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ZWETTL. Über 200 Kinder nahm Rosa Pichler schon unter ihre Fittiche, am 1. Februar feierte sie ihr 30-jähriges Dienstjubiläum beim Hilfswerk als Tagesmutter. Und auch nach drei Jahrzehnten könnte sie sich keinen besseren Beruf erträumen. Wir haben bei ihr vorbeigeschaut.

Viel Zeit verbringen Rosa und ihre Schützlinge draußen im Garten
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Sandrine, Alexander und Valerie sausen bereits vergnügt durch Küche und Wohnzimmer. Ein wenig später kommt noch die ältere, neunjährige Elisa von der Schule zu Familie Pichler. Für sie gibt es erstmal Mittagessen, eine warme Suppe und Erdäpfelpuffer mit Gurkensalat.  Dann heißt es Aufgabe machen, bevor sie sich zu ihren kleineren Freunden gesellen kann. Schnell ist ein neues Spiel erfunden, mit einer Trillerpfeife bewaffnet, führt die siebenjährige Sandrine die Kompanie an, die sich krabbelnd und auf ihr Kommando durch das Haus bewegt.

Der Lärmpegel scheint Rosa und ihren Mann Hermann keineswegs zu stören, im Gegenteil. „Es ist doch schön, wenn es im Haus lebendig ist.“ Das war auch mit der Beweggrund, damals vor 30 Jahren, die Ausbildung über das Hilfswerk zu absolvieren. „Meine Kinder wollten immer Spielkameraden haben, als ich auf eine Annonce in der Zeitung stieß, machte ich die Ausbildung zur Tagesmutter in Krems und Wien.“ Anfangs galt es sich die Anerkennung zu erkämpfen, denn im Waldviertel war dieses Berufsbild zu dieser Zeit noch ein eher ungewöhnliches. Mittlerweile ist die diplomierte Behindertenpädagogin allseits als fürsorgliche Tagesmutter bekannt.

Um fünf Uhr Tagwache

Der Tag beginnt für Rosa bereits sehr früh, um fünf Uhr morgens. Es gilt den Haushalt zu machen und das Mittagessen vorzubereiten. Denn auf täglich frische und gesunde Kost legt die 57-Jährige sehr viel Wert. Nicht umsonst verfügt Rosa neben einer Vielzahl an Eingekochtem und Säften auch über zwei volle Kühlschränke, zwei Kühltruhen und einen Gefrierschrank. Die ersten Kinder kommen oft schon gegen halb sieben Uhr morgens, nach einer gemeinsamen Jause geht es zumeist raus in den Garten, wo ausgiebig gespielt wird.

TV, Tablet und Handy tabu

Ist es Zeit für das Mittagessen, sucht sich das Kind seinen Lieblingsteller und -Platz. „Das gemeinsame Einkaufen oder das gemeinsame Essen erleben viele Kinder heute nicht mehr, Rituale wie diese einzuhalten, das ist mir ganz wichtig“, betont Rosa. „Witzig ist auch, dass die Kinder hier Sachen essen, die sie zuhause verschmähen“, schmunzelt ihr Mann Hermann. Oft wird ein Kuchen gebacken, der dann zur Nachmittagsjause genossen wird.

Fernseher, Tablet oder Handy bleiben allerdings tabu - da ist Rosa konsequent. Dafür gibt es hunderte Bücher und Spiele in allen Formen, Farben und Facetten, die gerne zum Einsatz kommen.

Der „Alles-erlaubt-Tag“

Die Feste im Jahreskreis, wie Geburtstag, Ostern oder die Weihnachtszeit werden ganz besonders zelebriert. Im Fasching hat sich beispielsweise der „Alles-erlaubt-Tag“ bei Rosa einen Namen gemacht. „Normal lege ich Wert darauf, dass manierlich gegessen wird, an diesem Tag dürfen die Kinder schlürfen, schmatzen, verrückt sein oder sich lustig anziehen.“ Dem folgt ein Spielefest mit Luftballonwolke oder ein Picknick am Boden. So ist es keine Frage, dass die 57-Jährige durch „ihre“ Kinder auch jung bleibt.

Jederzeit wieder Tagesmutter

Sie, die seit 30 Jahren dem Beruf mit viel Herzblut nachgeht, würde ihn jederzeit wieder ergreifen. Gemäß ihrem Motto „Kinder sind Gäste, die nach dem Weg fragen“, ist es die Einzigartigkeit jedes ihrer Schützlinge, die die Arbeit für sie zur Bereicherung macht. Von der spannenden Eingewöhnungsphase, die dann geschafft ist, wenn das Kind sich trösten lässt, bis zum Abschied, der ihr immer wieder besonders schwer fällt, weil sie einem doch ans Herz wachsen. „Da fließen oft die Tränen, auf beiden Seiten“, weiß Rosa, die sich immer wieder über den Besuch von ehemaligen Schützlingen freut.

Die Liebe zu den Kindern, flexibel auf ihre Bedürfnisse und auf die der Eltern einzugehen und Geduld und Verständnis für die jeweilige familiäre Situation mitzubringen, das ist für sie als Tagesmutter unerlässlich. Die kleine, familiäre Betreuung und die konstante Bezugsperson sieht sie als entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Kinderbetreuungsangeboten, die ringsum zunehmen.

Freie Plätze ab Spätsommer

Gerne hätte Rosa, die nebenher noch als ehrenamtliche Sachwalterin fungiert, einmal Zwillinge als Schützlinge. Und wer weiß, ab Spätsommer wären wieder Plätze frei, vielleicht erfüllt sich dann ja ihr Wunsch.


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