Der Dampflok-Liebling feiert seinen 100 Geburtstag
ZWETTL. Ein Dreifach-Jubiläum gab es für den Museums-Lokalbahn Verein im Mai zu feiern: Der hundertste Geburtstags des Lieblings, die“92er-Dampflok“, die Eröffnung eines offiziell registrierten Lokomotiv-Museums und die Eröffnung einer Sonderausstellung im ehemaligen Warteraum des Bahnhofes Zwettl.

Vor 100 Jahren ist die 92er-Lok aus dem Werksgelände in Linz gerollt. 1994 ist die Lokomotive vom Museums-Lokalbahn Verein angekauft worden, danach ist sie eine Zeit lang gestanden, aber schließlich wurde sie in einem Zeitraum von zehn Jahren aufgearbeitet. Darin stecken 11.000 Arbeitsstunden, aber auch ein enormer finanzieller Aufwand.
Ab 19. Mai gab es wieder die Gelegenheit, mit der Dampflokomotive bis nach Waidhofen/Thaya fahren zu können. Damit das möglich ist, haben viele Mitglieder und auch Bürgermeister am Strang gezogen. „Das Waldviertel ist dadurch zu einem echten „Dampflok-Eldorado“ geworden. Wir haben unsere Schmalspurbahn und unsere Normalspurbahn. Das ist etwas ganz Besonderes“, sagt Martin Fichtinger, Obmann des Wirtschafts- und Tourismusmarketing Zwettl, in seiner Begrüßungsansprache und bedankte sich bei den Mitgliedern des Lokalbahn-Vereins.
Wunderschöne Sammlung
„Wir haben eine wunderschöne Sammlung alter Fahrzeuge, die wir in der Zukunft auch der Öffentlichkeit präsentieren wollen“, sagt Karl Wasinger, Obmann des Vereins. Darum wurde die Museumseröffnung geplant. Im ehemaligen Warteraum des Bahnhofes gibt es eine Sonderausstellung und das Museumsgelände befindet sich beim Heizraum. „Uns ist es ganz wichtig, dass sich die Fahrzeuge auch bewegen, dass man mitfahren kann“, spricht der Obmann weiter. Die Wagen werden bewegt, gewartet, bekohlt und angeheizt. „Dabei kann man zuschauen. Die Leute können vorbeikommen, wir zeigen alles und wir freuen uns, wenn wer kommt“, sagt Karl Wasinger. Für die Anwesenden, darunter die Ehrengäste Silvia Moser, Abgeordnete zum NÖ Landtag, Stadtrat Gerald Gaishofer und Benjamin Dürr vom Museumsmanagement NÖ, wurde ein Buffetwagen errichtet. Dort gab es kesselwarme Würstel, Brötchen, Fassbier, gepflegte Weine und Kaffee zur Verköstigung. Zum Schluss der offiziellen Eröffnung bedankte sich Karl Wasinger für die Mithilfe zur Eröffnung bei seiner Frau Irmgard und Sohn Thomas, Peter Schmid und Familie Steininger.
Die Geschichte der 92er-Dampflok
Die 92er-Dampflok wurde noch in der Monarchiezeit gebaut und 1919 von der Firma Krauss&Co in Linz fertig hergestellt. Eine Sonderausstellung zur Lok gibt es im neuen Museum. Ursprünglich wurde die Dampflok für die Puchberger Schneebergbahn gebaut. Dort gibt es eine für Schienenfahrzeuge sehr steile und kurvenreiche Strecke. Dafür brauchte man eine sehr zugkräftige Maschine, welche die 92er auch ist. 200 Stückzahl wurden davon hergestellt und eine davon steht im Heizhaus des Museums Lokalbahn-Vereines in Zwettl. Zuerst wurde die 92er an die Wiener Lokalbahn, sprich Badener Bahn, verkauft. Diese hatte damals Bedarf für Güterzugs-Lokomotiven. Nach dem Krieg hat es oft Stromausfälle gegeben. Somit kam der Zug wieder in den Einsatz, Personenwagons zu ziehen. In den 60er-Jahren war für Dampfloks kein Bedarf mehr, es wurden alle durch Dieselloks ersetzt. Der Güterverkehr ging zurück und die Lok wurde an das Stahlwerk verkauft. „Dort ist sie wild hergenommen worden, weil sie schwere Züge führen und Schrott, also alles was in einem Stahlwerk so notwendig war, transportieren musste“, so Karl Wasinger. Danach hat die Firma Brenner&Brenner die Dampflok gekauft und bereits Sonderfahrten durchgeführt, jedoch nur solange die Kesselfrist gegolten hat. Da ergab sich 1994 für den Lokalbahn-Verein die Möglichkeit, die 92er zu erwerben. Vorerst ist sie vier Jahre lang nur gestanden. Dann wurde damit begonnen, diverse Teile abzuschrauben. Man hat aber schließlich nicht weitergearbeitet, weil man nicht wusste, ob der Museums-Verein in dem Gelände bleiben kann. Erst mit dem Erwerb des Heizhauses im Jahr 2000 wurde der „Großangriff“ zur Reparatur der 92er gestartet. Im Jahr 2008 wurden die ersten Probefahrten gemacht und 2009 hat der Verein die Betriebsbewilligung erlangt. Seit 2010 ist diese Dampflokomotive im offiziellen Fahrbetrieb.
