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ZWETTL. Margarete Kapeller aus Zwettl ist mit ihrer zehnjährigen, staatlich geprüften Therapiehündin Hummelchen seit 2011 ehrenamtlich in verschiedenen Institutionen unterwegs. Viele schöne emotionale Begegnungen haben die beiden schon miteinander erlebt.

Hummelchen mit ihrem Frauchen Margarete Kapeller
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„Tunella´s Hummelchen“, so lautet der offizielle Name der Kurzhaarcollie-Hündin mit deutsch-amerikanischem Ahnenpass, kurz Hummel genannt. Ausgebildet wurde sie ein halbes Jahr lang in Sieghartskirchen bei den Rettungshunden NÖ. Dort wurde festgestellt, ob sich Hummel überhaupt dafür eignet. Die Ausbilder legen großen Wert darauf, dass der Vierbeiner Spaß daran hat und sich wohl fühlt. Außerdem muss sich der Hund mit anderen Hunden verstehen. Die Therapiehunde werden mit verschiedensten Situationen konfrontiert um zu sehen, wie sie reagieren. Wenn Krücken oder sogar Rollstühle umfallen, muss der Hund sich ruhig verhalten können. Die Besitzer legen in Theorie und Praxis Prüfungen ab, die unter anderem die Körpersprache des Hundes, Verhaltensauffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen, Krankheit sowie Hygiene und Rechte umfassen. Die Ausbildung muss jedes Jahr aufgefrischt werden. Dabei wird der Hund 20 Minuten in einer Gruppe getestet. Natürlich müssen auch die vorschriftsmäßigen Impfungen vorhanden sein, einmal im Jahr wird eine Kotprobe des Hundes abgegeben und Entwurmungen müssen wegen des Einsatzes im Krankenbereich vorhanden sein. Der Hund muss also gesund sein, wenn er mit Patienten in Kontakt kommt. Ein kranker Hund darf nicht zum Einsatz kommen. Zum einen wegen der Ansteckungsgefahr (zum Beispiel Pilz- oder Flohbefall), zum anderen kann ein kranker Vierbeiner auch anders reagieren.

Geduldig und lernfreudig

Hummel ist ein äußerst geeigneter Therapiehund. Wenn der Hund ein Bewerbungsschreiben aufsetzen müsste, so hätte er keine Probleme, im therapeutischen Bereich Arbeit zu finden. Ihren Charakter beschreibt das Frauchen als überaus geduldig und vor allem lernfreudig. Intelligenzspiele beherrscht sie im Nu. Sie braucht geistige Herausforderung, ständiges Kopftraining und steht mit Begeisterung Neuem offen gegenüber. Außerdem geht sie auf jeden Menschen zu, der das will. Sie hat eine Intuition dafür, wenn jemand keinen Kontakt möchte, da geht sie erst gar nicht hin. Einziges Manko: Sie tut Katzen zwar nichts, aber das Jagen von den Stubentigern macht ihr großen Spaß, vor allem, wenn sie in den eigenen Garten spazieren und sich dann auch noch fürchten. Großen Lärm mag sie auch nicht, Silvester ist für sie wie für viele andere Tiere kein schöner Tag. Wie beim Menschen auch gibt es Tage, wo sie nicht so gerne arbeitet. Entweder weil sie sich nicht wohl fühlt oder ein heißer Sommertag ist.

