meistens in die Runde. Als Nikolo sollte man nicht nur gütig und würdevoll erscheinen, wie es sich für einen Bischof und frommen Mann ziemt, nein man muss auch aufpassen, dass man den Kindern keine Frage stellt, schließlich sollte ein Nikolo in der Regel alles wissen. Da und dort sind die Kids sehr wissbegierig – die richtige Antwort zu finden, ist oft auf die Schnelle gar nicht so einfach, wie Helmut Stephan aus eigener Erfahrung weiß. So wurde er einmal von einem Kind nach seinem Namenstag gefragt. Im ersten Moment wollte er schon mit „April“ antworten, im letzten Augenblick konterte er dann mit: „Na heute, am 6. Dezember!“ Woraufhin ihm gratuliert und eine Zeichnung geschenkt wurde.
Fixpunkt am 6. Dezember, 16 Uhr
So wird er auch heuer wieder am besagten Tag, gegen 16 Uhr, am Zwettler Hauptplatz erscheinen. Mit Liedern und Gedichten vom Kinderchor Mini Voces freuen sich Groß und Klein gemeinsam auf seine Ankunft. Und selbst wenn sich der Zwettler Nikolaus schon als „alter Hase auf dem Gebiet“ bezeichnet, wird er innerlich auch in diesem Jahr wieder eine freudige Aufregung mit im Gepäck haben, wie er zugibt.
Goldener Zwettler Advent
Der Adventmarkt in Zwettl geht übrigens von 8. bis 11. Dezember über die Bühne, hier werden „Tür und Tor“ zu den adventlichen Stationen in der Zwettler Innenstadt geöffnet. Eintreten und einen Advent für alle Sinne erleben: idyllischer Standlmarkt rund um den Hundertwasserbrunnen mit Lebender Krippe und Weihnachtswerkstatt, kreativer Genuss beim Advent im Alten Rathaus mit Strohsterne binden und Zinn gießen, Schmiede-Weihnacht in der historischen Ableidinger-Schmiede, umfangreiche Waldviertler Buchausstellung beim Hauptplatz, Kunstadvent im historischen Pernerstorferhof in der Landstraße und nostalgisch-romantisches Flair bei den Adventfahrten mit der alten Dampflok. Regionale und internationale Aussteller bieten erlesene Handwerkskunst, genussvolle Spezialitäten kommen aus dem Waldviertel, aus Slowenien und dem Erzgebirge.
Einer der Höhepunkte: Am Samstag, 10. Dezember um 16 Uhr, wird Alexander Goebel live auf der Bühne am Adventmarkt Geschichten, Songs und Comedy rund um Weihnachten präsentieren!


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