URW: Die Obfrau kam, kämpfte und siegte
ZWETTL. Am 1. Oktober 2016 wurde die adaptierte Stadthalle in Zwettl eröffnet. Für das Bundesligateam des Vereins Union Volleyball Raiffeisen Waldviertel (URW) ein historischer Tag. Denn nach 20 Jahren Hallensuche und Verhandlungen mit insgesamt fünf Bürgermeistern ist Silvia Atteneder froh, angekommen zu sein, hier in Zwettl. Tips traf die energiegeladene Obfrau des Vereins zum Interview.

Tips:Was ist dir am Samstag bei der Eröffnung der Halle durch den Kopf gegangen?
Atteneder: Das kann ich gar nicht alles auf den Punkt bringen. Nach 20 Jahren habe ich dieses Team, meine große Vision und den Hallentraum, den ich immer für die Volleyballer gehabt habe, erreicht. Viele haben zu mir gemeint, Silvia das wird nie was. Jetzt seht ihr, was am Ende rauskommen kann, wenn man hartnäckig und lange genug dranbleibt. Aber es hat mir viele schlaflose Nächte gekostet!
Tips:Du warst ja auch sprichwörtlich der Hingucker bei der Eröffnung (siehe Foto).
Atteneder: Ja durch mein Luftballonkleid, extra für mich angefertigt. Habe lange überlegt, natürlich gehört auch eine Portion Mut dazu, sowas zu tragen. Womöglich wirkt das bei einer älteren Frau wie mir ein wenig komisch. Aber ich bin jemand, der Akzente setzt, der Neues begrüßt. Und nachdem unser Traum nun endlich in Erfüllung gegangen ist, wollte ich auch für eine Überraschung sorgen.
Tips: Um es auf den Punkt zu bringen, warum war euch diese Halle so eine Herzensangelegenheit?
Atteneder: Wir sind ein Verein, der nach vorne schaut, der sich immer verbessern will und nach Neuerungen strebt. Wir wollen beweisen, dass der Volleyball, der oft noch als eine Randsportart bezeichnet wird – in dieser Liga auch im Waldviertel möglich ist. Natürlich auch mit einer enormen Kraftanstrengung, das muss ich schon sagen.
Tips: Warum ist es im Waldviertel um einiges schwieriger, Spitzensport zu etablieren?
Atteneder: Wir Waldviertler sind – meiner Erfahrung zufolge – vielfach mit dem zufrieden, was wir haben. Wir trauen uns oft zu wenig zu, schauen zu wenig über den Tellerrand. Und für den Volleyball, den wir hier betreiben, da muss man weit über den Tellerrand schauen, sonst kann man das nicht machen.Natürlich braucht man auch das entsprechende Team, dass das mit dir mitträgt. Es ist nicht einfach, dieses Level umzusetzen. Der Aufstieg in die Bundesliga war ein riesen Schritt, man hat Vorschriften, das kann sich kein Laie vorstellen, angefangen von der regelkonformen Halle über neun Meter Höhe bis hin zum Netz.
Tips:Und es ist auch immer eine finanzielle Frage...
Atteneder: Ja! Mit Hypo Tirol (Anm: der Bundesliga-Erste) brauchen wir den Vergleich gar nicht anzustreben, deren Budget ist siebenstellig, mit Aich/Dob und Amstetten ebenso wenig. Wir befinden uns von der Budgetsituation wirklich im untersten Drittel und kämpfen von einem Jahr auf das andere um das wirtschaftliche Überleben. Dafür bekommen wir Rückhalt von den besten Fans überhaupt, haben eine unwahrscheinliche tolle familiäre Mannschaft, vom Statistiker bis zu unserem Mentaltrainer, danke dafür!
Tips:Bei unserem Gespräch im letzten Jahr hattest du deine Volleyball-Pensionierung im Hinterkopf, wie ist es damit bestellt?
Atteneder: Ja ich bin schon auf der Suche nach einem Nachfolger. Aber nachdem ich doch einige Auszeichnungen bekommen habe und die neue Halle nun da ist, bin ich echt im Zwiespalt. Ich fürchte halt, dass es keinen gibt, der das Amt mit so viel Herzblut ausübt wie ich. Ich stecke doch täglich vier bis fünf Stunden in den Verein. Und jetzt mit dem neuen VIP-Bereich in der Halle, müssen wir schon schauen, dass das gut anläuft.Tips: Was traust du der Bundesliga-Mannschaft heuer zu?Atteneder: Nachdem wir das erste Match in Weiz mit 3:0 gewonnen haben, glaube ich, dass unsere Burschen so einiges schaffen können. Zwar kann man sie mit der vorigen Mannschaft nicht vergleichen, da sie doch um einiges jünger sind. Aber ich schätze die Leistung des Teams auf jeden Fall höher ein, als anfangs erwartet – alles ist möglich!


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