Lehrlinge: Spengler und Fliesenleger dringend gesucht
ZWETTL. Im Bezirk Zwettl gibt es derzeit 179 Ausbildungsbetriebe mit 571 Lehrlingen. Gute Fachkräfte sind gesucht wie nie zuvor. Tips hat mit der Leiterin der Polytechnischen Schule Zwettl, Eva-Maria Rester gesprochen.

Tips:Es sinken die Schülerzahlen ebenso wie jene der Lehrlinge, auf der anderen Seite werden stetig qualifizierte Fachkräfte gesucht.
Rester: Ja, so ist es. Wir hatten in den letzten zwei Jahren glücklicherweise keinen Schülerrückgang zu verzeichnen, im Gegenteil. Waren es bislang immer zwischen 90 und 95, so zählen wir heuer sogar 110 Schüler, darunter auch einige Rückfluter. Das sind all jene, die eine Höhere Schule beginnen und dann aus verschiedensten Gründen abbrechen. Diese kommen um Weihnachten wieder zu uns, was natürlich logistisch auch nicht einfach zu handhaben ist.
Tips: Ist der vielzitierte Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Schulen spürbar?
Rester: Oft - wenn Schüler bereits Anfang Oktober von Höheren Schulen zu uns wechseln, habe ich das Gefühl, dass mehr die Statistik der Schülerzahlen im Vordergrund steht, als der Jugendliche selbst. Und es spricht absolut nichts gegen eine Höhere Schule, allerdings sollte man immer die Wünsche des Jugendlichen respektieren. Denn wenn man etwas von Herzen will, macht man es automatisch mit mehr Freude. Wenn also eine Lehre bevorzugt wird, dann sollte man das als Elternteil befürworten, gerade auch dann, wenn der Schüler ein guter Schüler ist. Und diese haben bei uns sofort einen fixen Lehrplatz - die Betriebe wissen das natürlich zu schätzen.
Tips:Wie könnte man den einen Anreiz schaffen, die Lehre noch attraktiver zu gestalten?
Rester: Das ist eine gute Frage. Man sollte vielleicht bei den Marketingaktivitäten betonen, dass ein gelernter Facharbeiter sicher so gut verdient wie ein Maturant. Nicht zuletzt gelangt ein Großteil der Unternehmer über die Lehre zur Selbstständigkeit. Und wichtig wäre es auch, der Berufsorientierung im Vorfeld schon einen höheren Stellenwert beizumessen, ihnen die breite Palette an Möglichkeiten vorzustellen. Die wenigsten wissen etwa, dass ein Vermessungstechniker, ein(e) Baufkauffrau/mann, ein Verwaltungsassistent oder ein Steuerassistent ein Lehrberuf ist. Natürlich ist eine Lehre kein Honiglecken, von früh weg, Tag für Tag das Beste geben, da steht man schnell auf eigenen Füßen.
Tips:Welches Geschlechterverhältnis habt ihr in der Polytechnischen Schule Zwettl?
Rester: Man könnte sagen, zwei Drittel Burschen, ein Drittel Mädels und das ist mittlerweile ein guter Schnitt. Früher hatten wir gesamt nur zehn Prozent Mädels, voriges Jahr verzeichneten wir bei 110 Jugendlichen schon 40 Schülerinnen, heuer 35.
Tips:Welche Ausbildungssparten habt ihr im Haus?
Rester: Wir haben den Fachbereich Metall-, Bau-, Holz-, Elektro- und Energie-, Umwelt- und Klimatechnik sowie eine Handels- und Bürogruppe, eine Dienstleistungsgruppe und die Tourismussparte. Und gerade in diesem letzten Sektor werden Lehrlinge massiv gesucht, genauso gut wie Spengler und Fliesenleger, leider haben wir wenig Schüler, die dem nachkommen wollen.
Tips:Was zählt zu den beliebtesten Ausbildungssparten?
Rester: Bei den Burschen ist es eindeutig die Metallbranche – allen voran der Landmaschinentechniker, gefolgt vom KFZ-Techniker, ebenso Schlosser. Auch der Maurer ist sehr beliebt - ihnen ist ein Platz im Waldviertel sicher, genauso wie den Fertigteilhausbauern. Bei den Mädels geht die Tendenz hin zur Friseurin, das ist manchmal schwierig, weil die meisten Betriebe bei uns nicht die große Anzahl an Lehrlingen ausbilden, dies gilt ebenso für die Kosmetikerin. Auch die Sparte der Bürokauffrau wählen viele. Etliche unserer Schülerinnen werden auch im Verkauf tätig, zum Beispiel in der Lebensmittelbranche.


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