Als der wilde Bub, Martin Zwettler, einst Schach entdeckte
GMÜND/ZWETTL. Er geht gerne zum Krafttraining, ist hauptberuflich Polizist und zudem leidenschaftlicher Schachspieler. Eine Kombination, die man wahrscheinlich eher selten antrifft. Als spielstärkster Kandidat im Schachklub Zwettl weiß Martin Zwettler den Gegner aus der Reserve zu locken, ihn mit riskanten Zügen zu überraschen. Eine Strategie, die den Gmünder schon viele Erfolge feiern ließ.

„Ich erfülle als Polizist und einst wilder Bub wahrscheinlich nicht das Klischee eines typischen Schachspielers“, grinst Martin Zwettler. Vielmehr stelle man sich darunter einen eher ruhigen Typen mit Brille vor. Aber auch das trifft nicht immer zu, zumindest sind Schachspieler vielfach chaotisch, berichtet der bald 40-Jährige aus seinem Bekanntenkreis. Mittlerweile entdeckt aber auch er seine ruhige Seite, handelt vielfach überlegter als früher. Auch das Gefühl, stets gewinnen zu wollen, überwiegt nicht mehr so oft.
„Macht Spaß, den Gegner zu überlisten“
Gepackt hat ihn die Leidenschaft für das strategische Brettspiel bereits in den ersten Klassen des Gymnasiums. Während sein Vater schon regelmäßig beim Schachklub Gmünd spielte, vertrat er als Bub das Vorurteil: Schach ist langweilig. Bis ein Junge, „der Streber in der Klasse“, in den Pausen und Freistunden das Brettspiel hervorkramte und alle besiegte.
Noch nicht überzeugt von diesem Sport aber mit dem Siegeswillen vor Augen, nahm ihn sein Vater auf seinen Wunsch unter die Fittiche und begann mit ihm zu trainieren. Es sollte sich auszahlen, kurze Zeit später gewann er gegen den Klassenkameraden. „Ich fand langsam Gefallen am Schach, mir machte es Spaß, den Gegner zu überlisten. Es wird nie langweilig, denn deine Möglichkeiten sind fast unendlich, schließlich spielt man ja nie dieselbe Partie“, meint Zwettler.
Von Gmünd nach Zwettl
Es dauerte nicht lange und er wurde Mitglied beim Schachclub Gmünd, nur selten verlor er eine Spiel. Bald nahm er an der Waldviertelliga teil und wurde dann, als der Schachklub Zwettl 1999 in die Landesliga aufstieg, mit 20 Jahren Stammspieler beim Klub im Nachbarbezirk. Massives, nahezu tägliches Training folgte. War es damals noch mit einem eigenen Schachcomputer, gibt es heute mittlerweile unheimlich starke Programme.
„Meine Hauptstrategie ist den Gegner zu überraschen, ihn zu verblüffen und ihn aus seinem gewohnten Muster rauszuholen.“ Damit hat er Erfolg, nur drei Jahre später, 2002, wurde Martin Zwettler im Einzelbewerb Landesmeister in St. Pölten. Ein weiterer Meilenstein: 2005 belegt Zwettl in der Landesliga den ersten Platz, damit folgte der Aufstieg die 2. Bundesliga Ost. „2011 gelang mir mit Zwettl der Sieg in der 2. Bundesliga Ost, somit schafften wir den Aufstieg in die höchste Liga Österreichs“, blickt Zwettler zufrieden auf die Erfolge zurück. Er selbst spielte dort allerdings nicht mit, zu mühsam war ihm die mehrtägige Turnierteilnahme quer durch Österreich. 2014 dann seine erster Antritt bei der offenen Bundesmeisterschaft - schlussendlich wurde es der gute 9. Platz - „es war eine ganz gelungene Premiere“, zieht Martin Zwettler Bilanz.
Nicht publikumsreif
Wie ist es mit der Schachszene im Waldviertel bestellt? „Leider habe ich hier wenig Anschluss an die großen Schachzentren in Wien, Graz oder an die Hochburg Kärnten. Aber die Szene wird auf alle Fälle langsam kleiner“, meint der Gmünder.
Es sei auch kein publikumsreifer Sport. „Am Fußballplatz gibt es Gegröle, Bier und Würstel, bei uns ist es eher ruhig, es ist Konzentration ist gefragt. Mein längstes Spiel dauerte rund sechs Stunden“, lacht er. Sie, die Freaks, sitzen eher vor den Bildschirmen und verfolgen so die Weltmeisterschaften. Geduld und Ausdauer sollte man jedenfalls mitbringen: „Ein guter Schachspieler sollte auf alle Fälle flexibel sein und wenig Angst haben, auch mal etwas riskieren und die Kunst des Blöffens beherrschen.“ Zwettler, selbst ernanntes Pokerface, analysiert seinen Gegner im Vorfeld, um so eine mögliche Schwäche zu entdecken. Er weiß genau, wer im Waldviertel welche Systeme bevorzugt.
Sein Ziel: auch zukünftig gute Partien für Zwettl zu spielen. Und er würde Schach als Freigegenstand in der Schule gutheißen. „Von Zwangsbeglückung halte ich nichts, aber es wäre als Kontrast zur einnehmenden digitalen Welt in jedem Fall empfehlenswert. Nicht umsonst hatten die Russen früher Schach als Pflichtgegenstand.


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