Sonderfahrten
Sie ist aber viel mehr, nämlich ein Sympathie- und Werbeträger der Gemeinde und sicherlich fürs ganze Waldviertel. Seit 2011 werden jährlich einige Sonderfahrten durchgeführt. Dazu gehören Fixpunkte wie der „Ostereier-Express am Karsamstag“, das „Radopening ins Thayatal“ und die Adventfahrt zum „Goldenen Advent“ der Stadtgemeinde. Im September gibt es die traditionelle „Sturmfahrt“, bei der Sturm und Erdäpfel mit Butter serviert werden, und abends eine Zeitreise in die 60er- und 70er-Jahre mit Rollmops-Semmerl, Gin Fizz und „Rüscherl“.
Die große Liebe zur Dampflok
Karl Wasinger hat schon früh die Liebe zu den Schienenfahrzeugen entdeckt. Sein Vater war Fahrdienstleiter. Bis zu seinem sechsten Lebensjahr wohnte er mit der Familie im Personalhaus am Bahnhof. „Beim Verschieben der Züge habe ich immer auf der Lok mitfahren dürfen. Wenn du eine Dampflok in Betrieb siehst – die lebt“, schwärmt er.
Für die Eröffnung am 18. Mai wurde die 92er schon am Vorabend angeheizt. Alle vier Stunden muss Kohle nachgeschaufelt werden, auch nachts steht Karl Wasinger dann auf, um den Liebling zu beheizen. „Sobald du irgendetwas vernachlässigst, kriegst du die Rechnung präsentiert, sie will ihre Streicheleinheiten“, spricht der Obmann. Ihm ist wichtig, dass die historischen Fahrzeuge und Technik erhalten bleiben und auch betriebsfähig gemacht werden. Jeden Samstag und auch mittwochnachmittags geht er seiner großen Leidenschaft nach, pflegt und wartet die Fahrzeuge im Heizhaus. Das Beheizen der Dampfloks kostet auch eine Menge Geld. Mit einer Kohlenlieferung um 7.000 Euro kann man gerade einmal eineinhalb Jahre fahren. Der Verein finanziert sich über die Mitgliedsbeiträge, Spenden, Subventionen der Gemeinde und durch die Einnahmen der Veranstaltungen. Es gibt drei Standbeine für den Verein, nämlich die Eigenleistung der Reparaturen und Wartung, die Einnahmen aus den Veranstaltungen und vor allem muss es der Öffentlichkeit etwas wert sein.
Nachwuchs gesucht
Die Reparatur der 92er hat an die 40.000 Euro gekostet. Das größte Problem sei aber der Nachwuchs. Der Verein wünscht sich dringend Mitglieder, vor allem die Jugend lässt sich nicht mehr für so eine Leidenschaft begeistern. Dabei sind hier keinerlei Vorkenntnisse notwendig. „Entrosten, reinigen und „streicheln“ sowie den Dienstplan einzuhalten, wenn es wieder ums Beheizen geht, sind die einzigen Bedingungen“, sagt Karl Wasinger. Aber vielleicht entdeckt der eine oder andere Leser hier auch seine Begeisterung für diese historischen Fahrzeuge.


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