Die therapeutischen Einsätze

Hummel eignet sich sowohl im physischen als auch im psychischen Bereich. Margarete Kapeller besucht ehrenamtlich die beiden Pflegeheime in Zwettl, die für die Besuche zwei Mal im Monat sehr dankbar sind und die beiden mit offenen Armen empfangen. Die Einsätze werden anhand von Kaffeejausen und pro Jahr einer kostenlosen Fortbildung wertgeschätzt. Logopäden greifen ebenfalls auf Therapiehunde zurück. Bei Kommandos wie „Platz“, „hier“ oder „gib Pfote“ geben sich betroffene Personen bei der Aussprache mehr Mühe, um dem Hund Befehle zu geben. Spastische Menschen entspannen sich, sie werden ruhiger, wenn Hummelchen kommt. Koordination von körperlichen Einschränkungen werden geübt: Mit einer Hand den Hund füttern, mit der anderen streicheln. Patienten heben die Füße und der Hund muss drüber springen oder er schaut unter den Beinen durch. Viel Spaß haben alle, wenn der Hund aus einer Box ein Taschentuch zieht und bringt. Dazu muss man nur „Hatschi“ sagen. Für Leckerlis bedankt sich Hummel mit einem „Wau“ auf Handzeichen vom Frauchen. Ebenso werden auf der psychischen Ebene im Hospizbereich oder in Strafanstalten Therapiehunde beschäftigt. Mit Hummel war Margarete Kapeller in Schulen beziehungsweise auch Sonderschulen der Umgebung unterwegs. „Das Aggressionsverhalten minimiert sich, Einschränkungen lassen sich in geordnete Bahnen leiten. Kinder werden zu mehr Selbstbewusstsein motiviert. Der Hund nimmt den Menschen so, wie er ist, er bewertet und reduziert Menschen nicht auf Defizite“, sagt Margarete Kapeller.

Therapie-Vorbereitung

Meist wird in einer Gruppe bis zu zehn interessierten Personen eine Therapiestunde abgehalten, in der Hummel zirka 45 Minuten zum Einsatz kommt. Dazu gehört die Vorbereitung, die die Patienten freudig übernehmen, denn Fürsorge ist etwas Schönes, was manchen Menschen im Heim, die selbst umsorgt werden, fehlt: Der Hund braucht zuerst eine Wasserschüssel und dann muss er angezogen werden, denn Hummelchen hat eine Dienstkleidung (Kenndecke) von den NÖ Rettungshunden.

Schöne Erlebnisse

Hummel und ihrem Frauchen machen die Besuche Spaß. „Man bekommt so viel zurück“, sagt Margarete Kapeller. Man sieht, wie sich das soziale Verhalten im Beisein der Hündin verändert. Hummel bringt einfach die notwendige Ruhe mit, ihre Anwesenheit enstpannt. Eine demenzkranke Heimbewohnerin war sehr verzweifelt und wollte unbedingt nach Hause. Als Hummel auftauchte, war der Seelenschmerz vergessen, weil sie meinte „ihr Lumpi“ sei wieder da. Somit war Hummel für eine halbe Stunde eben „der Lumpi“. Ein anderer Heimbewohner hatte sich von der Außenwelt völlig abgeschottet. Die Therapiehündin gibt Motivation, sich wieder ins Freie zu bewegen. Eine alte Dame hatte von sich aus nichts mehr unternommen. Aber wenn Hummel kommt, dann möchte sie alles selber machen. Wenn man die Menschen fragt, ob heute ein guter Tag ist, dann kommt manchmal auch die Antwort: „Ja, weil Hummel ist da.“ „Das Schönste für die Leute ist, dass sie nach einem Besuch miteinander ein Gesprächsthema über Hummel haben“, freut sich Margarete Kapeller. „Dabei kommen Geschichten und Erinnerungen von früher über die eigenen Hunde zur Sprache, auch bei jenen, die sonst eher verschlossen sind.“

Ruhestand rückt näher

Mit Hummel wohnt auch noch eine zweite Hündin namens Suki bei Familie Kapeller. „Sie ist aber kein Therapiehund, das habe ich gleich gemerkt, dass sie da kein Interesse hat“, sagt das Frauerl. Somit ist Suki einfach nur ein glücklich umsorgter Familienhund ohne „Beruf“. Das Ende der Dienstzeit rückt nun schön langsam für Hummel näher. „Man merkt, dass sie jetzt nicht mehr so lebendig dabei ist“, sagt Margarete Kapeller. Darum wird Hummel in näherer Zukunft in „Pension“ gehen. Und das darf sie auch. In Menschenjahre umgerechnet ist sie immerhin schon fast eine 80 Jahre alte Dame, die aber noch sehr agil und mit Freude unterwegs ist.<


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