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Meine Kindheit und Jugend in Gutenbrunn und Obernondorf

Leserartikel Eva Leutgeb, 30.09.2019 08:00

GUTENBRUNN/OBERNONDORF. Hermine Fuchs wurde im Herbst 1954 in Zwettl geboren. Aufgewachsen ist sie die ersten Lebensjahre in Gutenbrunn und später zum Schuleintritt mit knapp sieben Jahren nach Obernondorf übersiedelt. Im Folgenden berichtet sie einige ihrer bleibenden Eindrücke aus ihrer Kindheit und Jugend.

Als Teenager in den 70er; Foto: privat
  1 / 4   Als Teenager in den 70er; Foto: privat

Unsere Kindheit haben wir viel in der freien Natur verbracht. Sehr gerne bin ich als Zehnjährige mit einem Bauern vom Ort mitgefahren, der noch mit dem Ochsengespann das Feld pflügte. Da haben wir Erdäpfel ausgegraben und danach sind wir am „Ruan“ (Rain) beim Jausnen gesessen. Das „Erdäpfeldoschat“ (Erdäpfelkraut) haben wir verbrannt und darin die Erdäpfel in der Glut gegart. Den Geruch habe ich heute noch in der Nase.

Oma als Bezugsperson

Die Oma war für mich die wichtigste Person, die auch meinen Namen „Minnerl“ ausgewählt hat. Nachdem sie vier Söhne hatte, hat sie sich über mich als Mäderl besonders gefreut. Als ich einmal zur Oma nicht mitfahren durfte, habe ich mich zum Auto geschlichen und hinterm Fahrersitz versteckt, damit ich zu meiner geliebten Großmutter kam.

Harte Arbeit

Wir Kinder mussten früher viel mitanpacken. Als Lebensmotto galt damals „Lass dich ja nicht beim Nichtstun erwischen“. Ich habe mich deswegen oft im Kasten versteckt und mit der Taschenlampe gelesen und man hat mich gefragt, ob ich denn keine andere Arbeit habe. Das hat mich geprägt. In meinem Leben hat mich deswegen lange der Leistungsdruck begleitet.

Fernsehen beim Lehrer

Fernsehen hat es damals kaum gegeben. Da sind wir Kinder über die Wiese den Berg hinauf ins Schulhaus zum Lehrer gelaufen, damit wir uns am Mittwoch den Kasperl in Schwarz-Weiß anschauen können. Etwas später hat der Nachbar einen Fernseher bekommen, da haben wir im Schlafzimmer „Mainz wie es singt und lacht“ geschaut. Da war ich sieben Jahre alt und ich weiß noch gut, dass Margit Sponheimer gesungen hat. Das hat sich in mein Gehirn so eingebrannt, dass ich 40 Jahre später das Lied vom Rosenmontag auf der Zwettler Faschingsbühne gesungen hab. In Obernondorf hat es nur eine einklassige Volksschule gegeben, wo die erste, zweite und dritte Schulstufe in einer Klasse waren. Der Schulunterricht für die Größeren war am Vormittag, der für die Kleineren am Nachmittag. Da ich die Älteste in der Klasse war, hat der Lehrer gemeint: „Die passt ja nicht auf, weil die kann ja schon alles“ später in der Hauptschule, wenn ich für meinen Bruder die Aufgabe gemacht hab, hat der Lehrer darunter geschrieben: „Das hat deine Schwester aber gut gemacht.“

Mit dem Zug zur Schule

Mit der heute viel diskutierten Franz-Josefs-Bahn bin ich elf Kilometer gut eine halbe Stunde in die Hauptschule gefahren, das ist die jetzige Neue Mittelschule in Zwettl. Die Monatskarte hat etwa 28 Schilling gekostet. Zuvor musste ich noch einen Kilometer Fußmarsch zur Bahn machen. Da hat der Zug vorher in der Syrnau und dann am „Haupt“-Bahnhof in Zwettl gehalten. Wenn wir Zeit gehabt haben, sind wir in der Syrnau ausgestiegen und zum Gemischtwarenhandel Blei in die Galgenbergstraße gegangen. Im Zug haben wir die Aufgabe gemacht oder Karten gespielt. Wenn der Zug gekommen ist und ich noch weiter weg war, habe ich auf den Fingern gepfiffen, damit er auf mich wartet. Viele Jahre später hat der damalige Schaffner mich in meiner Zoo-Fachhandlung darauf angesprochen, dass er sich deswegen an mich noch gut erinnern kann.

Transisterradio und Tonbandgerät

Das Transisterradio und Tonbandgerät waren für mich als Teenager in den 60er/70er Jahren das Allercoolste. Besonders gefreut habe ich mich, wenn Radio Luxemburg die Beatles, Manfred Mann oder Bee Gees gespielt hat und ich das mit dem Tonband aufnehmen konnte. Empfang hatte ich nur am Balkon.

Eine Schreibmaschine und 50 Schilling in der Tasche

Meinen beruflichen Werdegang hätte mein Vater schon für mich festgelegt gehabt. Ich sollte die Greißlerei in Obernondorf, dort wo jetzt das Gasthaus Wagner ist, übernehmen. Aber ich hab mir meine Zukunft anders vorgestellt, als am Sonntag nach der Messe Salathäupl und Schlecker zu verkaufen. Ich habe deswegen auch keine Unterstützung bekommen und bin gegen den Willen meines Vaters mit 17 Jahren mit einer Schreibmaschine und 50 Schilling in der Tasche nach Wien zu meiner Großmutter gezogen und habe beim ÖAMTC in der Rechtsabteilung zu arbeiten begonnen. Ich bin mit 22 Jahren wieder in meine Heimat zurückgekehrt, weil ich unbedingt wollte, dass meine Kinder in „unserem“ schönen Waldviertel aufwachsen können.


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