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Leserartikel Eva Leutgeb, 02.09.2019 08:00

ZWETTL. Die meisten von uns erinnern sich sehr gerne an ihre Kinder- und Jugendzeit zurück, sind doch unzählige Eindrücke daraus fest in uns verankert. Die Spielplätze, das Einkaufen mit der Mama oder das Weihnachtsfest wecken Emotionen. Tips bringt nostalgisches Feeling zurück und befragt Menschen aus dem Bezirk zur „guten, alten Zeit“.

Tips-Mitarbeiter Franz Fichtinger erinnert sich gerne an seine Kindheit zurück. Foto: Fichtinger
  1 / 4   Tips-Mitarbeiter Franz Fichtinger erinnert sich gerne an seine Kindheit zurück. Foto: Fichtinger

Tips-Mitarbeiter Franz Fichtinger verbrachte seine Kindheit in der Zwettler Alpenlandstraße. In den 50-er Jahren des vorigen Jahrhunderts haben viele Ehepaare ihre Einfamilienhäuschen in dieser und den angrenzenden Straßen errichtet und Familien gegründet. „Dadurch gab es für mich eine Menge gleichaltriger Spielkameraden. Wir haben uns die meiste Zeit im Garten, auf der Straße oder im Zwettltal aufgehalten“, erinnert sich Franz Fichtinger. „Die abschüssige Alpenlandstraße wurde im Winter zur Ski-und Rodelbahn umfunktioniert, Schnee gab es damals noch in Hülle und Fülle. Im Sommer sind wir mit einem knallgelben Semperit-Schlauchboot von der Firma Silvestri auf der Zwettl gefahren.“ Nachsatz: Dieses unverwüstliche Gummiboot gibt es immer noch und ist damit rund 50 Jahre alt. Die Firma Silvestri gibt es leider nicht mehr.

Fünf Schilling fürs Rasenmähen

Eine unauslöschliche Kindheitserinnerung: „Es gab für mich in den Sommerferien nichts Schöneres, als im Schatten eines Baumes im Garten Micky Maus- oder Donald Duck-Bücher zu lesen - oder ins Freibad zu gehen.“ Seit mehr als 50 Jahren ist Franz Fichtinger damit Stammgast in diesem Bad. „Manchmal musste ich beim Rasenmähen helfen, dann habe ich fünf Schilling bekommen. Dieses Geld wurde dann im Kaufhaus Führer in der Gerungser Straße in Nutella, Nöm-Mix oder Fizzers umgetauscht“.

Matchbox-Autos und Linde-Manderl

Apropos Einkaufen: „Mit Mama haben wir beim Resch oder Gruber Fleisch und Wurst gekauft, beim Dürr Obst und Gemüse, die Milch wurde im Milchgeschäft in der Landstraße mit einer Handpumpe in Flaschen abgefüllt und das Brot haben wir beim Rumpl oder beim Hausleitner geholt. Höchst interessant waren immer die Auslagen der Spielwarengeschäfte Hofbauer und Parkos. Manchmal habe ich ein Matchbox-Auto bekommen. Diese wurden genauso gesammelt wie die Linde-Manderl, die im gleichnamigen Kaffee drinnen waren. Mit Leidenschaft sind wir Kinder damals von Geschäft zu Geschäft gegangen und haben um Abziehbilder zum Sammeln gebeten. Am Heiligen Abend sind wir um 18 Uhr in die Stadt gegangen, um Papa vom Dienst bei der AVIA-Tankstelle am Neuen Markt abzuholen. Da haben wir unzählige erleuchtete Christbäume hinter den Fenstern gesehen.“ Schnee zu Weihnachten war damals nicht die Ausnahme, sondern die Regel. „Einmal war am Feiertag, 8. Dezember, ein Wintergewitter und es hat furchtbar geschneit. Einen bleibenden Eindruck haben auch der Faschingsmarkt, der Pfingstmarkt und der Kreuzmarkt hinterlassen. Da hat es noch die Kettenkracher gegeben, die wir mit Leidenschaft angezündet haben. Und dann die Sommerfeste: zwei große Zelte mit Flipa-C für die Kinder, ein riesiger Vergnügungspark, Megafeuerwerke, gesponsert vom damaligen Bürgermeister und Unternehmer Franz Eigl, und eine Gewerbeausstellung - ganz Zwettl war auf den Beinen. Mein Lieblingsaussteller war Elektro Sinnhuber mit den Plattenspielern und Kassettenrekordern. Auch dieses Geschäft gibt es nicht mehr“, so Franz Fichtinger nostalgisch.

Dalli Dalli und Pan Tau am Schwarzweiß-Fernseher

Eine Sensation war damals der erste Schwarzweiß-Fernseher mit der Dachbodenantenne, aber ohne Fernbedienung. „Am Abend haben wir es uns im Wohnzimmer gemütlich gemacht und ,Dalli Dalli“ geschaut. Und zu Weihnachten gab es ausnahmsweise den ganzen Tag Programm mit `Pan Tau´, `Michel aus Lönneberga´ und `Pippi Langstrumpf´. Das Weihnachtsfest war für alle Kinder immer ein besonderes Erlebnis“.

Das erste Moped

Besonders stolz war Franz Fichtinger auf sein erstes Moped, eine rote Puch Magnum vom Zweiradhändler Kolm am Neuen Markt. Dort ist jetzt das „Mitbringsel“ der Caritas untergebracht. Kaum 16 Jahre alt schwang man sich - ohne eine Prüfung machen zu müssen - rauf auf das Moperl und ab ging es in die Disco. - Das alles natürlich ohne Helm, denn die Pflicht dazu gab es erst viel, viel später.


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